Album des Monats Februar / Platz 2: 8mm Musik – 8mm Shots

Es ist ein schlecht gehütetes Geheimnis: die beste Bar Berlins steht im Niemandsland zwischen Mitte und Prenzlauer Berg, ist von außen nicht zu erkennen, spielt innen tagein tagaus Jesus & The Mary Chain, Wire wie die Sonics und öffnet im Prinzip erst dann, wenn andere schon wieder schließen.
Die 8mmBar in Berlin verstand es in den letzten Jahren eine unangestrengte Lockerheit in die Berliner Barlandschaft einzubringen, die sich jedwedem Tattoo-, Neon- oder Illegalemkellergewölbeirrsinn einfach entsagte und dabei doch, ja genau, cooler war als alle anderen Möglichkeiten, in Berlin ein Bier, einen Schnaps und einen Longdrink zu bestellen.

8mm Musik

Nun eröffnet die kleine Berliner Bar ihr eigenes Plattenlabel 8mm Musik, findet natürlich in der Garage ihre Heimat und veröffentlicht eine „8mmShots“ benannte Compilation. Das Besondere und eben auch gerade typische an Bar wie Compilation ist, dass es nicht die bekannten Namen und Semi-Berühmtheiten wie Tarwater oder Julia Hummer sind, die dieses Ding so toll machen, sondern die nie vorher gehörten WG (wie die seligen PopTarts, die über Chlamydien singen und Typen namens „The Greek“ und „Fisherman“ als backing Band auffahren) oder die isländischen Singapore Sling (als würden Jesus & Mary Chain auf einem Geysir shoegazen). In der Mitte des Albums versteckt sich dann noch ein Solotrack von Josh T Pearson, dem Sänger der verblichenen amerikanischen Indie-Rock Band Lift To Experience: ein achtminütiges Gitarrengeschrammel das ganz offensichtlich vor einem Publikum von circa 4 Leuten mit einem Diktaophon aufgenommen wurde – und dabei nichts weniger als der vielleicht beste Song des jungen Jahres ist.
8mmShots ist nicht LoFi, sondern NoFi und passt zur Bar wie Faust auf Auge. Wunderbar.

(Christian Ihle)

Anhören!
* Josh T Pearson: THE CLASH
* The Boggs: Remember The Orphans
* WG: Blah Blah Blah
* Singapore Sling: Sugar (hier)

Im Netz:
* Labelhomepage
* MySpace

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  3. Die schönste Umschreibung des Jahrzehnts: „Also würden Jesus & The Mary Chain auf einem Geysir shoegazen“.