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vonChristian Ihle & Horst Motor 29.02.2008

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Es ist kein großes Geheimnis, dass die deutschen Single-Charts selten ein Paradies des guten Geschmacks sind, aber die letzte Woche der deutschen Top 100 war erschreckend.

Natürlich fällt es schwer in einem Land, dessen längste Nummer 1 Single bis heute noch von Freddy Quinn stammt, von einer „schlechtesten Woche in der Geschichte der Hitparaden“ zu sprechen, aber die Nachwirkungen des Karnevals und die Absenz beinahe jeglicher Songs mit irgendeinem Wert (blame it on the internet!) war in diesen Tagen so deutlich wie selten zuvor zu erleben. Man könnte fast zum Schluß kommen, dass die Dummen auch zu blöd zum Downloaden sind und als einzige noch Singles kaufen.

Dass auf Platz 1 „Schnuffel“ mit dem „Kuschel-Song“ steht, könnte man ja noch verschmerzen, hat man doch von Schnappi bis zum Maschendrahtzaun schon einige obskure Nummer-1-Hits überlebt. Es ist mehr die Katastrophen-Dichte, der Bad-Taste-Tsunami, der Horror-Hurricane der folgenden 99 Plätze, der erschreckt. Dort finden wir unter anderem…

* 3 DJ Ötzi Songs,
* 3 Cucha Candela Songs,
* 4 Michael Jackson Songs (eh? ist schon wieder 1985?),
* 2 De Höhner Songs,
* 1 mal Tim Toupet mit „Ich bin ein Döner“ in den Top20,

und dazu noch in den mittleren bis unteren Chart-Regionen die Heroen der deutschen Songvergewaltigung namens
* Peter Wackel,
* Achim (!) Petry feat. die Dschungel-Allstars,
* ein Pur „Partyhitmix“,
* „Shaun das Schaaf“,
* Mickie Krauses „Finger im Po Mexiko“ und
* zwei (!) Songs namens „Das Rote Pferd“ (der erfolgreichere von den „Mallorca Cowboys“, die vermutlich mehr streetcred aufweisen können)

Das alles wäre schon bizarr genug, doch auf Platz 65 finden wir ausgerechnet wen? Morrissey. Mit der besten deutschen Chart-Platzierung seiner Karriere. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Es ist eine verrückte Welt, die an die Pforten des Wahnsinns pisst.

(Christian Ihle)

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