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vonChristian Ihle & Horst Motor 05.02.2007

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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In ein paar Wochen findet die Verleihung der kleinen goldenen Statuen statt, das Popblog kommentiert die Nominierungen und wagt erste Prognosen ob der Siegchancen.

Die erste Folge: Beste Regie und Bester Film

Heute: Die Darstellerkategorien

Bester Hauptdarsteller:

Nominiert: Leonardo DiCaprio (Blood Diamond), Ryan Gosling (Half Nelson), Peter O’Toole (Venus), Will Smith (Pursuit Of Happyness), Forest Whitacker (Last King of Scotland)

Die Überraschungen: Große Überraschungen gab es nicht bei der Hauptdarsteller-Nominierungsrunde. Die große Frage war mehr, für welchen Film DiCaprio nominiert werden wird: The Departed oder Blood Diamond – oder gar für beide wie bei den Golden Globes? Es wurde der Afrikathriller Blood Diamond – paradoxerweise dürften DiCaprios Chancen auf einen Oscar gestiegen sein, da er nun nur für einen Film antritt und die Gefahr einer Stimmsplittings vermieden ist. Trotzdem ist er wie Will Smith nur Außenseiter. Dass weder der Golden Globe Sieger Sacha Baron Cohen („Borat“) noch Johnny Depp nominiert wurden, war dagegen mehr oder weniger zu erwarten.

Wer wird gewinnen? Es deutet alles auf einen großen Zweikampf zwischen Forest Whitacker und Peter O’Toole hin. 2001 hätte man noch auf O’Toole gesetzt, als Hollywood noch Jahr für Jahr schwarze Schauspieler schmählich überging, doch nach den Auszeichnungen für Denzel Washington, Halle Berry, Morgan Freeman und Jamie Foxx in den letzten fünf Jahren kann man dieses vorurteilbeladene Ausschlusskriterium wohl Gott sei Dank für alle Zeiten beiseite schieben.
Allerdings liebt Hollywood seine alten Männer und Peter O’Tooles gefeiertes Comeback als alternder Schauspieler ist so was von klassisches Oscarmaterial, dass er eigentlich der große Favorit wäre, hätte sich nicht Forest Whitacker mit seiner Darstellung des afrikanischen Diktators Idi Amin so in den Vordergrund gespielt. Für O’Toole spricht, dass er sagenhafte acht Mal bereits erfolglos für den Oscar nominiert war (unter anderem für „Lawrence von Arabien“), als 74jähriger wohl das letzte Mal in den Genuss einer Nominierung gekommen ist und seine Rolle als alternder Schauspieler natürlich bei dem Großteil der Stimmberechtigten (nämlich: Schauspieler. Diese sind gerne auch mal alt) besonders viele emotionale Knöpfchen drücken dürfte. Whitacker hingegen hat den Vorteil, eine reale Person zu spielen (immer gut bei der Academy) und gewann nahezu jede andere Wahl in diesem Jahr, vor allem auch die Auszeichnung der Screen Actors Guild, der Schauspielervereinigung. Leichte Vorteile für Whitacker, aber ein Kopf an Kopf Rennen.

Beste Hauptdarstellerin:

Nominiert: Helen Mirren (The Queen), Judi Dench (Notes On A Scandal), Penelope Cruz (Volver), Mery Streep (The Devil Wears Prada), Kate Winslet (Little Children)

Die Überraschungen: Eigentlich keine, es sind die fünf, die man erwartet hatte.

Wer wird gewinnen? Die große Favoritin ist Helen Mirren für ihre Darstellung von Elizabeth II. Und wenn die Britin Mirren die kleine Statue nicht mit nach Hause nehmen wird, dann dürfte Judi Dench einspringen, die erstens Academy-Liebling ist (6 Nominierungen in den letzten 8 Jahren, ein Nebendarsteller-Sieg) und zweitens für „Notes On A Scandal“ allenthalben stürmisch gefeiert wurde. Meryl Streep, die nun sagenhafte 14mal schon für einen Oscar nominiert war (und zweimal gewann), dürfte für ihre Rolle in der Komödie „Der Teufel trägt Prada“ wohl keine Chance gegen die beiden Britinnen haben. Kate Winslet, die dritte Britin im Bunde, wird sich wohl auch erneut geschlagen geben müssen und nach 5 erfolglosen Nominierungen in den letzten 10 Jahren langsam ein Oscar-Trauma von Scorsese-Ausmaßen entwickeln. Penelope Cruz ist chancenlos in dieser Kategorie.

Bester Nebendarsteller:

Nominiert: Alan Arkin (Little Miss Sunshine), Jackie Earle Harley (Little Children), Djimon Houdson (Blood Diamond), Eddie Murphy (Dreamgirls), Mark Wahlberg (The Departed)

Die Überraschungen: Vor einem Jahr hätte man sicher Unmengen von Geld gewinnen können, hätte man Dr. Doolittle als aussichtsreichen Oscar-Kandidat getippt. Auch dass das ehemalige Calvin-Klein-Model Marky Mark im Rennen ist, war vor einigen Jahren nicht abzusehen. Andererseits fehlen mit Brad Pitt für „Babel“ und Jack Nicholson für „Departed“ zwei große Namen, die sich berechtigte Hoffnungen machen durften (letzterer allerdings zu Unrecht für die over-the-top-Performance im Scorsese-Thriller) und auch Ben Affleck, der beim Filmfestival in Venedig überraschend mit der Darsteller-Trophäe ausgezeichnet wurde, wird die eine oder andere männliche Träne vergießen, dass er im Nominierungsreigen übergangen wurde.

Wer wird gewinnen? Es klingt absurd, doch Eddie Murphy ist als Golden Globe Gewinner tatsächlich Favorit in dieser Kategorie. Allerdings muss erwähnt werden, dass gerade die Nebendarstellerkategorien oftmals völlig unberechenbar von der Academy entschieden werden, so dass viel Raum für Spekulationen bleibt. Schön wäre es, wenn Alan Arkin für seine Rolle als heroinsüchtiger und sexbesessener Großvater in Little Miss Sunshine per Auszeichnung gelobt würde, aber auch Jackie Earle Harley besitzt Chancen.

Beste Nebendarstellerin:

Nominiert: Adriana Barraza (Babel), Cate Blanchet (Notes On A Scandal), Abigail Breslin (Little Miss Sunshine), Jennifer Hudson (Dreamgirls), Rinko Kikuchi (Babel)

Die Überraschungen: Exakt die gleichen fünf Nominierungen bei den Golden Globes wie bei der Screen Actors Guild lassen wenig Platz für Überraschungen. Schön dass ein gelungenes Ensemble-Stück wie Babel mit gleich zwei Nominierungen bedacht wurde.

Wer wird gewinnen? Wie bei den Männern gilt auch hier: viel Raum für Spekulationen! Da allerdings Jennifer Hudson, die ehemalige Teilnehmerin von American Idol (so etwas wie die amerikanische Variante von „Deutschland sucht den Superstar“), sowohl den Golden Globe als auch die Auszeichnung der Screen Actors Guild gewonnen hat, gilt sie als die große Favoritin. Zu bedenken bleibt allerdings, dass ihr Film Dreamgirls im Vergleich zu allen anderen Awards ausgerechnet bei der Academy für keinen einzigen „großen Preis“ nominiert wurde und so offensichtlich Ressentiments gegen das Beinahe-Musical bestehen. Ob allerdings des Popblogs Favoritin Rinko Kikuchi, die das emotionale Herz des Episoden-Dramas „Babel“ ist, mehr als ein Außenseiter sein kann, bleibt leider zu bezweifeln. Dabei hätte ihre Darstellung eines taubstummen Teenagers auf der Suche nach Verständnis, Sex und Liebe den Preis ohne Frage verdient.

Folge 1: Bester Film, Bester fremdsprachiger Film, Beste Regie

Christian Ihle

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