Øya Festival: Tag 4 – Don’t Piss On Me And Tell Me It’s Raining

Sunn
(Sunn O))), Foto: Julie Loen)

Der Abschlußtag des Øya ist in gewisser Weise der Norwegentag: gleich eine ganze Hand voll norwegischer Bands darf den Rauswerfer spielen. Den Anfang machen Big Bang, die in ihrer Heimat bereits eine große Rocknummer sind, aber dank ernsthafter Ambitionen, den Durchbruch in Amerika zu schaffen, Kontinentaleuropa bisher nur selten beglückten. Hier können wir auch noch einem seltenen Akustik-Auftritt beiwohnen, bevor wir zu Master Piece Of Cake weiterwandern.

Von allem Akustischem sind Master Piece of Cake so weit entfernt wie nur möglich. Die ganze Band sieht aus, als hätte sie sich justament von ihrer eigenen Konfirmation davon gestohlen, den Schlips etwas gelockert und nun alberne Brillen aufgesetzt, damit ihre Mütter sie nicht erkennen mögen. Musikalisch geht’s – das Recht der Jugend! – natürlich voll auf die Zwölf und die skandinavischen Kollegen von The Hives fallen einem unweigerlich als Vergleich ein. Dank kurioser Songtitel wie „Don’t Piss On Me And Tell Me It’s Raining“ bald auf einer Warped Tour near you!

Weiter geht’s mit Lokalmatadoren und Pirate Love, die in Tunika, Poncho und anderen modischen No-Gos auftreten und eine gewisse Verrücktheit vor sich hertragen. Beeinflusst ist man offensichtlich vom Proto-Punk der Stooges, bei denen Publikumsverwirrung ja auch immer zum Programm gehörte. Aber auf jeden Fall lieber die billige Provokation von Pirate Love als der schrecklich öde, amtliche Hardrock, den WE spielten. Dass sie ihr Set um 18.00 (!) Uhr mit Raketen in den Himmel beendeten schenkt uns ein schönes Bild: diese Band ist so überflüssig wie ihr eigenes Feuerwerk bei Sonnenschein.

Kur bevor man noch einmal alte Helden verehren darf, treten Neue auf die Bühne: No Age. Die Zweimannband aus dem Umfeld des Smell-Club in Los Angeles sorgte bereits letztes Jahr mit ihren Debüt-EPs für Aufsehen und bestätigen nun mit dem ersten Album auf SubPop sowie diesem irrsinnig guten Auftritt den ihnen vorauseilenden Ruf. Im nun wirklich schwer strapazierten Punk-Genre schaffen sie mit ihrer Einbindung von flächigem Sound, der teilweise an eine einzelne Shoegaze-Gitarre erinnert, dann wieder einige Minuten in Richtung Ambient abgleitet, in kurze, klare Strukturen eines Punksongs, der einfach nur noch nach Hause geprügelt wird, wirklich etwas Neues, Originelles. Der beste Bandauftritt des Wochenendes.

Den Abschluss auf der Hauptbühne bilden The Sonics. The Sonics? Ja, The Sonics, die Garagenrocküberband der 60er Jahre. Oder um es mit LCD Soundsystem zu sagen: THE SONICS! THE SONICS! THE SONICS!
In gewisser Weise wirkt es immer bizarr, wenn einem 50jährige Undertones „Teenage Kicks“ ins Gesicht singen oder eben die Sonics die Garagenhammer auspacken: Musik, die so sehr der Jugend, der Adoleszenz gehört, kann nie vollends überzeugen, wird sie von der alten Garde gespielt. Wer andererseits „Have Love Will Travel“ und „Strychnine“ hintereinander in einem Set aufführt, kann ja gar nicht verlieren. Mit ihrer Debütsingle „The Witch“ verabschieden sich die Sonics und wir uns vom Øya Festival, der bestorganisierten, freundlichsten und trotz alles Rocknrolls saubersten Musikveranstaltung, auf der wir uns je befanden. Mayhem gab es nur auf der Bühne, davor nie auch nur das kleinste Problem. All hail to Øya!

Oya
(Foto: Julie Loen)

Stilkritik:

– Master Piece Of Cake: die Punkkonfirmanten. Die Brillen waren ein bisschen albern, aber ansonsten: die Jugend, eben!

Pirate Love
(Pirate Love, Foto: Julie Loen)

– Pirate Love: über das Stilgefühl der Norweger von Pirate Love decken wir den Poncho des Schweigens.

WE
(WE, Foto: Bjørnar Håland)

– WE: nicht nur das albernste Konzert des Festivals, auch das albernste Outfit.

– The Sonics: grundsätzlich natürlich noch der alte 60s-Chic, der aber bei manchem mehr wie eine unfreiwillige Verkleidung eines Florida-Touristen wirkte.

– Sunn O))): Der ungefährste Stil des Wochenendes. Soviel Nebel hatte nicht einmal Carpenters „The Fog“ Horrorfilm, dementsprechend wenig konnte man erkennen. Umso eindrucksvoller jedoch die Umrisse der Mönchs(?)-Roben, die man erahnen konnte. Volle Punkte, volle Dröhnung.

Sunn
(Sunn O))), Foto: Julie Loen)

Mehr Oya:
* Tag 1: The International Tweecore Underground Will Save Us All
* Tag 2: Don’t say motherfucker, motherfucker
* Tag 3: Trashing Days
* Tag 4: Don’t Piss On Me And Tell Me It’s Raining
* Festrest: Love Is The Egg

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