Die zehn besten Songs 2009

10. Felice Brothers: „Penn Station“


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So muss es klingen, drückte man dem Dylan von „Positively 4th Street“ eine Flasche Whiskey in die Hand und ließe ihn mit einer räudigeren Band trunken closing time – Songs aufspielen. In gewisser Weise sind die Felice Brothers damit auch ein New Yorker Äquivalent zu den Pogues (man achte übrigens bei obigem Video unbedingt auf das Ende!).


9. Fehlfarben: „Nichts erreicht meine Welt“ (live)


Im Großen und Ganzen bleibt zu konstatieren: die nun auch schon sieben (!) Jahre andauernde Fehlfarben-Reunion hat mehr Gutes als Schlechtes gebracht. Und das allein ist schon bewundernswert bei einer Band, die ein so großes Denkmal wie „Monarchie & Alltag“ zur freien Beschädigung vor sich hätte. In diesem Jahr erschien kein reguläres Album, aber ein eigenwilliges Livedokument der aktuellen Tour, auf dem ausgerechnet einer der Songs aus der „blinden“ Fehlfarben-Phase (also jener Zeit Anfang der 90er als eine erste Fehlfarben-Reunion völlig unbeachtet blieb) alle anderen turmhoch überstrahlt: „Nichts erreicht meine Welt“.


8. Julian Casablancas: „11th Dimension“


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Vielleicht hat man Julian Casablancas Solo-Debüt doch nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit versehen. Im ersten Moment präsentierte uns der gute Jules ein nettes Popstück, das an seine Kollaboration mit N.E.R.D. erinnerte, aber wie die Wochen vergingen, bemerkten wir doch, wie verdammt eingängig „11th Dimension“ war und wieviele typische Casablancas-Stellen es bereit hielt: Lyrics, die für sich genommen gut klingen („I’ll just nod / I am not good at shaking hands“), aber wenig Sinn im Kontext ergeben und wohl nur durch seine Art der Präsentation (was für eine großartige Stimme für Rocknroll!) funktionieren können. Ein sich an Bowies „Rebel Rebel“ anlehnendes Synthie-Riff durchzieht den Song, auf das eine typische Strokes-Bridge folgt, während Casablancas auf einen Chorus im klassischen Sinn völlig verzichtet und lieber noch eine Bridge nach Synthieland baut. Hier wird einem erst klar, wie ansteckend dieser Song ist, wenn er nicht einmal einen Refrain benötigt…


7. The Maccabees: „No Kind Words“


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In gewisser Weise sind die Maccabees vielleicht die letzte übrig gebliebene Band der Post-Libertines-Schule. Die Paddingtons? Dustin’s Bar Mitzvah? Larrikin Love? Gibt’s (leider) nicht mehr oder sind der völligen Irrelevanz anheim gefallen. Kein Wunder also, dass die Maccabees (die schon immer etwas feingeistiger als die Rhythm Factory – Punks waren) sich die anhaltende und sogar vergrößernde Aufmerksamkeit mit einer Weiterentwicklung verdient haben. „No Kind Words“ ist ein bemerkenswert konstruierter, düsterer Song, der eineinhalb Minuten auf seinen Refrain zuarbeitet, um dann in völliger Absenz der Instrumente kurz vor der Zweinminutenmarke in seltsam zurückhaltender Art „If you got no kind words to say you should say nothing more at all“ zu skandieren – woraufhin für die folgende Minute ausschließlich diese paar Worte gesungen werden. Ende.


6. The Wave Pictures: „Tiny Craters In The Sand“

I cut my hair and you grew yours / I cut my hair and you grew yours /
there always has to be the same amount of hair in the world.

5. Jamie T: „Sticks & Stones“

you’re still my friend it’s impossible to hate you – aber wir haben’s ja auch gar nicht versucht. Die Rückkehr von Jamie T war höchstwillkommen und schon mit der ersten Single zerstreute er alle Befürchtungen, an dem „Wimbledon Wunderkind“ – Mühlstein zugrunde zu gehen, die durch Nachrichten, er hätte ein komplett aufgenommes Album wieder weggeworfen, befeuert wurden. „Sticks & Stones“ ist sogar etwas mehr Pop als die „Panic Prevention“-Songs, aber immer noch erzählt Jamie besser als jeder andere vom Jungsleben in den Vorstädten Londons.


4. We Were Promised Jetpacks: „It’s Thunder And It’s Lightning“

Die meisten waren von der Single „Quiet Little Voices“ der jungen schottischen Band mehr begeistert, aber Albumopener „It’s Thunder And It’s Lightning“ präsentiert eigentlich die ganze Platte bereits in seinen fünf Minuten. Wie der Titel zurecht verspricht donnern und blitzen die Gitarren, dass es eine helle Freude ist, und durch den schottischen Akzent von Adam Thompson werden die darüber gesungenen Textzeilen nur noch markanter. Ein herrliches Gewitter. Das Popblog freut sich deshalb auch, gleich die nächste Tour der Schotten präsentieren zu dürfen (Termine: siehe unten)…


3. The Horrors: „Who Can Say“

Der herausragende Song auf einem makellosen Album – und dabei dennoch derjenige, der etwas aus der Reihe fällt. Zwar sind auch hier die Neu!-Anklänge und die Shoegazepunk-Gitarren vollzählig am Start, aber der Breakdown in der Mitte des Songs ist purer Phil Spector. Das ist Ronettes, das ist das Anti-„Be-My-Baby“: du warst mein Baby, ich gehe jetzt. Mit einem letzten Kuss, der nur goodbye bedeuten kann.


2. Element Of Crime: „Kaffee und Karin“


Niemand hierzulande versteht es dermaßen gut, über den Stolz in den Niederlagen des täglichen Lebens zu singen ohne dabei in billiges Pathos abzurutschen. Sven Regeners Text zu „Kaffee und Karin“ ist ein Geniestreich. Jede Strophe für sich genommen überrascht mit inhaltlichen wie sprachlichen Wendungen und spielt auf eine so natürliche Weise mit den Worten, dass man sich zu den Kneipenprotagonisten des Liedes dazu setzen und eben auch ein Bier oder einen Whiskey gegen das Schweinesystem bestellen möchte.


1. Girls: „Lust For Life“ & „Hellhole Ratrace“


Eine Premiere, dass wir der Unmöglichkeit jenen einen Song des Jahres zu benennen durch einen geteilten ersten Platz Recht geben! Aber es war auch wirklich so: die ersten sechs Monate verfolgte mich die Debütsingle „Hellhole Ratrace“ in jeder wachen Stunde, nur um im folgenden halben Jahr von der zweiten Single „Lust For Life“ abgelöst zu werden. Letztere hatte die bessere b-Seite („Life In San Francisco“, Platz 29), ersteres war der größere Song im Vergleich zur kleinen Songskizze bei Single Nummer Zwei. Zusammen sagen aber beide deutlich aus, warum Girls die wichtigste neue Band des Jahres waren und die einzige, in die man sich verlieben konnte.


Ebenfalls empfehlenswert:


11. Emmy The Great: City Song
12. Laura Marling: Goodbye England
13. Lady Gaga: Bad Romance
14. La Roux: Bulletproof
15. Ja, Panik: Alles hin, hin
16. Let’s Wrestle: We Are The Men You’ll Grow To Love Soon
17. Mumford & Sons: Little Lion Man
18. Pet Shop Boys: The Way It Used To Be
19. The Big Pink: Velvet
20. Julian Casablancas: Out Of The Blue

21. Pet Shop Boys: Pandemonium
22. Slow Club: Because We’re Dead
23. The Horrors: Sea Within A Sea
24. Franz Ferdinand: What She Came For
25. Manic Street Preachers: Me & Stephen Hawking
26. Boy Division: Transmission
27. The Rakes: The Light From Your Mac
28. Manic Street Preachers: Jackie Collins Existential Question Time
29. Girls: Life In San Francisco
30. The So So Glos: Throw Your Hands

31. The Smith Westerns: Be My Girl
32. Klez.E: Vom Feuer der Gaben
33. Peter Doherty: Ballad Of Grimaldi
34. Titus Andronicus: Titus Andronicus
35. The Rakes: 1989
36. Kasabian: Fast Fuse
37. Erobique & Jacques Palminger: Wann strahlst Du?
38. Peter Doherty: Lady Don’t Fall Backwards
39. The Cribs: We Were Aborted
40. Mumford & Sons: Sigh No More

41. Bonnie ‚Prince‘ Billy: I Am Goodbye
42. Black Lips: Drugs
43. Ja, Panik: Als habe ich…
44. We Were Promised Jetpacks: Quiet Little Voices
45. Girls: Morning Light
46. Egyptian Hip Hop: Rad Pitt (demo)
47. Akron / Family: Last Year
48. Pains Of Being Pure At Heart: Young Adult Friction
49. Jochen Distelmeyer: Murmel
50. Music Go Music: Light Of Love

Und 2008?

1. Crystal Castles vs. HEALTH: Crimewave
2. Glasvegas: Daddy’s Gone
3. Wild Billy Childish & The Musicians Of The British Empire: He’s Making A Tape
4. Hot Chip: Ready For The Floor
5. MGMT: Kids
6. HEARTSREVOLUTION: C.Y.O.A.
7. 1000 Robota: Ich blicke an dir vorbei
8. The Mae-Shi: Run To Your Grave
9. Be Your Own PET: Becky
10. Mystery Jets feat. Laura Marling: Young Love

Mit Text? Hier


Und 2007?

1. The Cribs feat. Lee Ranaldo: „Be Safe“
2. Emmy The Great: “Easter Parade”
3. M.I.A.: “Paper Planes”
4. Babyshambles: “There She Goes (A Little Heartache)”
5. Die Türen: “Indie Stadt”
6. The Indelicates: „Julia, we don’t live in the 60ies“
7. Tocotronic: “Kapitulation”
8. Joe Lean & The Jing Jang Jong: “Lucio Starts Fires”
9. Black Lips: “Bad Kids”
10. Glasvegas: “It’s My Own Cheating Heart That Makes Me Cry” (demo)

Mit Text? hier

Und 2006?

1. The Strokes: „Heart In A Cage“
2. Love Is All: „Spinning & Scratching“
3. Dirty Pretty Things: „Bang Bang You’re Dead“
4. Guillemots: „Trains To Brazil“
5. Clap Your Hands Say Yeah: „Upon This Tidal Wave Of Young Blood“

Mit Text? hier


Weiterlesen:
* Die besten Filme des Jahres 2009
* Die besten Alben des Jahres 2009
* Die besten Popsongs des Jahres 2009

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