vonChristian Ihle 04.10.2011

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

Mehr über diesen Blog

Das Ziel ist eigentlich zu groß, als dass das darauf Schießen Spaß machen würde, aber dennoch haben sich sowohl die INTRO als auch der Rolling Stone mit Stefan Raabs Lattenmessen am vergangenen Freitag beschäftigt.

„Immer wieder verblüfft der schlechte Geschmack der jungen Zuschauer, den Jan Delay als beleidigte Leberwurst beklagte, nachdem er gegen Oomph! verloren hatte. (…) Flo Mega und Glasperlenspiel, Ausgeburten der Plattenfirmenhölle, überraschten mit den Rängen zwei und vier; der jodelnde Schmalzbubi Andreas Bourani schaffte für Bayern Platz zehn. (…) Den Sieg trug der schnuckelige Tim Bendzko davon, der mit bestechend gefühliger Logik „Wenn Worte meine Sprache wären“ sang. Wenn „Wörter“ seine Sprache (nicht) wären, wäre es richtiger. (…) Der bräsige Elton als Reporter aus den lärmenden Fankurven machte alles richtig, indem er gar nichts machte außer einem billigen Witz über den HSV. Es braucht die Kaltschnäuzigkeit einer Entertainment-Hure, um dieses Stahlbad der schon gar nicht mehr kaschierten Komplettbeliebigkeit zu überstehen.
Kein Problem für Tim Bendzko. Mit ihm gewann genau der gefühlsduselige, tranige Schlagerplunder, den abzuschaffen Stefan Raab einst angetreten war. Durch die Hintertür von Carmen Nebels Kitsch-Palais kommen die Zombies wieder herein – und sie haben jetzt junge Gesichter.“

(Arne Willander im Rolling Stone)

Jennifer Rostock funktioniert für mich nur noch über Mitleid. Nuttiges Outfit widert mich auch eher an. Zum Glück nicht mal mehr eine griffige Melodie. Wie kurz vor der Rente sind die denn bloß?
Flimmerfrühstück? Muss man sich denn schon mit seinem ultradoofen Namen gleich ins Aus schießen? Nein, diese biederen Jugendlichen heute. Kaffeehaus-Indie-Schmock, bei dem es um Liebe geht: Nummer eins. Wer dafür anruft, hat vielleicht ein Handy aber kein Leben.
Nach Flimmerfrühstück kommen Muttersöhnchen? Sind denn wirklich alle einigermaßen erträglichen Namen bereits weg? Die Musik haben uns scheinbar Deichkind eingebrockt. Wie uncool ist eigentlich vermeintliche Coolness? Sehr, wie man sieht.
Muttersöhnchen, Flimmerfrühstück, Glasperlenspiel. Die Show der schlimmsten Bandnamen ist es schon mal. Die Musik immerhin eine interessante Mischung aus Rosenstolz und Blümchen. Für den ZDF-Fernsehgarten vermutlich zu dröge.
Andreas Bourani. Kaffeehaus-Indie-Schmock, bei dem es um Liebe geht: Nummer Zwei. Aufsteiger des Jahres? In welcher grotesken Gegenwelt denn bloß das?
Die Ali Coen Band macht allen Grundschullehrern Mut. Auch für sie ist Platz auf der Bühne! Emotionen dürfen auch trivial sein. Hauptsache man stört die Nachbarn und den Warenverkehr nicht.
Berlin, der alte Platzhirsch. Hey, Tim Bendzko, Xavier Naidoo hat angerufen, er möchte seinen Sound zurück. Und möchte, dass du mehr aus der Bibel zitierst. Gottloser Umsturzgewinnler! Nicht dass der noch gewinnt. Doof und sentimental genug wäre der Song ja.“

(Linus Volkmann in der INTRO)

Inhaltsverzeichnis:
* Teil 1: Alle Schmähkritiken über Bands, Künstler und Literatur
* Teil 2: Alle Schmähkritiken über Sport, Politik, Film & Fernsehen

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

http://blogs.taz.de/popblog/2011/10/04/schmaehkritik_445_bundesvision_song_contest/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.