Fantasy Film Fest (2): Eden Lake, JCVD, Mirrors

Eden Lake (UK, James Watkins)

Nachdem man sich in den letzten Jahren immer entschlossen hatte, lustige Blutspritzereien zum Festivalauftakt zu servieren, ist Eden Lake dagegen ein knochentrockener Thriller, der Humor nicht mal erkennen würde, wenn ihm Mario Barth einen Frauenwitz erzählt. Und das ist natürlich auch gut so, denn diese „Deliverance“ goes „Kids„-Variante rührt an ein Thema, das schwer verdaulich ist: Gewalt gegen Jugendliche und Gewalt durch Jugendliche.

„Chavs“ sind der „White Trash“ Englands: junge Typen, die saufen, Drogen nehmen, klauen und sich generell gerne mal nehmen, was sie wollen. Da ist das naive Mittelklassepärchen, das zur Verlobung an einen einsamen See fährt, natürlich heillos unterlegen. Ihre Welt war nie rau, während die Jugend die Schläge, die sie von ihren Eltern bekommt, nur weitergibt.

Das spannende an „Eden Lake“ ist dabei, dass man als Zuschauer nicht so recht weiß, welcher Weg eingeschlagen werden wird: wird hier entweder das Mittelklasse-Pärchen nach und nach gequält und niedergemetzelt oder wird eben doch noch die „Straw Dogs„-Abzweigung eingeschlagen und das Tier im braven Yuppie geweckt, das die Kinder zur Rechenschaft zieht? Das soll hier natürlich auch nicht verraten werden, aber die Konsequenz des Films, sich einer Hoffnung zu verweigern, darf bewundert werden. (8/10)

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JCVD (F, Mabrouk El Mechri)

So, alle Vorurteile jetzt mal beiseite lassen: Ja, Jean-Claude van Damme spielt die Hauptrolle und ja, er trägt den ganzen Film mit seiner One-Man-Show. Wahrscheinlich ist es sogar besser, van Damme nicht zu mögen, wenn man diesen Film sieht, denn Glorifizierung war gestern. JCVD ist jedenfalls die größte Überraschung des Festivals und wohl auch sein bester Film.

Van Damme spielt sich selbst in „JCVD“: er stolpert in einen Postbanküberfall und wird als Geisel genommen. In dieser „Rolle“ agiert er als Mensch, nicht als Held und kann eben nicht wie in seinen Filmen als Einmannarmee alle auseinander nehmen. „JCVD“ lehnt sich dabei stark an „Dog Day Afternoon“ von Sidney Lumet an, so ist beispielsweise der Gangster aus „JCVD“ als klare Reminiszenz an die Rolle des Sal aus Lumets Klassiker gestaltet..

Regisseur Mabrouk El Mechri hat gemeinsam mit den beiden Autoren Benudis und Turpin einen amüsanten, spannenden und zutiefst ehrlichen Film gedreht. Meisterhaft dabei wie El Mechri schon in seiner Bildersprache gegen die Konventionen des Actionkinos arbeitet, innerhalb derer van Damme normalerweise sein Tagwerk verrichtet. Wird im Handkantenkino gerne mit Schnitt/Gegenschnitt gearbeitet, dass einem Hören und Sehen vergeht (und damit natürlich auch getrickst, was die eigentliche Kampfesqualität angeht), setzt El Mechri demonstrativ auf lange Einstellungen ohne jeden Schnitt.

Diese Idee kulminiert in der beeindruckendsten Szene des Films, als van Damme einem zweiminütigen Monolog direkt in die Kamera spricht, in dem er die Verfehlungen seines Lebens, den Verlust jeden Stolzes und die Trauer, die sich auf alles legt, dem Zuschauer entgegenschleudert. Ein großes Lob an van Damme für dessen Mut, einen so entlarvenden Film zu drehen, an El Mechri für die meisterhafte Bildsprache und an die beiden Autoren für den besten John-Woo-Diss des Jahres. (9/10)

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Mirrors (USA, Alexandre Aja)

Ach herrje. Alexandre Aja galt doch mal als das größte Talent des europäischen Horrorfilms, als er dank des umstrittenen „High Tension“ die Ära der Terrormovies mit einleitete. Danach kam noch ein handwerklich okayes Remake von „The Hills Have Eyes“, aber nun scheint Aja seine Seele ganz dem Teufel Hollywood überschrieben zu haben.

„Mirrors“ ist – schon wieder – nur ein Remake: Kiefer Sutherland nimmt einen Job in einem Kaufhaus an, das vor Jahren in Brand gesetzt wurde. In all den Kaufhaus-Spiegeln verstecken sich aber unglückliche Seelen, Dämonen oder sonstiger Dunkle-Seite-Quatsch, die nach und nach Kontrolle über Kiefers Leben nehmen, was zu lustigen Szenen führt, in denen Mister Sutherland alle Spiegel in seinem Haus mit Farbe übermalt.

Wie es sich für eine Hollywoodverfilmung eines asiatischen Horrorfilms gehört, schwankt die ganze Inszenierung dann auch folgerichtig zwischen dem klassischen „Ghost Story“-Ansatz (Geister rächen sich für vergangene Untaten und wollen aber eigentlich doch nur spielen), den die Asiaten bevorzugen, und der „Haunted House“-Tradition (Geister sind generell böse und wollen schaden), derer sich Amerika seit Jahrzehnten verpflichtet fühlt. Dazu ist die Geschichte selbst für Horrorverhältnisse dermaßen behämmert, dass man gar nicht wissen möchte, welche Drogen man nehmen muss, um diese Plotentwicklung für schlüssig zu halten.

Nicht einmal unser aller Liebling Kiefer Sutherland kann den Film retten, auch wenn dessen zwei Ausbrüche in Richtung Jack Bauer mit zum Lustigsten gehören, was man in diesen eineinhalb verschenkten Stunden zu sehen bekommt. Man kann ihn ja auch verstehen: bei „24″ mag die Storyline ja nicht logischer sein, aber wenigstens ist DAS spannend! Das einzige was man Aja anrechnen kann: Er hat mit „Mirrors“ die Tradition des „Haunted Kaufhaus Movies“ wiederbelebt, die wir nie vermisst hatten.
(3/10)

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(alle Texte: Christian Ihle)

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