http://blogs.taz.de/popblog/wp-content/blogs.dir/1/files/2018/01/Bildschirmfoto-2018-01-17-um-19.24.39.png

vonChristian Ihle 24.09.2008

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

Mehr über diesen Blog

Jaja, eigentlich ehren wir keine EPs mit „Album des Monats“-Lorbeeren. Aber andererseits ist die Geschichte der Hamburger Band Lars Bang Larsen schon wieder zu gut: 2004 hatte man sich einen Platz als Vorgruppe des Popblogs liebster Coverband Boy Division erkämpft und nach dem Auftritt sofort einen handgeschriebenen Vertrag der Fidel-Bastro-Labelherren über den Tisch geschoben bekommen.

lars bang larsen

Nur weil das mit dem Vertrag so flott ging ist natürlich für einen Hamburger kein Grund, auch die Aufnahmen zu Single oder Album zügig voranzutreiben, so dass es geschlagene drei Jahre dauerte bis die nun vorliegende Debüt-EP erste Formen annahm. Der entscheidende Durchbruch war wohl die Entscheidung Ende 2007, die Text- und Gesangsparts outzusorcen: es wurden Freunde aus dem Hamburger Umfeld ins Studio gebeten, die Lyrics für die vorliegenden Instrumentals schrieben und einsangen.

Dabei ist Lars Bang Larsen zumindest einmal ein ganz großer Wurf gelungen: Felix Müllers Gaststar-Rolle bei „Aus dem Leben eines Umzugskartons“ ist atemberaubend. Nicht nur, dass Müller die Höchstleistungen seiner eigenen Band Sport hier in den Schatten stellt, auch ist dieser an die Ghettowelt der frühen Blumfeld erinnernde Fünfminutenbrecher fabelhaft instrumentiert. Und doch ist es Felix Müllers Text, der alles überstrahlt. Er erzählt tatsächlich Leben und Laufbahn eines Umzugskartons und schafft es dabei mit spielerischer Leichtigkeit einen deutschen Lebensweg von behütetem Aufwachsen über die Verirrung in der Großstadt zu den Härten des Lebens und dem Abrutschen in das Prekariat mit einhergehendem Alkoholismus prägnant zu skizzieren.
Vielleicht der beste deutschsprachige Song des Jahres, mit Sicherheit aber das größte Ereignis im Bereich der Kartonagenvertonung der Menschheitsgeschichte.

Anhören!
* Aus dem Leben eines Umzugskartons (hier)
* Anleitungen an Ort und Stelle (hier)

Im Netz:
* Indiepedia
* MySpace

Weiterlesen:
* Boy Division: Love Will Tear Us Apart
* My Favourite Records mit Felix Müller
* Felix Müllers Hauptband Sport als Album des Monats

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/popblog/2008/09/24/album_des_monats_august_platz_3_lars_bang_larsen_-_ep_eins/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.