Alben des Jahres 2008: Januar – Juni

Was das Popblog im Laufe der Monate empfehlenswert fand…

Januar 2008

Platz 1: Pascow – Nächster Halt Gefliester Boden

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(Pascow: „Paris fällt“ – allerdings vom Vorgängeralbum…)

„Mit „Nächster Halt gefliester Boden“ haben die Saarländer dabei eines der besten Punkalben der letzten Jahre geschrieben – und das trotz Turbostaat, Captain Planet oder Muff Potter.“

Platz 2: Vampire Weekend – Vampire Weekend

„Der unpassende Gothic-Name ist noch der größte Fehler, den sich Vampire Weekend leisten, ansonsten reiht sich hier Hit an Hit. Jedes dieser Lieder ist gut komponiert und von einer erstaunlichen Reife für eine neue Band ohne dabei aber maniriert oder bemüht zu klingen, denn wenn sie auch nicht die Punkschnoddrigkeit der Strokes besitzen, so schimmert doch deren Lässigkeit durch.“

Platz 3: Cat Power – Jukebox

„Nach 2 Millionen verkauften Alben von “The Greatest” wird es aber auch wirklich Zeit, dass Cat Power die Welt erobert. Wer sich so gekonnt vor Hank Williams, James Brown, Dylan, Billie Holiday und Joni Mitchell verneigt, sen Haupt dabei aber nicht den Boden berühren lässt, hat jede große Bühne verdient. “Jukebox” ist mehr als ein Cover-Album. Es ist zugleich Huldigung und Versprechen.“

Februar 2008

Platz 1: Mountain Goats – Heretic Pride

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„Bitte Edding raus und aufschreiben: “John Darnielle ist ein Genie.” Dann umblättern und weiterschreiben: “Die neue Mountain Goats ist ein Meisterwerk!”. Jetzt die beiden Din A4-Blätter an die Haustür kleben und abwarten. Wenn jemand klopft und zustimmt, unbedingt reinlassen. Wird wahrscheinlich ein liebenswerter Mensch sein…“

Platz 2: 8mm Musik – 8mm Shots

„In der Mitte des Albums versteckt sich dann noch ein Solotrack von Josh T Pearson, dem Sänger der verblichenen amerikanischen Indie-Rock Band Lift To Experience: ein achtminütiges Gitarrengeschrammel das ganz offensichtlich vor einem Publikum von circa 4 Leuten mit einem Diktaophon aufgenommen wurde – und dabei nichts weniger als der vielleicht beste Song des jungen Jahres ist.
8mmShots ist nicht LoFi, sondern NoFi und passt zur Bar wie Faust auf Auge. Wunderbar.“

Platz 3: British Sea Power – Do You Like Rock Music?

„Kann eine Band, die Immigrationsproblematik und Flatratesaufen mit Echo & The Bunnymen verheiraten (”Waving Flags”) jemals wirklich groß werden?
Nein, wahrscheinlich nicht, und so werden die Briten wieder an den Rändern stehen, sich Grünzeug in die Wuschelhaare stecken, aber hoffentlich nie aufhören mit der Trommel durch Zuschauerräume wie Herzen marschieren.“

März 2008

Platz 1: Laura Marling – Alas I Can’t Swim

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„So versteckt Laura Marling den besten Song des Albums hinter einigen Minuten Ruhe als verborgene Überraschung für den geduldigen Hörer und lässt ihr bis dato bestes Lied „New Romantic“ sogar ganz weg. Dass ihr trotzdem das bis heute beste Album des Jahres gelungen ist, bewerten wir deshalb nur noch höher. Wird Zeit dass auch der britische Plattenkäufer das endlich merkt.“

Platz 2: Scott Matthew – Scott Matthew

„Gegen Ende des Films spielt Scott Matthew das mit einer einfachen Akustikgitarre beginnenden Lied „In The End” und um ihn herum vögelt und feiert sich das sich keiner sexuellen Orientierung versagende New Yorker Nachtleben um Sinn und Verstand. Nach und nach beginnt der Song größer und größer zu werden und die Szene im Film wächst sich burleskhaft zu einem affirmativen Umzug, einer zärtlichen, aber bestimmten Polonaise für die Freiheit der Nacht aus. Das, zugegeben, ist dann tatsächlich wieder eher mehr denn weniger, aber so überwältigend, dass es gar nicht anders sein darf.“

Platz 3: The Kills – Midnight Boom

„Welchem Musikliebhaber, der auch nur einmal in seinem Leben eine Kippe geraucht, besoffen aufgewacht und die Velvets andächtig verehrt hat, geht bei diesen Songs eigentlich nicht das Herz auf?“

April 2008

Platz 1: The Long Blondes – Couples

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„Immer wenn die Long Blondes sich entscheiden gegen den Strich zu spielen, ist dieses Album eine Offenbarung. So bleibt am Ende zu konstatieren, dass man beim Hausputz nur nicht konsequent genug war, denn die schwächsten Stücke stammen direkt aus dem Soundfundus der „alten“ Long Blondes. Die Elegant Disco von „Century“ aber könnte ihre Zukunft sein: eine Gitarrenversion des „Italians Do It Better“ – Labels abgeben und dann doch wieder dem Mainstream ein Schrittchen voraus sein!“

Platz 2: The Notwist – The Devil, You & Me

„Gerade aber das ist das großartige an “The Devil…”. Keine augenscheinlichen Hits, nichts, das die anderen Songs, den Gesamteindruck, die Homogenität des Albums schmälern könnte.“

Platz 3: Be Your Own PET – Get Awkward

„Lärm, Lärm, Attacke! Immernoch gut!“

Mai 2008

Platz 1: Crystal Castles – Crystal Castles

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„Man kann nur hoffen, dass ihnen etwas mehr Glück und Langlebigkeit als Fischerspooner beschieden ist, aber andererseits reichen schon diese 16 Songs für hier und jetzt vollkommen aus, um vor Begeisterung ein kleines bisschen durchzudrehen.“

Platz 2: Johnny Flynn & The Sussex Wit – A Larum

„An anderer Stelle ist Nick Drake gänzlich vergessen und es werden ruhige Pogues-Folk-Songs oder Tom Waits zitiert, denn Flynns „Hong Kong Cemetary“ könnte auch von Waits sein, wäre er ein vom frühen 20. Jahrhundert besessener Brite. Als Bonus schenkt er uns noch Lieder, die nach Wayne Rooney benannt sind und von Barkeepern handeln, die wie George Best aussehen. Alles Champions League, sozusagen.“

Platz 3: Santogold – Santogold

„Santogold lebt und verkörpert wie Obama: Veränderung, change. Sie singt es in “L.E.S. Artists” selbst. “Change, change, change / I want to get up out of my skin / tell you what / if I can shake it / I’m ‘a make this something worth dreaming of”. Ihr Debüt ist Ausdruck dieses Veränderungswillen. Und nebenbei eine herzzerreißende und mitreißende Pop-Platte geworden. Ein echter Aufbruch eben.“

Juni 2008

Platz 1: Albert Hammond Jr. – Como Te Lama

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„Albert Hammond Jr. versprüht eine wahnsinnige Lust auf seine Musik. Er fleht, schreit und kratzt. Und bleibt dabei eine der coolsten Säue auf dem Planeten. „Como te Lama“ ist eine der besten Pop-Platten des Jahres.“

Platz 2: Herrenmagazin – Atzelgift

„Mit ihrem Debütalbum gelangen die Hamburger mit Leichtigkeit in meine persönlichen Charts. 2 Plus. Mit Sternchen. Mit Luft nach Oben. „Du weißt, was ich meine“, oder?“

Platz 3: G. Rag & die Landlergschwister – Landlergschwister

„“Landlergschwister“ wird zwar keine so weiten Kreise wie die Platten von Beirut ziehen (dafür ist Bayern lange nicht hip genug) schafft es aber trotzdem, dass bayrische Volksmusik, zumindesten von Hamburg bis Berlin, nicht nur mal wieder im Feuilleton stattfindet, sondern auch ehrlich relevant und gut klingt. Saugut. Prost am Tisch!“

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