http://blogs.taz.de/popblog/wp-content/blogs.dir/1/files/2018/01/brandi_redd_Fallback.png

vonChristian Ihle 03.01.2010

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

Mehr über diesen Blog

„Sorgen sollte man sich eher um das deutsche Fernsehen machen, genauer gesagt um die Filmschaffenden in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Seit geraumer Zeit fallen diese nämlich über den Kontinent her. (…) Statt Schwarzwald gibt’s nun Schwarzafrika, wobei zumindest im Schwarzwald einst noch Einheimische zu Wort kamen. Wenn nun an diesem Dienstag Christine Neubauer erneut für die ARD in Namibia aufschlägt, um gleich mal den ganzen Kontinent in Beschlag zu nehmen (der Film heißt Meine Heimat Afrika), dann muss man das Offensichtliche gar nicht mehr kritisieren. Das andere ist nämlich noch viel schlimmer. (…) Es geht darum, wie schlecht diese und viele andere Degeto-Produktionen sind. Würde man das Niveau als unterirdisch bezeichnen, wäre das zu hoch gegriffen.

Die Degeto-Produktion „Meine Heimat Afrika“ ist (…) ein Albtraum. Da landet Christine Neubauer, die erfahren hat, dass ihr Vater viel länger in Namibia lebte, als es ihr die Mutter gesagt hat, auf einem verstaubten Flughafen. Sie blickt auf die Landebahn und sagt: Hier hat mein Vater gelebt. Ob er glücklich war? Ob ihr Vater hier, auf dem Asphalt, glücklich war? Wer lebt schon gerne auf einer heißen Flughafenpiste?

Schon da fragt man sich, ob es bei der Degeto irgendjemanden gibt, der den Film ansieht, bevor er in der ARD ausgestrahlt wird. Aber es bleibt ja nicht bei diesem Ausrutscher. Der ganze Film (…) ist voller grausamer Dialoge und grausamer Handlungsstränge. „Seit du in Afrika bist, bist du völlig verändert“, sagt mehrmals Christine Neubauers Filmgatte. Und als Zuschauer nimmt man das durchaus mit Sorge zur Kenntnis – auch wenn die Schauspielerin genauso matronenhaft durchs Bild wackelt wie zuvor in München. (…) Dafür wird ihr dann das Gesicht von echten Afrikanern bunt bemalt, und sie darf an einer traditionellen Zeremonie teilnehmen, bei der ebenfalls perfekt Deutsch gesprochen wird. Da fehlt dann nur noch das Baströckchen.

Am Ende von „Meine Heimat Afrika“ weiß man nicht, worüber man mehr unglücklich sein sollte. Darüber, dass man für dieses sinn- und verstandfreie Werk mit seinen GEZ-Gebühren beigetragen hat, oder darüber, dass man 90 Minuten Lebenszeit vergeudet hat. (…) Und warum bieten ARD und Degeto Filme an, die so verstörend schlecht sind – auch wenn sie Milliarden an Gebühren zur Verfügung haben? Als der duale Rundfunk einst eingeführt wurde, gab es die Befürchtung, dass das werbefinanzierte Privatfernsehen die Menschen verblödet. Heute muss man sich vor allem vor der ARD und der Degeto fürchten.“

(Michael Bitala in der Süddeutschen Zeitung über die Degeto-Spielfilm-Produktionen mit dem Thema „Afrika“ für die ARD)

Weitere Christine Neubauer – Schmähkritik:
* Nr. 250: Christine Neubauer und der Film „Heisse Spur“

Inhaltsverzeichnis:
* Die ersten 200 Folgen Schmähkritik
* Wer disst wen?

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

http://blogs.taz.de/popblog/2010/01/03/schmaehkritik_285_die_afrika-filme_der_ard_und_christine_neubauer/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.