Heldenverehrung: MGMT über Television Personalities

Daniel Treacy

Ich habe ja ein besonderes Faible für Bands vom Schlage der Television Personalities. Jenen ewig verkannten, in kleinen Kreisen schwer verehrten Gruppen, die ob ihrer Unfertigkeit oder Unangepasstheit nie am kommerziellen Erfolg schnuppern durften.

Wenn dann gute aktuelle Bands ausgerechnet auf eines dieser verlorenen Goldstücke der Popkultur hinweisen, sollte man das auch wiederholen und zitieren. In unserer ersten Folge Heldenverehrung also die verrückten Amerikaner MGMT über den britischen Exzentriker Dan Treacy und seine Television Personalities:

Ben MGMT: „We met Dan Treacy because the guitarist from the Television Personalities contacted Andrew. I think they knew we were big fans.“

Andrew MGMT: „So we started emailing a bit and we set up a couple of shows with them – they were wild shows. When TVP play they can be completely disastrous, or just really good. It confused the hell out of our fans.“

Ben MGMT: „It was hilarious. Performing with this veteran who’s been through heaps and made so many brillant albums, and here’s this group of kids watching him onstage with no idea who he is. „Who’s that guy intimidating us, calling us names?“ It was like a lot of our early shows; where we’d play to piss people off and get them to leave.“

Andrew MGMT: „We didn’t mean to piss anyone off or make anybody sad but we like to promote people we like. We do hope people discover Dan Treacy and the Television Personalities through us. They’ve made some of the best music of the last 30 years.“

Ich habe in den letzten zwei Jahren auch drei TVP-Konzerte gesehen und kann nur zu gut verstehen, worauf MGMT abzielen. Ein eher wirres, dennoch auf eigene Art gutes Co-Headliner-Konzert auf dem Dockville Festival, ein Konzert vor zehn Menschen im Keller eines Pubs in London und ein brillantes in einem ausverkauften Bang Bang Club in Berlin.

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MGMT haben Dan Treacy auch gleich einen Song auf ihrem neuen Album gewidmet, der unter anderem auf Treacys eigenen „I Know Where Syd Barrett lives“ anspielt und auch den aktuellen Gitarristen der TVPs, TexasBob, namedroppt:

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He spends his time
or maybe half of his time
or part of the time wandering
‚round the creeks and cobble stones of hackney lanes
with a tear in his eye
as the children walk by, he’s thinking of a song
then stops to paint a picture of a frown
walking around
Dan Treacy’s smile
leaves you trying to decide who’s the victim, what’s the crime?
no rest for the mind
that’s seen it all before
and I don’t know where he lives
but he’s a myth of a man
and TexasBob the cameraman
is off to fix his sit before the show
yeah, but where did he go?
to know when your time’s up
you flip the glass and watch the hours quickening
oh oh oh oh oh
in the back of the station
fluorescent lights about to quit their flickering
well he speaks his mind
he says „what is crime?“
Dan Treacy’s eyes
In the middle of the park
when the underground is dark,
he’s a poet he’s a lark
he starts thinking about a place that no one knows
and when the creeks run dry
he stays frozen in time
strange lights in the sky
start blinking
I can see the car outside but he’s listening
he’s listening
and he’s making up his mind
He made his mind up
to get things done and overcome
He made his mind up
yeah he’s gonna let it go
he made his mind up
in the park and at the station
he made his mind up
yeah, he’s gonna get it done
he made his mind up
ooh yeah he’s gonna get it done
he made his mind up
yeah, he’s gonna let it go, uh oh
no matter the time
oh oh
when the creeps run by
oh no
he’s making his mind up
oh oh oh oh
yeah he’s gonna get it done whoa
oh yeah, when the creeks run dry whoa oh
yeah, he’s gonna listen to his soul,
yeah, when the creeps walk by and say
„come here boy, look me in the eye“
bow to the heart, back to the beat of
Dan Treacy…..

DanielTreacy

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Im Juni veröffentlichen die Television Personalities ihr neues Album „Memory Is Better Than Nothing“, womit ihnen ein ganz erstaunliches Werk gelungen ist. Kohärenter und musikalisch runder klangen die Television Personalities eine lange, lange Zeit nicht mehr und Lieder wie der Titelsong oder das wunderbare „The Good Anarchist“ beweisen, dass in dem alten Knochen Daniel Treacy viel zu viel Leben steckt, um ihn auf einem Podest für Größen der Vergangenheit verstauben zu lassen. All hail to the Television Personalities!

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Kommentare (2)

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  1. Dan stellt sich eben auch immer selbst ein Bein. Bestes Beispiel: das erste UK-Konzert von MGMT zum neuen Album, ein dementsprechend großes Ereignis auf der Insel und in der Musikpresse. MGMT buchen auf eigenen Wunsch extra TVP als Vorband – nur Dan taucht nicht auf…
    Für eine gewisse Zeit war er zuletzt clean (wenn auch weiter dem Alkohol verfallen), aber ich würde es mir wirklich wünschen, wenn er die Kurve doch noch einmal bekomen würde.

    Jedenfalls kann ich jetzt schon sagen: das neue Album ist richtig, richtig gut geworden. Erscheint im Juni und lohnt wirklich ohne Abstriche den Kauf, wenn man auch nur ein bisschen was mit TVPs anfangen kann.

  2. Ich kann mich dem Kommentar nur anschließen!
    Ich bin seit „The prettiest girl in the world“ TVPs- Fan, also seit 1987, und freue mich natürlich ungemein, daß Dan Treacy endlich eine Würdigung erfährt, die auch wahrgenommen wird. Daß Morissey großer Fan ist und daß Kurt Cobain gar persönlich bei Dan Treacy vorstellig wurde, weil er die TVPs als Vorband wollte, ist ja allgemein wenig bekannt. Nun endlich mal eine bekannte Band, die sich nicht nur öffentlich zu ihrem Vorbild bekennt, sondern ihm auch ein Lied gewidmet hat. Von all den Britpop-Bands der letzten 30 Jahre, denen die TVPs die Blaupause geliefert hatten, war da ja eher selten was zu hören. Wenn man dann den ersten Spontankauf (ich kannte MGMT garnicht, gefiel mir aber sehr gut, als es in meinem Plattenladen im Hintergrund lief) seit tausend Jahren zuhause auflegt und dann auf dem Cover liest, daß das zweite Lied eine Hommage an Dan T. ist, geht natürlich die Sonne auf!
    Vielen Dank also an MGMT nicht nur für diese Verbeugung vor einem Genie, sondern auch ,so ganz nebenbei, für ein formidables Album!
    Daß es mit TVPs-Gigs ein Vabanquespiel ist, kann ich ebenfalls bestätigen….. ich erinnere mich an einen „Auftritt“ 1993 in einem Pub in London. Jowe Head prüfte solo ca . 45 Minuten lang Gitarre und Zuhörer auf ihre Duldsamkeit. Dann war erst mal Schluß . Ich fand die Idee, daß Jowe seine eigene Vorband war, nur mäßig originell. Nach einer weiteren halben Stunde ging ich zu den Jungs an der Kasse und fragte, wann die TVPs denn endlich aufträten. Wieso? Die sind doch schon aufgetreten! war die Antwort… ????Da war nur Jowe Head! sagte ich. Ach so ja, die anderen beiden sind krank sie lassen sich entschuldigen…
    Tja, so etwas konnte also auch passieren! Worin die „Krankheit“ bestand, darüber kann man natürlich nur spekulieren. Daß Dan T. in seinem Leben ein paar Pillen zuviel konsumiert hat, davon hat er ja auch selbst nie ein Hehl gemacht. Wer weiß, wo er gelandet wäre, wenn er sich anstatt der Drogen einen versierten Produzenten genommen hätte. Sagt er ja selbst in einem Lied: I wish i had signed to Creation.
    (Alan McGee wäre es recht gewesen;er ist TVPs -Anhänger der ersten Stunde.)
    Ich glaube, Dan T. wäre dann jetzt im Pop-Olymp.
    So bleibt zu hoffen, daß er durch die Verbeugungen der jüngeren Bands einen ordentlichen Input bekommt und noch einmal so richtig loslegt!
    Ein bisschen mehr Erfolg hat er sich mit Sicherheit verdient. Zu gönnen wäre es ihm sowieso!