Die zehn besten Alben 2011

10. Josh T Pearson: Last Of The Country Gentlemen

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Bei aller Ähnlichkeit (monströser Bart, minimalistischer Folk) ist Josh T Pearson auf eine Art der Anti-Will-Oldham: während Oldham als Bonnie Prince Billy in geradezu manischer Arbeitswut ein Album nach dem nächsten herausfeuert (so auch in diesem Jahr wieder mit „Wolfroy Goes To Town“), war Pearson für Jahre in der wilderness verschwunden. Doch sein Rückkehralbum war phänomenal: nur sieben Songs, die Hälfte davon aber zwischen 10 und 13 Minuten lang und äußerst spartanisch instrumentiert. Pearson, eine Akustik-Gitarre und Texte, von einer Heftigkeit und Offenheit, die einen erschaudern lassen. Sollte jemand ein zweites Sequel zum Alten Testament schreiben wollen, bitte unbedingt Josh T Pearson mit einbeziehen.




9. The Rapture: In The Grace Of Your Love

Natürlich wird auf diesem Album alles von „How Deep Is Your Love“ überstrahlt, aber auch ohne diesen Überhit sind The Rapture nach fünf Jahren Pause mit einem guten Album zurückgekommen, das die schmutzigen Gitarren diesmal in die Ecke stellt und stattdessen deutlich mehr Discokugelgeilheit besitzt. Sicher kein „Sound Of Silver“, aber wie immer bei Rapture mit mehr Hits als Fehlschüssen.




8. Black Lips: Arabia Mountain

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Auch der slicke Mark Ronson schafft es also nicht, den Black Lips die Räudigkeit auszutreiben – gut so! Etwas geradliniger ist ihr neues Album geraten und scheinbar nicht völlig im Drogenrausch aufgenommen worden wie das psychedelische Vorgängerwerk „200 Million Thousand“, was dem Gesamteindruck zu Gute kommt, so dass „Arabia Mountain“ eines der rundesten Black-Lips-Alben ist.




7. Locas In Love: Lemming

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Das Staatsakt-Label veröffentlicht in einer so großen Schlagzahl brillante deutschsprachige Alben, dass selbst das hervorragende „Lemming“ von Locas In Love gerade mal das drittbeste Staatsakt-Album des Jahres war. Die Band um Björn Sonnenberg und Stefanie Schrank sind schon seit zehn Jahren unterwegs, haben nun aber ihre beste Platte veröffentlicht, abgeklärt instrumentiert und vor allem von Sonnenbergs tollen Texten lebend, die es bei aller Ruhe im Vortrag verstehen, Liebe mit Kampfeslust und Revolution zu verbinden.




6. Finn.: I Wish I Was Someone Else

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Alben, die nur aus Coversongs bestehen, schaffen es normalerweise nicht in Jahres-Top-Ten. Doch bei Finns meisterhaften „I Wish I Was Someone Else“ müssen wir eine Ausnahme machen. Wie er es schafft, jeden einzelnen Song – aus so disparaten Quellen wie Ultravox oder Bob Marley gebastelt – sich ganz zu eigen zu machen, ist verblüffend. Zudem ist die Kollaboration mit Tocotronics Dirk von Lotzow in ihrer Exaltiertheit und Überreiztheit so gut wie die besten Entwürfe der anderen Lowtzow’schen Band Phantom / Ghost.




5. The Smith Westerns: Dye It Blonde

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Mit ihrem Debütalbum konnten Smith Westerns unsere Album des Jahres – Ehren im letzten Jahr gewinnen, weil es ein dermaßen wildes, rauhes, verzerrtes und von jugendlichem Überschwang getragenes Hitfeuerwerk war. Als zu Beginn des Jahres nun schon Album Nummer Zwei erschien, waren wir zunächst skeptisch, hatte die Band doch alle ihre trademark-sounds ausgetauscht, ja, man konnte nun sogar die Texte verstehen. Aus dem Garagenrockkracher wurde ein elegantes Powerpop-Album im Stil von Big Star, das – verblüffend – sich aber auch nicht scheute, die eine oder andere Britpop-Gitarre epischer Größe einzubauen und sich gleichzeitig bei MGMTs zweitem Psychedelica-Album zu bedienen.
Was geblieben ist: das Händchen für die Melodien. „Dye It Blond“ ist ein viel besseres Album als nach dem ersten Hören vermutet!




4. Girls: Father, Son, Holy Ghost

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In der Zwischenzeit dürfen Girls aus San Francisco als die vielleicht konsistenteste amerikanische Indierockband der jüngeren Vergangenheit gelten, haben Sie doch nun schon ihr zweieinhalbtes, makelloses Album veröffentlicht – in den beiden Vorjahren mit Platz 2 und Platz 3 ebenfalls ganz oben in den Jahrescharts vertreten. Zwar mögen diesmal die Überhits wie „Lust For Life“ oder „Hellhole Ratrace“ fehlen, dafür gewinnen manche Songs an Tiefe wie das lange vor sich hinbrodelnde „Vomit“. Christopher Owens hat die derzeit vielleicht beste Stimme im US-Indie und JR White Arrangementkünste bringen jeden Song auf den Punkt.




3. Chuckamuck: Wild For Adventure

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Die vielleicht schönste Überraschung des Jahres! Blutjunge Berliner, die in einer für hiesige Verhältnisse wirklich ungewöhnlichen Räudigkeit Songs über chocolate and girls singen, sich dabei an Strange Boys und Black Lips orientieren, aber beide US-Bands in diesem Jahr sogar noch übertroffen haben. Ein einziger Spaß!




2. WU LYF: Go Tell Fire To The Mountain

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Nach all dem Geraune und Gerede vor den ersten Veröffentlichungen war klar, wie schwer es WU LYF haben werden, die Erwartungen zu erfüllen. Ihnen ist vielleicht nicht wie angekündigt gelungen, die Erde aus den Angeln zu heben, aber gibt man dem Debütalbum etwas Zeit, so entfaltet sich ein eigenes Universum der World Unite / Lucifer Youth Foundation. Auf eine gewisse Weise haben sie so bewiesen, dass sie eben doch eine besondere, andere Band sind.




1. Ja, Panik: DMD KIU LIDT

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Als Ja, Panik mit ihrem letzten Album die Jahreslorbeeren im Popblog davon trugen, schrieben wir vom dritten Weg des Textens, den Ja-Panik-Schreiber Spechtl nach der Ermöglichung des Slogans (von Lowtzow) und dem Referenzkasten (Distelmeyer) in der jüngeren deutschsprachigen Geschichte gefunden hat. Aber im Vergleich zu DMD KIU LIDT wirkt das Vorgängeralbum bei aller Qualität (und Hitlastigkeit) nur wie eine Fingerübung.
2011 ist die Gruppe Ja, Panik von Band zu Ereignis geworden. Natürlich herrscht der Titelsong über allem und ist Nevermind so irrsinnig gut, dass man es den kleinen Kindern in der Schule zum Auswendiglernen geben möchte, aber warum das Album selbst – mit etwas Geduld – zu so einem Monster geworden ist, liegt eben genauso an dem besten Kneipen-Leben-Liebe-Endesong seit Ewigkeiten („Evening Sun“) oder an „Run From The Ones That Say I Love You“, einem trockenen Funkstück, das tatsächlich einmal an das alte Falco-Klischee erinnert, aber seinen Refrain in Kakophonie verenden lässt, nur um dadurch Strophen wie diese noch stärker hervortreten zu lassen:

wir reden über die Hundstage,
den schlechten Wein im Nachtzug,
irgendwann kommt dann die Nachricht
– Boy I Hate Every Inch Of You –
back in Berlin, a ghost came to stay,
ich befürchte, es fischt bald jemand den Buben aus der Spree
und ich sag Tommy,
kommts nur mir so vor oder schmeckt das H hier auf der Straße auch nicht anders
als am Schottentor?

Album des Jahres. Hands down.




Ebenfalls empfehlenswert:

11. Moon Duo: Mazes
12. The Vaccines: What Did You Expect
13. PJ Harvey: Let England Shake
14. The Low Anthem: Smart Flesh
15. David Lynch: Crazy Clown Time
16. Chapman Family: Burn This Town
17. Frankie & The Heartstrings: Hunger
18. The Kills: Blood Pressures
19. Let’s Wrestle: Nursing Home
20. The Strokes: Angles


21. Metronomy: The English Riviera
22. The Wave Pictures: Beer In The Breakers
23. Cat’s Eyes: Cat’s Eyes
24. Ringo Deathstarr: Colour Trip
25. Strange Boys: Live Music
26. Veronica Falls: Veronica Falls
27. Wild Flag: Wild Flag
28. Yuck: Yuck
29. We Were Promised Jetpacks: In The Pit Of The Stomach
30. Alex Turner: Submarine EP


31. S.C.U.M.: Again Into Eyes
32. Scott Matthew: Gallantry’s Favourite Son
33. Noel Gallagher’s High Flying Birds: s/t
34. Noah & The Whale: Last Night On Earth
35. Atomic: HeartBreaker
36. EMA: Past Life Martyred Saints
37. Wise Blood: These Wings EP
38. Cloud Nothings: Cloud Nothings
39. The Horrors: Skying
40. Emmy The Great: Virtue




Vorjahresgewinner:
* 2010: The Smith Westerns: The Smith Westerns
* 2009: Ja, Panik: The Angst & The Money
* 2008: Laura Marling – Alas I Can’t Swim
* 2007: The Good, The Bad & The Queen – The Good, The Bad & The Queen
* 2006: Love Is All – 9 Times The Same Song




und 2010?

1. The Smith Westerns: The Smith Westerns
2. Girls: Broken Dreams Club EP
3. Manic Street Preachers: Postcards From A Young Man
4. 1000 Robota: UFO
5. Sleigh Bells: Treats
6. LCD Soundsystem: This Is Happening
7. Wave Pictures: Susan Rode The Cyclone
8. Laura Marling: I Speak Because I Can
9. Television Personalities: A Memory Is Better Than Nothing
10. Christiane Rösinger: Songs Of L. & Hate


und 2009?

1. Ja, Panik – The Angst & The Money
2. The Horrors – Primary Colours
3. Girls – Album
4. Pet Shop Boys – Yes
5. Emmy The Great – First Love
6. The Wave Pictures – If You Leave It Alone
7. Manic Street Preachers – Journal For Plague Lovers
8. Let’s Wrestle – In The Court Of The Wrestling Let’s
9. La Roux – La Roux
10. Peter Doherty – Grace/Wastelands

und 2008?

1. Laura Marling – Alas I Can’t Swim
2. Glasvegas – Glasvegas
3. No Age – Nouns
4. Crystal Castles – Crystal Castles
5. Vampire Weekend – Vampire Weekend
6. Love Is All – A Hundred Things To Keep Me Up At Night
7. 1000 Robota – Er Nicht Du Nicht Sie Nicht
8. Johnny Flynn & The Sussex Wit – A Larum
9. Hot Chip – Made In The Dark
10. Santogold – Santogold

mit Text? hier


und 2007?

1. The Good, The Bad & The Queen – The Good, The Bad & The Queen
2. Die Türen – P-O-P-O
3. LCD Soundsystem – Sound Of Silver
4. Babyshambles – Shotters Nation
5. Tocotronic – Kapitulation
6. The White Stripes – Icky Thump
7. Jamie T – Panic Prevention
8. The Cribs – Men’s Needs, Women’s Needs, Whatever
9. Friska Viljor – Bravo!
10. The Rakes – Ten New Messages

mit Text? hier


und 2006?

1. Love Is All – 9 Times The Same Song
2. The Strokes – First Impressions of Earth
3. Two Gallants – What The Toll Tells
4. The Rapture – Pieces Of The People We Love
5. Die Goldenen Zitronen – Lenin

mit Text? hier

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