15 Fakten über das neue Ja, Panik – Album

Das letzte Ja-Panik-Werk „The Angst & The Money„, war unser Album des Jahres.
Gestern lag die Promo der im April erscheinenden neuen Platte der Wahlberliner und Stammösterreicher um Sänger und Texter Andreas Spechtl im Briefkasten – schnell, frisch und wild nun 15 Fakten nach dem ersten Hördurchgang!

1. „This is no adventure, not even a trip. This is DMD KIU LIDT“: Das Nachfolgealbum zu „The Taste & The Money“ und „The Angst & The Money“ heißt „DMD KIU LIDT“ und, nein, wir wissen auch nicht warum, nur dass wir das Album englisch aussprechen sollen (Di-Em-Di-Quiu-Lit). Nach dem ersten Hördurchgang und vor allem dem Irrsinn der letzten 20 Minuten hätten wir durchaus auch „The Wahnsinn & The Money“ als Titel für akzeptabel befunden.

2. „Sorry for my bad english, but my german is even worse“: Entgegen anders lautender Gerüchte singt Andreas Spechtl weiterhin deutsch und englisch – „DMD KIU LIDT“ ist also keineswegs nur englischsprachig, auch wenn alle Songtitel englisch sind und durchaus der Weg vom fremdsprachigen Einsprengsel zur vollständigen Bilingualität beschritten wurde.

3. „DMD KIU LIDT“ ist mehr „Pardon“ und „Blue Eyes“ als „Alles hin, hin, hin“ oder „Thomas sagt“. Das Tempo wird gedrosselt, der Klang vielschichtiger, offener. Andreas Spechtl hat immer noch keine Angst, affektiert zu klingen. Weniger als je zuvor.


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4. Das New York Dolls – Piano aus „The Angst & The Money“ wurde eingemottet. „The Horror“ auf „DMD KIU LIDT“ bleibt in der gleichen Stadt, geht zehn Jahre zurück und setzt sich neben Velvet Underground.

5. „DMD KIU LIDT“ ist mit Sicherheit nicht Koks, nicht Speed, schon gar nicht MDMA und nicht einmal Bier, sondern eher Heroin im Heurigen.

6. „DMD KIU LIDT“ ist das erste Ja, Panik – Album, in dem die neue Heimatstadt Berlin häufiger als Wien genamedroppt wird. Nichts und niemand wird allerdings als „Taschenmesser“ bezeichnet, diese Ehre verbleibt weiterhin bei der österreichischen Hauptstadt.


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7. Dass Lou Reeds Album „Berlin“ ebenfalls mehr Berlin- als Wien-Referenzen beinhaltete, scheint ob des „DMD KIU LIDT“-Sounds nicht unpassend. Dass dessen Vorgängeralbum „Transformer“ von David Bowie produziert wurde: ebenso.

8. Wie Andreas Spechtl aussieht, wenn er betrunken Kinderbücher vorliest, weiß man nun auch:


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9. Wenn Andreas Spechtl nicht betrunken Kinderbücher vorliest, schreibt er fabelhafte Texte über Culture, Alienation, Boredom und Despair oder auch das Flanieren als Lebens-, Denk- und Liebesform, in denen er den Situationismus in die Zwischenmenschlichkeit, Zweisamkeit weiterdenkt. Dérive der Liebe:

Sich zu verlieben in das was er/sie wie in eben diesem Moment ist, ist die Antithese der romantischen Vorstellung von Liebe, die jede situative Leidenschaft für alle Ewigkeit ins Kellerverlies sperren möchte und die danach trachtet die Liebenden wie eine unheilbare Krankheit bis an ihr Lebensende aneinander zu binden. Diese nach wie vor alles bestimmende Form der Liebe bedeutet nichts anderes als der restlichen Welt ebendiese zu entziehen und endet deshalb ausnahmslos in Einsamkeit und Verbitterung, im Autismus zu zweit, wie andere sagen. Der Flaneur jedoch kann unter bestimmten Umständen, in gewissen Konstellationen, für jeden und alles Liebe empfinden. Er ist der einzig wahre Liebende in den letzten Tagen dieser alten Welt und allein er kann in ihr noch Liebe erfahren.

10. Wenn einem die Wartezeit auf das neue Album doch zu lang wird, kann man sich auch zur Belustigung die youtube-Kommentare unter dem „Alles hin, hin, hin“-Video, das mit einem fünfminütigen, gesprochenen Manifest beginnt, durchlesen.

„Immer wenn ich dieses Video sehe hasse ich Österreich ein klein wenig mehr. Da will man ihm doch in seine kleine eloquente Ösi fresse treten :D“

„Der Jung ist echt nicht hübsch, dann liest er hochgestapeltes Geschwafel ab und sein Dialekt rundet das Alles noch ab… *kopfschüttel*“

„Was für eine armselige und peinliche Vorstellung.Der Bub kann mit Fremdwörtern viele toll klingende Sätze bilden. Die Geilheit die den Buben erfasst beim Verkünden seiner Weltbotschafft,wie er sich in geistigen Sphären, weit jenseits des begrenzten Verstandes der hohlen Masse wähnt is richtig unangenehm anzusehen.“

„Gross altklug pubertär wie Diederichsen in seine besten Tagen..“

11. „DMD KIU LIDT“ ist zwar keine „Kapitulation“, aber mit Sicherheit auch nicht „Digital ist besser“.

12. Einen alten Ja-Panik-Songprotagonisten treffen wir im Song „Nevermind“ wieder

„Und Thomas hatten wir ja schon, ich glaube es war 2006,
für ihn steht nichts mehr auf Veränderung, heute stehen die Zeichen auf success.
Er ist im Großen und Ganzen jetzt immer on the run
er fängt im Großen und Ganzen täglich von vorne an.
Vielleicht weil es dich nur als den einen gibt
hinter dem das Viele liegt
bist du fürchterlich verängstigt,
aber Thomas, nevermind,
solang sich deine situation in meine Richtung neigt.“

…Thomas aus „Thomas sagt“:


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13. Das letzte Lied auf „DMD KIU LIDT“ dauert 14 Minuten. Der letzte Satz des Albums lautet „lass es mich doch zu Ende bringen, lass mich mein seltsames Lied jetzt zu Ende singen, du kannst zuhören oder gehen, nur sei still, ach sei so lieb, da kommen noch ein paar Strophen, an denen mir mehr als an allem anderem liegt“ – worauf was folgt? Richtig, kein Wort mehr, Stille.

14. „I burned the manifestos / now burn my guitar…“: Es wird nicht mehr nötig sein, ein Manifest vor der ersten Single vorzulesen, denn Schlußsong „DMD KIU LIDT“ auf „DMD KIU LIDT“ ist ein Manifest.


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15. Politisch deutlicher als auf dem Titelsong wurde Spechtl dabei noch nie:

…von mir aus sollen sie Bomben hin tragen zu der grauslichen Bagage,
ich werde nicht daran denken, eine Träne zu zerdrücken,
nicht für Angela und erst recht nicht für Nicholas

16. „DMD… wie bitte? Ich verstehe kein Wort“ sie sieht mich entgeistert an. „Ja, es ist schwer das zu erklären, man begreift’s nicht sofort, es ist so etwas wie ein verinnerlichter Zwang, den man schon gar nicht mehr benennen kann. Manche sagen, es ist viel mehr ein Opiat, ein Ablenkungsmanöver, du hast vielleicht davon gelesen.“ – „Naja, ich kenn schon Theorien dieser Art, aber dieses seltsame Wort ist nie dabei gewesen…“

Neben dieser kryptischen Erklärung in Songform bietet Spechtl noch die folgenden DMD KIU LIDT Definitionen auf der Platte an:

… now there’s nothing where I used to sit but
DMD KIU LIDT
… I’m afraid this is nothing but your dirty trick, you know,
DMD KIU LIDT
… this is no adventure, not even a trip, this is
DMD KIU LIDT
… you think of all these nights that made you feel sick but it’s
DMD KIU LIDT
… there’s nothing I can do… everything I do is for the benefit of
DMD KIU LIDT
… nothing could change nothing not a little bit, I’m lost in
DMD KIU LIDT
… you look somehow in love but you also look sick, but sure you sleep with
DMD KIU LIDT
… there is a fire that I have lit, named
DMD KIU LIDT.

Kommentare (8)

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  3. Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit. DMD KIU LIDT

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  6. Die Vorfreude ist groß, und der Artikel lässt auf Großes hoffen!

    http://thisispeculiar.blogspot.com/

  7. Yeah! Yeah! und nochmals YEAH!

  8. Das wid ein Fest!