2010 – I Predict A Riot (Teil 9: Hip-Hop und Dubstep)
von Christian IhleVon Hip-Hop zu Dubstep:
Theophilus London (MySpace)

Zugegeben: Hip-Hop wie für Indiekids gemacht! Aber dennoch, die Beats sind klar und trocken wie bei den Cool Kids, der Style außer jeder Frage und das geschickte Bedienen in der Popgeschichte für Theophilus London eine Kleinigkeit – am geschicktesten demonstriert der junge Mann aus Brooklyn das, in dem er Whitney Houstons Überschmachtfetzen “I Will Always Love You” in einen brutalen Electro-Hip-Hop-Track dekonstruiert. Dazu noch beim ersten Mixtape Elvis Costello (im Cover) und The Smiths (im Titel) zitierend während er Kraftwerk covert? Was gibt es hier nicht zu lieben?
Anhören:
* Always Love U
* Computer Love
* Cold Pillow
Jay Electronica

Wer einen Song mit jenem Gil Scott-Heron-Zitat beginnt, erstes Aufsehen mit einem Rap über den “Eternal Sunshine Of The Spotless Mind” erregte, Mos Def als Featuringgast hatte, in machen Kreisen als “der neue NAS” gehandelt wird und dann auf “Exhibit C” auch noch klingt, als würde Jay-Z über den “American Gangster”-Soundtrack rappen, wird hoffentlich alle so früh gegebenen Versprechen einlösen!
Joy Orbison (MySpace)

Den etwas doofen Projektnamen mal beiseite gelassen, dürfte Joy Orbison neben Skreams “In It For The Kill” – Remix so sehr wie niemand sonst dafür verantwortlich sein, dass Dubstep den Weg aus dem Undergrund gefunden hat und wohl die nächsten Monate, Jahre den Popmainstream infiltrieren wird. Mit “Hyph Mngo”, einer Begegnung von Dubstep mit House, hat Joy Orbison 2009 den Konsens-Hit veröffentlicht.
Rusko (MySpace)

Deutlich stärker der ersten Silbe in Dub-Step zugeneigt ist dagegen Rusko, dessen Tracks oft nach einer elektronisch-heftigen Version jamaikanischer Songs klingen, die ein enormes Poppotential besitzen. Besonders hervorzuheben sind selbstredend “Jahova” wie auch das bereits zwei Jahre alte “Cockney Thug”, das den sowieso schon brillanten Track mit einem geschickten Vokal-Sample (“Wake! The! Fuck! Up!”) kombiniert. Dass Rusko dazu derzeit einer der besten Remixer auf diesem Planeten ist (siehe beispielsweise den Pro-Nails-Remix von Kid Sister) sollte sein erstes Album 2010 zu einem der interessantesten machen!
Anhören:
* Jahova
* Cockney Thug
(Foto Credit: Owen Richards)
Weitere Teile:
* 2010 – I Predict A Riot (Teil 1: Folk und Singer/Songwriter)
* 2010 – I Predict A Riot (Teil 2: Pop)
* 2010 – I Predict A Riot (Teil 2: Pop)
* 2010 – I Predict A Riot (Teil 3: US Indie)
* 2010 – I Predict A Riot (Teil 5: Gastautorentipps Netz)
* 2010 – I Predict A Riot (Teil 6: Gastautorentipps Print)
* 2010 – I Predict A Riot (Teil 7: Indie-Pop & C-86-Revival)
* 2010 – I Predict A Riot (Teil 8: Rest der Welt)




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Das scheint mir eine arg auf England und englische Vorlieben fixierte Liste zu sein. Und auf arty Hiphop. Ich glaube, wir werden keinen dieser Act in Deutschland und/oder den USA wiedersehen. Und überhaupt: Für Hiphop wird es ein maues Jahr. Und in Sachen Dubstep etc. wird eher Burial über alles hinauswachsen (spätestens mit dem Massive-Attack-Remix-Album) als dass irgendwelche Newcomer groß Punkten.
Ja klar, arty Hiphop. Ich schreib ja nicht umsonst: Hip-Hop für Indiekids.
Aber bei Rusko seh ich schon ein ziemliches Crossover-Potential.
Theophilus London (aus New York) spielte erst vergangene Woche in Berlin.
Ich glaub HipHop für Indie-Kids wird es niemals wirklich geben…
Das Phänomen wurde anderswo treffender als Hipster-Rap beschrieben.
Argh. Das hab ich überhaupt nicht mitbekommen, ärgerlich. Hätte ich gerne gesehen. Hipster-Rap ist sicher auch nicht verkehrt.
Aber Indie(Alternative)rock und Hip-Hop ist doch spätestens seit den Beastie Boys ein Thema.
Passend dazu – Roots Manuva hat gerade frisch den besten Song der Maccabees gecovert:
http://www.youtube.com/watch?v=4GJ_vbiqSIw
na ja hip hop und indie funktioniert schon, siehe blackroc.
in England gab’s ja mal eine Saison lang den Begriff GRINDIE (also Grime + Indie)
Stimmt, Lethal Bizzle (der ja auch mal ne Zeit lang down mit Doherty war) war da einer der Vorreiter und Statik hatte damals ein (in Teilen) recht gutes Mixtape gemacht.