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vonChristian Ihle 25.02.2009

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Animal Collective – Merriweather Post Pavilion

AC

Anfang Januar ging eine Welle der Freude durch die Musikblog-Landschaft. Zirka 360 Tage vor Silvester wurde die Platte des Jahres ausgerufen. Ohne zu wissen und zu ahnen, was noch kommt und ohne mit der Wimper zu zucken.
Das New Yorker Quartett Animal Collective hatte mit „Merriweather Post Pavillion“ ein Album veröffentlicht, das selbst den abgebrühtesten Musikblog-Betreibern Freudentränen in die Augen zauberte. Und selbst für Spiegel.de-Kritiker Jan Wigger begann mit „Merriweather Post Pavilion“ „eine neue Zeitrechnung“.
Das passierte verdächtig vorschnell. Vor knapp zwei Jahren hatte ich das Vorgänger-Album „Strawberry Jam“, trotz ebenso überschwänglichem Kritikerlob, beim Schallplattenhändler ins Regal zurückgestellt. Zu wirr, zu zerfahren, kaum Strukturen. Der Sound eines wilden Hühnerhaufens auf LSD.
Trotzdem war das Nachfolgealbum nun ein Pflichtkauf. Nach soviel Lob kann man sich nicht verschließen. Da muss man sich einreihen und mitgehen. Und so landete „Merriweather Post Pavilion“ anfangs recht unregelmäßig im CD-Player, um Tage später immer öfter seine Kreise unterm Laser zu drehen. Die anfänglich wieder als zu hektisch empfundenen Songs entfalteten sich von Hördurchgang zu Hördurchgang. Melodien tauchten auf, die so großartig waren, dass man sich wunderte, warum noch nie jemand vorher sie geschrieben hatte (zum Beispiel die Beach Boys). Und sobald diese Melodien da waren, versteckten sie sich wieder hinter flatternden Beats und flirrenden Klängen. Als ob diese Melodien nebenbei entstanden sind und ihnen nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt würde.

Und so wächst das Animal Collective-Album zu einem Werk, das nie nebenbei abgehört und abgehandelt werden will, aber immer öfter konzentrierte Stunden zwischen den Lautsprechern der Stereoanlange fordert. „Merriweather Post Pavilion“ kann so zu einem kleinen Hobby werden, für das man viel Freizeit opfern kann. Und wird. (Säm)

Anhören!
* My Girls
* Bluish

Im Netz:
* MySpace
* Homepage
* Indiepedia

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The December Sound – The December Sound

Es hat ja einige Zeit benötigt bis man hierzulande auf die US-Amerikaner von A Place To Bury Strangers aufmerksam wurde. Nach einem Supportslot für MGMT Ende 2008 und der verspäteten Albumveröffentlichung im Herbst letzten Jahres machen sich die New Yorker aber auch in Deutschland langsam einen Namen. Eine gute Gelegenheit auch auf The December Sound hinzuweisen, die mit A Place To Bury Strangers nicht nur das Heimatland, sondern auch die Vorliebe für Shoegaze-Lärm teilen, der im Gegensatz zu den eher träumerischen Vorbildern aus den frühen 90ern von Zeit zu Zeit brutal heimgeprügelt wird – auch wenn The December Sound näher an Genre-Urvätern wie My Bloody Valentine sind als APTBS. Herausragender Song ist ohne Frage „No Heaven Like Hell“, in dem die My Bloody Valentine – Einflüsse und der Brutalo-Shoegaze von APTBS am schönsten verheiratet wurden. (Christian Ihle)

Anhören!
* No Heaven Like Hell (hier)
* Kill Me Before I Kill You (hier)

Im Netz:
* Homepage
* MySpace

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kommentare

  • Ich kann meinem Kollegen da ebenfalls nicht so recht zustimmen, auch für mich ist die Animal Collective eher „interessant“ als wirklich ergreifend. Zu dem vorherigen Album fand ich viel besser einen Zugang.

  • Habe die Animal Collective in diversesten Situationen über 50 Male gehört, verstehe sie nicht und mag sie immer weniger. Gerne verstünde ich meine Freunde, gerne die Popkritik, doch, keine Pforte mag sich öffnen. Meine Schwester mit perfektem Gehör und als Konzertmusikerin sagt auch, es sei schrecklich. Vielleicht ein genetischer Defekt in der Familie? Immerhin, meine Frau linst gerade über die Schulter und gibt mir auch recht. Wir werden die CD gleich noch einmal versuchen. Für meinen Teil weiß ich ja auch immer noch nicht, warum ich sie nicht mag, dass möchte ich wenigstens geklärt wissen.

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