http://blogs.taz.de/popblog/wp-content/blogs.dir/1/files/2018/09/Pixabay_stein_CC0.jpg

vonChristian Ihle 05.01.2012

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

Mehr über diesen Blog

1. Der Film in einem Satz:


Holmes, Sherlock Holmes.
Die Steampunk-Edition.


2. Darum geht‘s:


Och! Na, um sinistre Machenschaften des Herrn Moriarty, die der clevere Sherlock und sein tapferer Watson aufklären wollen. Moriarty instrumentalisiert dabei die europäischen Anarchisten der Vorweltkriegszeit für leider erschreckend profane Ziele, wie sich später herausstellt. Alles in Allem genügt zu wissen: Moriarty böse und verschlagen, Holmes kämpft dagegen an. Der Rest ist viel Krach und Bums und Schlag.
Überraschenderweise ist der zweite Sherlock Holmes des britischen Regisseurs Guy Ritchie aber erstaunlich unterhaltsam geworden – was man weder über den ersten Teil noch die letzten James-Bond-Filme sagen konnte. Ritchie ist sich der Lächerlichkeit seiner Geschichte immer bewusst, kann aber hier dank seines selbstverliebten Inszenierungsstils – der wie schon in seinen frühesten Indieproduktionen gerne immer noch einen cleveren Dreh auf den nächsten cleveren Dreh setzt (Zeitlupe! Zeitraffer! Am besten alles zugleich!) – trotz eines tausendfach gesehenen Plots dem Zuschauer Vergnügen bereiten.

YouTube Preview Image


Dass Sherlock Holmes 2 zu lang geraten ist, von Ungereimtheiten nur so wimmelt und gerade die Gags häufiger das Ziel verfehlen, versteht sich von selbst. Aber man ist ja heutzutage im Blockbustermetier schon für simple Unterhaltung dankbar – und so dürfte Sherlock Holmes tatsächlich der beste Actionfilm des letzten Jahres gewesen sein. Guy Ritchie scheint dank des überraschend großen kommerziellen (und auch nicht nachvollziehbaren) Erfolgs des ersten Sherlock-Films scheinbar seine lang verschütt gegangene Muse wieder gefunden zu haben und hat hier – vielleicht mit Ausnahme des unterschätzten Totalflops Revolver – seinen besten Film seit Snatch gedreht. Hoffen wir es geht weiter aufwärts und man kann nach zehn Jahren des Darbens wieder Texte über Guy Ritchie, das ehemalige Wunderkind des britischen Kinos, lesen, in denen er nicht als Madonnas Exmann tituliert wird, sondern wieder durch seine eigenen Filmen sprechen kann.


3. Der beste Moment:


Generell die wunderbar rauchige und krachige Steampunk-Atmosphäre des ganzen Films, die die viktorianische Betulichkeit des Vorgängers hinter sich lässt und sich mit dem Feuereifer der Futuristen dem Prinzip Bewegung verschreibt.


4. Diese Menschen mögen diesen Film:


Wer in den neuen Bond-Filmen die Leichtigkeit vermisst und Daniel Craig gerne die steinerne Verbissenheit aus dem Gesicht sprengen möchte.


* Regie: Guy Ritchie
* imdb

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/popblog/2012/01/05/sherlock-holmes-2-spiel-im-schatten-regie-guy-ritchie/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • Ich stimme fraglos zu, dass Sherlock Holmes nichts mehr mit einem wie auch immer gearteten Sherlock-Mythos zu tun hat, sondern zu einem reinen Actionspektakel im James-Bond-Sinn „verkommt“.
    Allerdings fand ich auch schon die Sherlockisierung im ersten Teil nicht gelungen – da ist dann wohl der BBC-Sherlock vorzuziehen, der recht clever die Schrulligkeit des „alten“ Sherlock in unsere Zeit übersetzt.

  • Sehr geehrter Herr Ihle,

    ich muss Ihrer Bewertung des Filmes leider an vielen Punkten widersprechen. Nach meiner Ansicht steht der zweite Teil (wie in so vielen Fällen) hinter dem ersten Teil zurück, den ich deutlich mehr schätze als Sie.
    Positiv ist, dass der Film die Leichtigkeit und den Humor rübergerettet hat (was allein ihn – ähnlich dem Münster Tatort – sehenswert macht). Auch wirkte die Leistung der Kostümbildner, Bühnenbildner und Computeranimateure auf mich sehr überzeugend darin, die Welt am Ende des 19. Jahrhunderts auferstehen zu lassen. Ich bereue es daher nicht, mir den Film im Kino angeschaut zu haben.
    Negativ fiel mir jedoch auf, dass gerade der Sherlock Holmes-Charme etwas verloren gegangen ist. Während der erste Teil den Zuschauer noch dadurch gefesselt hat, dass Schritt für Schritt durch Holmes‘ Genie das zunächst Unerklärliche und Übernatürliche aufgeklärt wurde, ist vom Genie des Meisters nicht mehr so viel übrig geblieben. Dadurch verkommt der Film leider etwas zu sehr zu einem grandiosen Actionspektakel.
    Nichtsdestotrotz waren es zwei sehr (und auch nicht zu lange) Stunde bester Unterhaltung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.