Album des Monats April / Platz 3: Bob Dylan – Together Through Life

Dylan, das ewige Phänomen. Ganze Bibliotheken füllen Abhandlungen über den amerikanischen Songwriter. Eine fast 800 Seiten starke Enzyklopädie wurde vor wenigen Jahren auf den Markt geworfen, Regie-Legende Martin Scorsese wagte sich an eine umfassenden Doku und hunderte selbsternannte Dylanologen treffen sich jährlich auf Conventions, die Sci-Fi-Sagas Konkurrenz machen. Selbst in den Hollywoodolymp ist Dylan geklettert, als ihm der schwule Ausnahmeregisseur Todd Haynes im vergangenen Jahr einen Kinofilm widmete, der aus der Musiklegende eine mehrköpfige Hydra machte, die in betörenden Bildern und Klängen über 100 Jahre amerikanischer Kulturgeschichte verschlang. Bob Dylan könnte sich mit seinen 68 Jahren also beruhigt zurücklehnen und Schach spielen. Aber dafür ist Dylan zu sehr Künstler und Musiker. Nach einer fast zwanzigjährigen Durststrecke bis in die 1990er Jahre hinein und nach dem famosen Comeback mit „Time Out Of Mind“ 1997 muss fast täglich mit neuem Output gerechnet werden.

dylan life

Statt endlos-langer lyrischer Texteskapaden und einem kratzbürstigen Folk- und Rocksound wie in den 1960er Jahren regiert auf den „späten“ Dylan-Alben eine puristische Gelassenheit. „Modern Times“ etwa, das letzten Studio-Album, perfektionierte diese Eleganz. Man merkt Dylan an, dass er seinen Sound gefunden hat. Die Backing-Band spielt stoisch, die knarzige Stimme des Songwriters kratzt altersweise an tiefen Dezibelwerten. Auch „Together Through Life“ macht da keine Ausnahme. Vereinzelte Tex-Mex und Salsa Ausflüge sind das Salz in der Suppe, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wie im Fieberwahn besingt Dylan die Ur-Themen amerikanischer Volksmusik: die verzehrende Liebe in „Beyond here lies nothin“, die endlose Suche nach Glück in „If you ever go to Houston“ und der schwache Trost, den das Schicksal und die Religion dem Menschen gewähren, in „It’s all good“.

Welchen Stellenwert nimmt nun „Together through life“ in der schier endlosen Diskographie des „Song and Dance Man“ ein? Besser als „Modern Times“? Genauso grandios wie „Time out of Mind“? Vielleicht wird es die Zukunft zeigen, vielleicht auch nicht. Fest steht: für den Moment braucht es keinen neuen Dylan mehr. Der hier ist perfekt! (Robert Heldner)

Anhören!

* Beyond here lies nothin (hier)
* Life is Hard
* Forgetful Heart

Im Netz:

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Kommentare (3)

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  2. Bob Dylan ist ueberbewertet.
    Die musik ist geklaut und langweilig, texte oede und voller klischees.
    Give me Guthrie any day!
    If you want to listen to some real US folk -> Folkways does it.
    http://www.oldtimeherald.org/archive/back_issues/volume-6/6-1/asch-folkways.html

  3. Ja! Begriffen, du kannst dich wieder setzen