Heldenverehrung: Roger Ebert über Malcolm McLaren, Russ Meyer und die Sex Pistols

bambi

Roger Ebert, Amerikas größter Filmkritiker, hat neben dem Pulitzerpreis auch eine Vergangenheit als Drehbuchautor – und zwar ausgerechnet bei einem Film des Tittenfetischisten Russ Meyer namens “Beyond The Valley Of Dolls” (Eberts eigene Kurzbeschreibung: “Ein Camp-Sexploitation-Horror-Musical, das in einem Vierfach-Ritualmord und einer Dreifachhochzeit endet”).

valley of dolls

Noch unbekannter ist gemeinhin die Arbeit von Roger Ebert an einem Drehbuch für einen Sex Pistols – Film. Malcolm McLaren hatte mit geradezu manischer Besessenheit versucht, einen Film mit den Sex Pistols zu drehen und dort (wohl) das ganze mühsam durch Skandale und Auflösungsverträge erspielte Geld wieder verbrannt. Näheres kann man sowohl in “England’s Dreaming” von Jon Savage (eher die Malcolm-Seite) als auch in John Lydons (aka Johnny Rotten) Biographie “No Irish No Blacks No Dogs” (die Rotten-Seite) nachlesen.

McLaren und die Pistols müssen große Fans des angesprochenen Ebert/Meyer-Films gewesen sein und wollten für “Who Killed Bambi” – wie der Pistols-Film zunächst heißen sollte – das gleiche Team verpflichten.

Da bei den Sex Pistols natürlich immer alles anders kommt als zunächst geplant, ist es nicht weiter verwunderlich dass letzten Endes Julien Temple mit dem “Great Rock n Roll Swindle” Malcolms langersehnten Pistols-Film drehte, der mehr schlecht als recht aufgenommen wurde. Im Rückblick ist Temples Sex Pistols – Dokumentation “The Filth & The Fury” vielleicht auch als eine Art Entschuldigung an Lydon & Co. zu sehen, dass er damals bereit war, für Malcolm McLaren die Kohlen aus dem Feuer zu holen und dafür die Geldsäckchen in selbiges zu legen, denn die großartige Pistols-Dokumentation beherrscht eben John Lydon und nicht Malcolm McLaren.

Nachdem der ewig umstrittene McLaren sich nun erstmal von diesem Erdenrund verabschiedet hat, erzählt Roger Ebert noch einmal die ganze Geschichte von “Who Killed Bambi” – bitte hier lesen.

In der Zwischenzeit hat Ebert sogar sein komplettes Screenplay von “Who Killed Bambi” ins Netz gestellt – ein schönes Fundstück für Punkhistoriker und aufgrund des Anfangsdialogs des Lesens wert:

One by one, each alone, we see the FOUR SEX PISTOLS walking along these mean London streets. In CLOSEUPS, each one turns while still walking and addresses THE CAMERA.

STEVE JONES
We don’t make music – we make noise.

PAUL COOK
We’re so pretty vacant and we don’t care.

SID VICIOUS
We like noise – it’s our choice.

JOHNNY ROTTEN
We want to destroy the passer-by.

STEVE JONES
Passion ends in fashion.

PAUL COOK
We’re the blank generation.

SID VICIOUS
We don’t make rock and roll – we make chaos.

JOHNNY ROTTEN
Got a problem, and the problem is you. What you gonna do?

During these closeups, the beat of the TITLE SONG has been insistently ESTABLISHING itself beneath the dialogue. Now the VOCAL begins as we:

CUT TO:

TITLES

MUSIC:
The SEX PISTOLS singing “ANARCHY IN THE U.K.”

A MASKED HORSEMAN rides through the streets of contemporary London, past landmarks of the past and present. He is dressed entirely in red, rides a black horse, and carries a black flag: Red and black are the international colors of anarchy. He rides past such familiar places as the Tower, Harrods’, Trafalgar Square, Piccadilly Circus, the Victoria Embankment, the Prince Albert Memorial, and what is left of Covent Garden.

1 Kommentar

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  1. Ah, da werde ich mal stöbern gehen. Ich lese nämlich gerade “England’s Dreaming” (wobei “gerade” = seit einem halben Jahr, weil es so verwirrend und unzusammenhängend und unpackend geschrieben ist).