The Intro, Teil II

Als kleiner Nachtrag zu des Popblogs Verwunderung über die letzte Intro sei noch erwähnt, dass in der DVD-Abteilung offensichtlich vorweihnachtliches Review-Raten als neuer Mordsspaß installiert wurde. Das Ganze funktioniert so: du musst einen Film besprechen, hast keine Ahnung, um was es geht, liest auch bewusst nicht die Inhaltsangabe durch und rätst einfach nach dem Titel eine Besprechung zusammen. So ganz offensichtlich bei der Besprechung von Michael Hanekes „Caché“ geschehen: „In Cache nimmt er sich das Internet als Hort des Bösen vor, um eine entmenschlichte Welt zu präsentieren, in der das Individuum nur noch Teil einer Maschinerie ist, die Innerstes offen legt und es keine Geheimnisse mehr geben kann (…)“ Klingt gut, wäre auch bestimmt ein interessanter Haneke-Film geworden, doch leider taucht in „Caché“ nicht ein einziger Computer, geschweige denn das Internet auf. Der Titel „Caché“ spielt auch nicht wie von Intro vermutet auf den Zwischenspeicher eines Internetbrowsers an, sondern auf allgemein „verstecktes“, „verborgenes“. Das Medium der Wahl Hanekes im hervorragenden „Caché“ sind Videoaufnahmen nicht das Internet, die Themen sind die Verdrängung von eigener Schuld, deren verpasste Aufarbeitung, die Saat des Zweifels und Migration, nicht die „entmenschlichte Welt“. 

Tja, schade, guter Versuch, aber leider dann doch daneben gelegen beim Review-Raten. Trotzallem vergeben wir für diese Chuzpe 4 von 5 möglichen Lottmanns. In: Intro 145, Projektor, Seite 35

Christian Ihle  

 

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