Die zehn besten Popsongs 2009

2009 war das beste Popjahr seit Ewigkeiten. Kaum sind die Charts nicht mehr relevant, werden sie richtig gut. Was hatten wir dieses Jahr nicht alles? Einen Altmeister der mit einem 1-2-3-Punch zurück kam und endgültig der Elvis des Hip-Hop wurde, ein freches Gör, das bewies, dass mehr als Nacktfotos und große Fresse in ihr steckte, den ersten Hip-Hop-Superstar der Insel und natürlich den größten Popstar des Jahres…

10. Emiliana Torrini: Jungle Drum

Spätestens „Jungle Drum“ war der Beweis, dass Fernsehshows das neue Musikfernsehen UND Radio sind. Emiliana Torrini, schon länger unterwegs und komplett unter dem Radar des normalen Musikhörers, hatte das Glück, mit „Jungle Drum“ im Background einer „Germany’s Next Topmodel“-Folge zu laufen – die Folge waren acht (!) Wochen auf Platz 1 der deutschen Single-Charts. Wahrscheinlich die größte Hitparadensensation in diesem Jahr.

Charts:
D: 1 / UK: –
.
9. Lenka – The Show
.

Wäre man zynisch gestimmt, könnte man Lenka als eine massenverträglichere Regina Spektor abtun. Aber erstens ist Weihnachten, zweitens das Michel-Gondry-Gedankvideo derart fantastisch und drittens der Song so wunderbar ansteckend, dass wir „The Show“ einfach richtig gut finden wollen. Platz 23 erreichte sie damit in den deutschen Charts und man weiß: mit „Germany’s Next Top Model“ wären es 9 Wochen auf Platz 1 geworden. Mindestens!

Charts:
D: 23 / UK: –
.
8. Pet Shop Boys: Love Etc.

Manche schrieben von einem Comeback, dabei waren die beiden Briten doch nie weg. Für das neue Album „Yes“ (was für ein Albumtitel!) gingen sie in das Wunderstudio der britischen Xenomania Produktionsmaschine und kamen mit dem größten Popwerk seit „Very“ zurück. „Love Etc.“ (was für ein Songtitel!) war ihr neues „Can You Forgive Her“, ein subtiles und dennoch deutliches Zeichen, dass hier niemand Alterswerk verschönern, sondern mit den jungen Dingern mitspielen will. Warum sie danach aber „Pandemonium“ nicht als zweite Single veröffentlichten und sich so selbst um ihren „Go West“ – Moment brachten, wissen nur Neil und Chris.

Charts:
D: 12 / UK: 14
.
7. Kid Cudi: Day & Night

Kid Cudi hatten wir schon in unserer Jahresvorausschau wegen „Day & Night“ als heißen Tip gedroppt. Und tatsächlich war er der interessanteste Hip-Hop-Act des Jahres nach dem Altmeister aus New York. „Day & Night“ zündete in breiterem Rahmen in Europa allerdings erst als die italienischen Remixer von Crookers den zurückhaltenden Raptrack in eine Dancefloormaschine wandelten. Beide Versionen auf ihre Art Knaller vor dem Herrn.

.
Charts:
D: 13 / UK: 2 / US: 3

6. Dizzee Rascal feat. Armand Van Helden: Bonkers

„Bonkers“ war der Moment, in dem aus Dizzee ein Megastar wurde. Seit Jahren als der beste britische Grime/Rap-Star im Fokus, war „Bonkers“ ein derart wilder Smash, dass Dizzee das seltene schaffte: einerseits seinen Wurzeln treu zu bleiben (denn natürlich ist „Bonkers“ immer noch „anstrengend“ im besten Sinne), aber gleichzeitig dermaßen viel Pop hineinzumischen, dass Herr Rascal nun als der größte britische Popstar des Jahres betrachtet werden darf. Warum er in Deutschland nicht funktioniert, bleibt ein Rätsel.

Charts:
D: 58 / UK: 1
.
5. Frauenarzt & Manny Mac: Das geht ab

Seit einigen Jahren kann man ja die Audiolithisierung des deutschen Indierock verfolgen, insbesondere was sein Publikum angeht. „Das geht ab“ war nun der Beweis, dass die Audiolithisierung auch den Mainstream erreicht hat. Von Hip-Hop ist „Das geht ab“ weiter entfernt als von Egotronic und die Feier des Hedonismus ist hier wie dort ungebrochen vorhanden. Nur mit weniger Deutschlandhass.
Wie sehr sich „Das geht ab“ in diesem Jahr ins kollektive Unterbewußtsein einbrannte, zeigt an wievielen Stellen der Song in abgewandelter Form zum Einsatz kam. Ob im Hertha-Fanblock in der Rückrunde („Hey, was geht ab / wir holen die Meisterschaft“) oder im Gegnerblock in der zweiten Jahreshälfte („Hey, was geht ab / Hertha steigt wirklich ab“) oder gar im Politbusiness mit der fantastischsten Coverversion des Jahres („Hey was geht ab / wir holen die Kanzlerschaft“), die allerdings die schlechte Chartposition der SPD auch nicht verhindern konnte…
.

Charts:
D: 8 / UK: –
.
4. Lily Allen: The Fear

Wer hätte das gedacht, dass Lily „Tochter von Keith“ Allen, die vor zwei Jahren als kleiner MySpace-Wribelwind über London kam und in erster Linie durch unterhaltsame Interviews auffiel, eines der besten Popalben des Jahres schreiben würde? „The Fear“ war eine ziemliche Sensation, ein Popsong mit Klasse. Elegant, geschickt konstruiert – auf einem Pet Shop Boys Album nicht fehl am Platz! Und dazu schrieb Lily auch noch einen bemerkenswert cleveren Text, den vielleicht besten, subversivsten, den dieses Popjahr zu bieten hatte.

Charts:
D: 12 / UK: 1 / US: 80
.
3. Jay-Z: DOA (Death Of Autotune)

Jay-Z owned 2009. Es war das Jahr, in dem er endgültig den Status des Hip-Hop-Megastars verließ und unabhängig von Land und Stil Weltstar wurde: mit „Empire State Of Mind“ die erste Nummer-1-Single und mit „The Blueprint 3“ sein elftes Nummer-1-Album in den USA, womit er Elvis Presley überholte und nun der Künstler mit den meisten Nummer-1-Alben in den Staaten überhaupt ist. Aber bevor Jay-Z mit „Empire State Of Mind“ und „Run This Town“ zum großen Pop-Doppelschlag ausholte, schickte er „D.O.A. (Death Of Autotune)“ in den Ring, um eine der größten Hip-Hop-Seuchen auszurotten: den Autotune-Effekt, der jeden noch so guten Rapper (Kanye!) in den letzten Jahre cherisierte – I know we’re facing a recession but the music y’all makin‘ gonna make it the great depression. Ein fantastischer Text, ein faszinierendes Sample, unschlagbarer Flow, selbst ein Zitat der schlechtesten Beatles-Single funktioniert! The only nigger to rewrite history without a pen, indeed.

Charts:
D: – / UK: – / US: 24
.
2. La Roux – Bulletproof

Man möchte auf die Knie rutschen, um dem Popgott zu danken, dass so etwas noch möglich ist. Ein genuiner Star, der aus dem Nichts kommt. Wir mögen La Roux letzten Januar als next big thing getippt haben, aber trotzdem konnten wir nicht erwarten, dass der introvertierte, rothaarige Wirbelwind 2009 so aufmischen würde. „In It For The Kill“ schoß sensationell auf Platz 2 in den britischen Charts, der Skream-Remix war das ganze Jahr nicht tot zu bekommen und Folgesingle „Bulletproof“ war der Popüberhit, der sich an „Spin Me Round“ anlehnen mag, aber selbst jenen Klassiker der 80er Jahre zur Randnotiz schrumpfen ließ. Frisur, Videoclip, Attitude – bei Elly Jackson stimmte alles. Die Popgöttin, die keine sein will.

Charts:
D: 13 / UK: 1
.
1. Lady Gaga: Bad Romance

(hier klicken für das Video)
.

Im Grunde könnte Lady Gaga auch mit „Paparazzi“, dem zweitbesten Video des Jahres hier stehen. Oder mit „Pokerface“, dem Lied, das 2009 geprägt hat wie kein anderes. Sagenhafte 13 Wochen stand der Song in Deutschland an der Spitze der Charts. Aber wenn eine Popsängerin es schafft, am Ende ihres Wahnsinnsjahres für eine „Special Edition“-Zugabe ihres Debütalbums einen Killersong wie „Bad Romance“ aufzunehmen, der leicht und locker alle bisherigen Stücke übertrumpft und dabei auch noch dieses Video abliefert, was bleibt dann noch außer „Bad Romance“ als gerechte Krönung für eine neue Popkönigin zu vermerken? Lady Gaga ist hier, um zu bleiben.

2009 in einem Satz? Rah-rah-ah-ah-ah-ah! Roma-roma-mamaa! Ga-ga-ooh-la-la!

Charts:
D: 3 / UK: 1 / US: 2

Und 2008?

1. Britney Spears: Piece Of Me
2. Kid Rock: All Summer Long
3. Sido: Halt Dein Maul
4. The Ting Tings: Shut Up And Let Me Go
5. Estelle feat. Kanye West: American Boy
6. Kanye West feat. Chris Martin: Homecoming
7. Amy McDonald: This Is The Life
8. Katy Perry: I Kissed A Girl
9. Jack White & Alicia Keys: Another Way To Die
10. Das Bo: Dumm aber schlau

mit Text? hier

Und 2007?

1. Rihanna feat. Jay-Z: Umbrella
2. Mika: Grace Kelly
3. Amy Winehouse: Back To Black
4. The Ting Tings: That’s Not My Name
5. Avril Lavigne: Girlfriend
6. Sean Kingston: Beautiful Girls
7. Gwen Stefani feat. Akon: Sweet Escape
8. Kanye West: Stronger
9. Scooter: Lass uns tanzen
10. Britney Spears: Gimme More

mit Text? hier

Und 2006?

1. Gnarls Barkley: Crazy
2. Mika: Relax, Take It Easy
3. Justin Timberlake: My Love
4. Amy Winehouse: Rehab
5. Lily Allen: LDN
6. Pet Shop Boys: Minimal
7. Nelly Furtado: Maneater
8. Scissor Sisters: I Don’t Feel Like Dancing
9. Torsun: Ten German Bombers
10. Kelis: Bossy

mit Text? hier

Kommentare (8)

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

  1. Pingback: Digijunkies.de | Emiliana Torrini: Das Album „Me And Armini“ gibt es nun in der Gold-Edition

  2. Pingback: 2009 – Die besten Songs - Niveau ist keine Creme

  3. Frauenarzt macht das erschreckend clever. Früher noch der totale postpubertäre Zwangsvulgarismus mit Indizierungsgarantie und jetzt aseptischer Ballermann-Hop für everybody.

  4. Pingback: Emiliana Torrini – die Sängerin von „Jungle Drum“ mit ihrem aktuellen Album „Me And Armini“ in der Sonderedition | Musiktipps24 - Deine Musik im Web

  5. Im Picknick oder im Scala gespielt zu werden heißt ja auch nicht, dass man in Dtl. viel reißen könnte – die paar Hipsterschnitten da, … und zumindest fern der Chartplatzierung habe ich schon das Gefühl, dass Dizzee auch hier noch fetter ins Geschäft kommt, die Masse hier ist halt träge, aber erste (haarsträubende) Anzeichen gibts ja schon. Und Ed Banger wird man ja zB gar nicht mehr los.

  6. Prinzipiell hast Du da sicher recht – aber Frauenarzt wird ja im Picknick oder im Scala auch nicht gespielt, oder?

    Dizzee hat es in dem Jahr in England geschafft, einerseits aus der Hip-Hop/Grime-Ecke nicht verstoßen zu werden, die Indierocker per Festivalperformances mit einzufangen und gleichzeitig spätestens seit der Calvin Harris Kollaboration Dance Wiv Me auch die ganz normale Pop-Masse ins Boot zu bekommen. Der dürfte derzeit tatsächlich der größte Solostar der Insel sein.

  7. Ich glaube du beantwortest deine Frage rund um Dizzee im Grunde mit Frauenarzt: Es gibt in dem Segment einfach ein sehr gutes heimisches Pendant, das zudem weniger nervös daherkommt (von Jungle über 2Step etc. hat das alles ja in Deutschland eh nie funktioniert) und dafür mitgröhlbarer (Fußball, ole, ole – das mag man hier halt) ist. Und „Bonkers“ klingt auf eine Weise halt auch sehr altbacken, mit dem Sound kann man in Deutschland halt wenig reißen – kaum vorzustellen, dass Dizzee im Picknick oder einst im Scala groß gespielt worden wäre.

  8. Pingback: Twitter Trackbacks for Monarchie & Alltag - Die zehn besten Popsongs 2009 - tazblogs [taz.de] on Topsy.com