http://blogs.taz.de/popblog/wp-content/blogs.dir/1/files/2018/01/taz-Hauswand_Fallback.png

vonChristian Ihle 03.10.2009

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

Mehr über diesen Blog

„Die Parteien tagen gleichzeitig. Kamerateams, Fotografen, Journalisten jeder Art lungern in kleinen Gruppen, die sich zu einem großen Haufen summieren, Stunde um Stunde vor den Türen. Die Fotografin Herlinde Koelbl hat diese Ansammlung, eine Art Flashmob der Aktualität, „die Meute“ genannt. (…)

Wenn sich bei der Union etwas tut, reagiert die Meute nur verhalten. Seehofer bringt ein paar Kameras in Bewegung, Guttenberg läuft auch ganz gut. Normale Minister bleiben fast unbeachtet. Bei der SPD ist das anders. Einmal kommt jemand, man sieht ihn von hinten kaum, aus dem Saal, und die Meute stürzt nach vorn, wogt nach links in Richtung der Kaffeetheke. Fürchterliches Gewurle, Mikroalgen schwanken wie keltische Feldzeichen, Blitzlichter gewittern.
Irgendwann löst sich aus der Traube ein kleinerer Mann, der in einer Kaffeetasse rührt. Es ist Franz Müntefering. Er hat sich nur einen Cappuccino geholt. Nur einen Cappuccino. Er sagt nicht einmal etwas. Der Aufruhr unter den Bild- und Toneinfängern ist so groß, als sei gerade Sigmar Gabriel aus dem Fraktionssaal getreten, um auf einem roten Samtkissen die Gebeine von August Bebel hinüber zur Linkspartei zu tragen.“

(Kurt Kister in der Süddeutschen Zeitung)

Inhaltsverzeichnis:
* Die ersten 200 Folgen Schmähkritik

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/popblog/2009/10/03/schmaehkritik_248_politische_beobachter_in_den_medien/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • „Der Aufruhr unter den Bild- und Toneinfängern ist so groß, als sei gerade Sigmar Gabriel aus dem Fraktionssaal getreten, um auf einem roten Samtkissen die Gebeine von August Bebel hinüber zur Linkspartei zu tragen.”
    -> lachtränen!

  • das erinnert mich an unsere lokalzeitungsreportage vor ein paar jahren im europaparlament in strasbourg als berlusconi aus dem konferenzsaal trat in dem wir gerade der evp gelauscht hatten und alle journalisten auf ihn losgestürmt sind als hätte er gerade den ersten 7 leuten einen eigenen fernsehsender versprochen. es ging um gar nichts wichtiges an dem tag und ich dachte mir: beim nächsten mal nimmst du einen großen teddybär mit und tust es den anderen groupies gleich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.