Songs der Woche: Locas In Love, Laura Marling, This Many Boyfriends

SONG DER WOCHE:

Locas In Love – Manifest

Zugegeben, ich bin ein wenig spät dran, ist Eric Pfeil doch drüben im FAZ-Blog schon seit Monaten in Love with Locas. Aber nachdem ich die Kölner auf dem Reeperbahnfestival bei einem ganz bezaubernden Auftritt in der Prinzenbar gesehen habe, führt kein Weg mehr am vierten LiL-Album „Lemming“ vorbei, auf dem mit „Manifest“ einer der besten Songs des Jahres zu finden ist, in dessen Text Björn Sonnenberg die mögliche Gleichzeitigkeit von erhobener Faust und liebender Umarmung wie wohl keiner zuvor thematisiert. Der Missing Link zwischen Reinhard Mey und Ja, Panik (was nur und ausschließlich positiv zu verstehen ist!):

Locas In Love – Manifest by Christian76

Da ist kein Gegensatz, von Zerstörung zu singen
Und trotzdem weder bitter noch hart zu werden
Mein Herz ist groß genug für einen Hass und eine Liebe, die alles durchdringt
Kein Mensch wird das ändern, kein System und keine zehn Pferde

Und es kommt nicht darauf an, dass wir zerstören
Sondern was wir zerstören und warum wir es tun
Nicht aus Angst vor Gott, den Lehrern oder wirtschaftlicher Verelendung
Ich brauche einen Grund

Da ist kein Widerspruch Liebeslieder zu singen
Und trotzdem nichts aus den verliebten Augen zu verlieren
Von der Angst und der Wut, und dem Hass auf die Dinge
Kein Mensch, kein System kann diese Liebe zerstören

Doch es kommt nicht darauf an, dass wir lieben
Sondern was wir lieben und warum wir es tun
Nicht aus Angst vorm Alleinsein, nicht als Flucht und nicht, weil wir nicht wissen wohin mit uns

Ich kann ohne Nation leben, ohne Gott, aber nicht ohne dich
Ich kann ohne Band leben, ohne Staat, aber nicht ohne dich
Und bei aller Wut, die ich habe und um die es andauernd geht
Bleibst du das schönste Thema für mich

Zu finden auf dem Album: Locas In Love – Lemming

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Laura Marling – All My Rage

Als sie noch keine 20 war, gewann Laura Marling schon des Popblogs „Album des Jahres“ – Lorbeeren mit dem unverschämt reifen Folkwerk „Alas, I Can’t Swim“. Nur drei Jahre später veröffentlicht sie bereits ihre dritte Platte und ist in der Zwischenzeit kein Geheimtipp mehr, sondern – zumindest in England – der interessanteste weibliche Star für alle, die nicht die x-te Musikindustrie-Auflage von Amy hören wollen (Duffy, Adele, wir grüßen Euch!).
Man kann eine gezielte Weiterentwicklung vom verhuschten, einfach instrumentierten Folk des Debütalbums bis zur neuen, immer wieder an Joni Mitchell erinnernden dritten Platte vermelden. „A Creature I Don’t Know“ macht es dem Hörer aber nicht leicht, ist doch kaum ein Song an einer geradlinigen Vers-Refrain-Vers-Entwicklung interessiert, sondern nimmt jede mögliche Abzweigung, die sich ihm bietet – ausgenomen Schlußstück „All My Rage“, ein straighter, countryfizierter Folksong. Und zudem auch der Beste, den Laura seit ihrem Debüt veröffentlicht hat! „Here’s to love and logic, two creatures of unceasing cruelty, and endless joy“

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zu finden auf dem Album: Laura Marling – A Creature I Don’t Know

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BELIEVE THE HYPE:

This Many Boyfriends – Young Lovers Go Pop

Es war in den letzten Monaten (Jahren?) geradezu deprimierend, wenn man ein Freund britischen Indiepops war. Die Erfinder von C 86, das Mutterland der Smiths, die Heimat der Pastels… und dennoch kam kaum noch eine vernünftige Gitarrenband in den letzten Jahren aus England, sondern nur noch der vom The-Cribs-Sänger so getaufte „landfill indie“ der Pigeon Detectives, Kooks oder Rifles. Umso schöner ist die zweite Veröffentlichung von This Many Boyfriends (benannt nach einem Beat Happening – Song), die ihrer hervorragenden ersten EP nun auf Angular Records die Single „Young Lovers Go Pop“ folgen lassen. Etwas muskulöser im Sound erinnert die neue 7 inch manchmal an sich etwas am Riemen reissende Los Campesinos!, während die EP noch viel stärker im verschüchterten Twee-Pop wurzelte – aber Achtung: „If anyone calls us twee or cutesy we’ll knock their block off!“.
Ausdrücklich seien hiermit auch noch von der Debüt-EP „I Don’t Like You (Cos You Don’t Like The Pastels)“ und „I Should Be A Communist“ mit dem schönen Refrain „I should be a communist / I tried, I failed / I’m far too decadent“ dem Hörer ans Herz gelegt!

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Die bisherigen Songs der Woche:

The Rapture: How Deep Is Your Love
Girls: Vomit
Jay-Z & Kanye West: No Church In The Wild

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