Øya Festival: Tag 2 – Don’t Say Motherfucker, Motherfucker.

Turbojugend Oslo
(Turbojugend Oslo, Foto: Erik Moholdt)

Dieser Tag soll mit Rockposen beginnen und mit Ueberrockposen enden. Wir kommen auf das Festivalgelaende als gerade unser Freund Ken Stringfellow mit seiner norwegischen Band The Disciplines das wirklich grossartige „Biggest Mistake“ anstimmt. Hier ist Stringfellow, alter Posies-Frontmann und Big Star Reunionmitglied, ganz bei sich selbst: fantastischer Power-Pop. Die anderen Disciplines-Songs verstehen sich dagegen auch mit dem haesslichen Kumpan Schweinerock ganz gut und sind deshalb verzichtbar, fuer Ken aber eine Einladung mal so richtig auf der Buehne die Rock- und Rampensau herauszulassen, was dann doch wieder sehr viel Spass macht.

Okkervil River
(Okkervil River, Foto: Bjørnar Håland)

Etwas betulicher geben sich dagegen Okkervil River, die aber wie immer mit ihrem Americana-Country-Rock ueberzeugen koennen. Sympathischer als Conor Oberst ist er allemal und musikalisch zumindest in den letzten drei Jahren auch nicht hintendran.
Musikalisch verwandt ist sicher auch Dev Hynes‘ neues Werk unter dem Namen Lightspeed Champion. Der fellbemuetzte Darling der britischen Folkszene gibt sich dabei ueberaus publikumsnah, draengt sein eigenes Publikum, doch jetzt bitte zu Sonic Youth auf die Hauptbuehne zu gehen und covert zuguterletzt noch unter groessem Jubel das Star Wars Theme.

Gemeinsam mit Lightspeed Champion wechseln wir dann natuerlich zu Sonic Youth auf die Hauptbuehne. Die elder statesmen der amerikanischen Indierockszene sind immer noch so sperrig wie vor 20 Jahren und keineswegs altersmilde. Im Gegensatz zu den vielgeruehmten The National enttaeuschen Sonic Youth keineswegs. The National dagegen haben sich entschlossen, das komplette Konzert im midtempo zu bestreiten und variieren fuer eine Band, die im Studio zu den ausgefuchstesten der US-Szene gehoert, erstaunlich wenig. Waehrend Kollege Zwirner The National mit dem „Interpol fuer Arme“ Siegel belegt, entscheiden wir uns fuer den Satz „Tindersticks in Rock aus Amerika“.

Originell, verspielt und trotzdem auf den Punkt sind dagegen Metronomy, die auf der Moshi Moshi Labelnacht das anwesende Publikum verblueffen. Mit ziemlicher Sicherheit wird man hier nicht das letzte Mal über Metronomy geschrieben haben und ein Zeltauftritt auf dem naechstjaehrigen Immergut wuerde fuer Jubelstuerme sorgen. Der Produzentenname des Moments ist Diplo mit seiner Arbeit fuer M.I.A. und Santogold. Sein DJ-Set ist recht gradliniger Techno mit Block Rocking Beats. Im direkten Vergleich mit dem Irrsinns-Auftritt von Girl Talk am Vortag zwar nur zweiter Sieger, aber wer sein Set mit einem eigenen Remix von „Paper Planes“ beenden kann, gewinnt kampflos.

Den Abschluss des Festivalabends bilden Turbonegro mit einer grossen Homecoming-Show: sie spielen ihr „Meisterwerk des Death-Punk“, „Apoaclypse Dudes“, in Gaenze vor einem ausrastenden Osloer Publikum. Turbonegro fahren auf, was nur geht: Feuerwerk, Flammenwerfer, nackte Maennerkoerper und Gaststars. Und was fuer Gaststars! Aus Schweden kommt Ebbot Lundberg, Saenger von Soundtrack Of Our Lives, und gar aus L.A. der grosse Nick Oliveri, nun MondoGenerator, ehemals Queens Of The Stone Age. Nicht weiter verwundern wuerde deshalb, wenn die Geruechte, dass es sich womoeglich um die letzte Turbonegro Show ueberhaupt handeln solle, tatsaechlich zutreffen. Teilweise aus Krankheitsgruenden (Euro Boy leidet an Hodgkin’s Disease) sind gleich drei Mitglieder mit dem gestrigen Abend bei Turbonegro ausgestiegen, so dass die Aufloesungsgeruechte wohl nicht von der Hand zu weisen sind. Sollte es tatsaechlich so kommen, kann man mit den Stone Roses sagen: at least you left your life in style. Groesser gehts nicht.

Die Stilkritik:

Lightspeed Champion
(Lightspeed Champion, Foto: Steffen Rikenberg)

– The Disciplines: Ken Stringfellow wie immer 1A gekleidet. Nur die tollen weissen Schuhe vom Berlin-Auftritt haben wir vermisst!
– The National: ungefaehr genauso oede wie ihr Auftritt. Alt vor ihrem eigenen Alter.
– Sonic Youth: Kim Gordon koennte zwar die Mutter von 80% der Festivalbesucher sein, aber Style hat sie in ihrem roten Kleidchen immer noch mehr als der ganze Rest hier.
– Okkervil River: skinny tie im gleichen Schwarz wie die Hosenträger zu weißem Hemd: makellos!
– Lightspeed Champion: wer im August eine graue Fellmuetze traegt hat es einfach raus. Wie schon in seiner Zeit bei den Test Icicles einfach derbe sexy.
– Metronomy: handgemachte T-Shirts, in die Lampen eingenaeht sind und mit der Musik leuchten? Gibt es viel zu selten.
– Turbonegro: Seemaenner gehen immer. Und Ebbot Lundberg oben ohne ist ein, eh, grosses Erlebnis. Er schafft es spielerisch den ja nun auch nicht ganz schlanken Henk Von Helvete wie eine Mischung aus Brad Pitt und Adonis persoenlich aussehen zu lassen.

Turbonegro
(v.l.n.r.: Ebbot Lundberg, Henk Von Helvete, Nick Oliveri. Photo: Amund Østbye)

Mehr Oya:
* Tag 1: The International Tweecore Underground Will Save Us All
* Tag 2: Don’t say motherfucker, motherfucker
* Tag 3: Trashing Days
* Tag 4: Don’t Piss On Me And Tell Me It’s Raining
* Festrest: Love Is The Egg

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