Berlinale (2): Utopia Ltd – 1000 Robota

Utopia Ltd. – 1000 Robota

1. Der Film in einem Satz:

Musikbusiness brennt.

2. Darum geht‘s:

1000 Robotas Aufstieg zu einem hierzulande seltenen Indiemedienhype und die Schwierigkeit, all die Presseaufmerksamkeit in zahlende Besucher und Plattenkäufer umzuwandeln – Frustration im Studio, auf den Bühnen und im Gespräch mit der eigenen Plattenfirma Tapete Records inklusive.

Bemerkenswert ist Utopia Ltd vor allem, weil Regisseurin Sandra Trostel die Band von Beginn an verfolgen kann – wir müssen nicht auf alte VHS-Aufnahmen der Eltern zurückgreifen, um die Band im Entstehen zu sehen, sondern können dank Trostel bereits die Unterschrift von Sänger Anton Spielmann auf seinem Plattenvertrag „live“ mitverfolgen. Insbesondere die ökonomischen Zwänge des Musikbusiness und was es dadurch 2010 bedeutet, in einer Band zu sein oder ein Plattenlabel zu führen, werden in Utopia Ltd. deutlich.

3. Der beste Moment:

Die Diskussion direkt nach Aufnahme der Debütplatte mit den Tapete Label – Chefs, ob es den Vermarktungsmöglichkeiten von 1000 Robota abträglich sei, wenn in einem Song Tocotronic erwähnt werden. 1000 Robota bestehen auf ihre Textzeile, auch wenn ihr Label anklingen lässt, dass dadurch vielleicht das Auskommen und der Arbeitsplatz der drei Festangestellten der Plattenfirma gefährdet wird. Obwohl so die künstlerische Freiheit belassen wird, wird doch kaum verhohlener „moralischer“ Druck auf die junge Band ausgeübt. Die Textzeile blieb übrigens auf der veröffentlichten Platte – wie sich 1000 Robota auch mit ihrem zweiten, ebenfalls im Film zwischen Band und Label heiß diskutierten Anliegen durchsetzten, den frühen „Hit“ „Hamburg Brennt“ nicht auf dem Debütalbum zu veröffentlichen.

4. Diese Menschen mögen diesen Film:

Wer Einblicke in die Schwierigkeiten einer Band bekommen will, die es scheinbar „geschafft“ hat und die Widrigkeiten des Musikbusiness gänzlich ungeschönt präsentiert haben möchte. Heroisierung, it ain’t.

* Regie: Sandra Trostel
* imdb

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