Album des Monats Oktober / Platz 2: Ballboy – I Worked On The Ships
von Christian Ihle
Kürzlich schrieb die vom Popblog hochverehrte, vielgerühmte Emmy The Great in einem Fanzineartikel über die verblichene britische Indieband Hefner und die Träger alter, ausgewaschener Hefner-T-Shirts „walking past one of these t-shirts, some people will think, what is this shit skate label that only sells one thing?, but to others, a quiet society of John Peel listeners and knowing indie boffins, this is the secret handshake, a seal of approval as dependable as a lion on an egg”. Durchforstet man mit leicht feuchten Augen das Archiv von John Peels Festive Top 50, seiner Endjahresshow an den Weihnachtstagen, dann fällt neben Hefner auch die schottische Band Ballboy als ewiger Gast in den letzten Jahren jener Listen auf.
Ballboy sind nun schon bei Album Nummer Vier angekommen (oder Nr. 5, zählt man die EP-Sammlung des Debüts mit) und mit den Jahren wurden die Schotten auch etwas ruhiger. Beklagte man zu Anfang noch in Sechsminütern die schottische Wesensart in „I Hate Scotland“ werden auf dem neuen Album „I Worked On The Ships“ sanftere Töne angeschlagen. Auch wenn der Drang zu langen Songtiteln wie „You Can’t Spend Your Whole Life Hanging Around With Arseholses“ oder „I Don’t Have The Time To Stand Here With You Fighting About The Size Of My Dick” ein wenig gezügelt wurde, schmuggelt sich doch immerhin noch ein Lied namens „Godzilla vs the Island of Manhattan (With You and I Somewhere In-Between)” dazwischen, so dass man beruhigt annehmen kann, dass sich manches nie ändern wird. Musikalisch steuert das Ballboy-Schiff vom Wedding-Present-Wildwasser in ruhigere Gefilde, textlich aber keineswegs:
„You left your notes on lesbian sex / On the fishtank in the hall
It took me all afternoon / To read them all.
I learned more in that day / Than I’ve ever learned before /
I don’t think you and I / Should go clubbing anymore.
Last night your mother called to say / Your father’s run away /
With the man who plays the polar bear / In Disney’s Ice Parade.
She says don’t worry she’s okay / She hated ice-dance anyway.”
Gordon McIntyre hat immer noch die Fähigkeit, kleine Geschichten in Songs zu packen, die gleichermaßen anrührend wie amüsant sind. Geschichten von erhobenen Köpfen im Angesicht ewigen Scheiterns. Geschichten eben, die auch Hefner damals schrieben.
Anhören!
* Disney’s Ice Parade
* Song For Kylie (hier)
* Cicily
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