Die Gegenoscars: Independent Spirit Awards

Wem die Oscars immer zu sehr auf das große epische Konsens-Material setzen, der kann heute Abend einen Blick auf die Verleihung der „Independent Spirit Awards“ werfen.

Die dortige Jury beweist oft einen formidablen Filmgeschmack und zeichnet zielsicher die Sleeperhits des nächsten Jahres aus oder die Filme, die der Academy bei den Oscars immer „zu weit draußen“ erscheinen und deshalb mit dem Drehbuch-Gewinn als Trostpreis abgespeist werden (siehe Fargo, Pulp Fiction etc). „Das Leben der Anderen“ ist hier wie dort im Rennen, muss bei den Independent Spirit Awards allerdings nicht mit dem großen „Pans Labyrinth“ von Del Toro konkurrieren, der stattdessen in der Hauptkategorie „Bester Film“ nominiert ist.

Großer Favorit in den Hauptkategorien ist „Little Miss Sunshine“ (insgesamt 5 Nominierungen), „Half Nelson“ mit ebenfalls 5 Nominierungen der größte Konkurrent.

Neben jenen Hauptkategorien ist bei den ISA vor allem auch die Kategorie „First Feature“ interessant, die den besten Debütfilm auszeichnet und in diesem Jahr mit „Wristcutters“ und „Man Push Cart“ gleich zwei Werke in der Nominierungsrunde hat, die noch für Aufsehen sorgen werden.

Wie interessant und geschmackssicher die Independent Spirit Awards gemeinhin sind, zeigt ein Blick auf die Gewinner der Kategorie „bester Film“ der letzten Jahre und der Vergleich mit dem jeweiligen Oscar-Gewinner:

2006: Brokeback Mountain (Oscar: LA Crash)
2005: Sideways (Oscar: Million Dollar Baby)
2004: Lost In Translation (Oscar: Herr der Ringe 3)
2003: Far From Heaven (Oscar: Chicago)
2002: Memento (Oscar: A Beatiful Mind)
2001: Tiger & Dragon (Oscar: Gladiator)

Zieht man noch in Betracht, welche cineastischen Meisterleistungen in den 90ern bei den ISA ausgezeichnet und bei den Oscars für zum Teil weit schwächere Werke übergangen wurden, so bleibt man verwundert, warum den ISA keine größere Aufmerksamkeit widerfährt:

„Fargo“ (1997, Oscar: Der Englische Patient), „Pulp Fiction“ (1995, Oscar: Forrest Gump), „Short Cuts“ (1994, Oscar: Schindlers Liste), „The Player“ (1993, Oscar: Unforgiven), „Sex, Lügen und Video“ (1990, Oscar: Driving Miss Daisy)…

Christian Ihle

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