Blind Date (4): Die Sterne über Ja Panik, Chuckamuck, Ecke Schönhauser und andere

spilker

Normalerweise ist ja Sinn und Zweck dieser Rubrik, ausländischen Künstlern deutsche Acts vorzuspielen. Für Die Sterne machen wir eine Ausnahme – da Ende Januar das Album „Für Anfänger“ erschienen ist, auf dem die Sterne eigene alte Songs noch einmal neu einspielen, wollten wir Die Sterne zu ihrer Meinung über fünf „Anfänger“-Bands fragen – wobei Anfänger hier von nochüberhauptnichtsveröffentlicht (Ecke Schönhauser, die neue Band des Herpes-Sängers) bis zu eigentlichschonetabliert (Ja, Panik) geht… Frank Spilkers Antworten:


Chuckamuck – Gestern traf ich Dan Treacy (2011)



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Neulich habe ich auf Facebook ein frühes Interview mit Pink Floyd gepostet, wo die Repräsentanten der Band, Syd Barret und Roger Waters, einem reaktionären Musikjournalisten gegenübersitzen. Während dieser auf jede verbale Falle des Journalisten eingeht, meint man bei jenem zu erkennen, wie er sich vor laufender Kamera in die innere Emigration verabschiedet. Nur noch mal zur Erklärung: Pink Floyd waren nach dem Ausscheiden von Syd Barret nicht mehr als eine überproduzierte Schülerband. Der würdige Nachfolger von Barret ist Dan Tracey. Das es ihm OK geht, glaube ich ehrlich gesagt nicht. Vor zwei Jahren beim Dockville Festival jedenfalls sah er nicht so aus. Aber hier geht ja wohl auch eher darum, wie die Personen und Figuren, mit denen man sich beschäftigt einen begleiten. Der Song nimmt uns mit auf einen Spaziergang und erinnert in seiner Lässigkeit an Can. Eine großartige Band und ein toller Song. Obwohl die genannten Helden (TV Personalities, Syd Barret, Oscar Wilde) eher das Eigentum einer anderen Generation, meiner nämlich, sind, schätze ich diese Tagediebe, Eckensteher und Streuner von Chuckamauck.



Stars For The Banned – Desert Driver (2011)



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Da weiß ich gar nicht, was ich dazu sagen soll. Vielleicht tut man ihnen mit „pathetischer Müll“ unrecht. Wahrscheinlich sind sie sehr sensibel. Wenn ich meine eigenen Gefühle dieser Produktion kurz beschreiben darf, es bedarf nur eines Wortes: „Brechreiz“. Ich kann es kein zweites Mal hören.



Ecke Schönhauser – Genauso wenig hier sein (demo 2011)



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Der Song strahlt so in etwas das aus, was ich früher an Ja,Panik geschätzt habe: Diese Gratwanderung zwischen jugendlicher Dringlichkeit und Resignation, ist aber leider nicht ganz so gut. Man erfährt nicht so richtig, was vor 13 Jahren los war und was in der Zwischenzeit passiert sein mag, obwohl das dem Song sehr gut tun würde. Der Sound an sich ist geil.


H.K.Z. – Norm (demo 2011)



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Na das klingt so glaubwürdig wie Blumen am Arsch der Hölle, oder die Boxhamsters, ohne dass man verstünde, worum es geht. Wenn Punk seine Glaubwürdigkeit aber aus einer Pose bezieht, wird es albern. Genau an dem Punkt setzt ja die Band Mutter an und demontiert wiederholt das Eingefleischte und Alteingesessene in der Rebellion. Hier höre ich davon nichts. Das scheint mir nicht mehr als ein Punk Cliché zu sein. Ein Sound der nichts bedeutet. Das Rauschen im Walde.



Ja, Panik – Nevermind (2011)



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Drei oder vier Beschreibungen von Menschen, alles Jungs, denen der Kapitalismus das Leben versaut. Keine Einzelschicksale, sondern Beispiele, das macht der Refrain klar. Aber so richtig unten angekommen werden die Beobachteten erst sein, wenn sie, wie der Erzähler, diesen Zusammenhang auch verstanden haben werden.
Die letzten Zeilen gehen so:

„Es hat ja alles keinen Sinn.
Der Hass hat sich so tief in mich gefressen,
dass ich wohl ganz verloren bin.“

Das ganze ohne einen Funken Humor, oder Selbstironie. Als ob Hamburger Schule never happend. Mein Verhältnis zu dieser eigentlich grossartigen Band ist jedenfalls seit DMDKIULIDT nachhaltig gestört. Klar so ist das mit dem Scheißkapitalismus: Mangels eines Gegenübers richtet man die Aggressionen gegen sich selbst und durch den ganzen Schnaps kommen dann auch noch Depressionen dazu. Ja Panik stehen auf dem höchsten Punkt von Atlantis und rufen: Das Wasser (der Kapitalismus), es steigt (vernichtet unsere Seelen), während alle anderen schon längst schwimmen und versuchen den Kopf hoch zu halten. Aber warum stehen sie da noch immer? Bei den meisten ihrer Claqueure jedenfalls darf man ein wohl betuchtes Elternhaus im Hintergrund vermuten. Ach ja und jetzt wo ich schon mal so weit bin: Der Dylan-Sound nervt. Es gibt keine größere Anbiederung an das Kultur-Feuilleton. Und wenn man sich nicht traut mit englischen Texten in die internationale Auseinandersetzung zu gehen, sollte man es vielleicht ganz lassen, anstatt überall Sätze einzustreuen. Ärgerlich.




Das Mini-Album „Für Anfänger“ ist am 20. Januar erschienen:

Kommentare (3)

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  1. So ganz verstehe ich die Reviews hier nicht, es bringt mich überhaupt nicht weiter, Egal, recht hat er ja irgendwie trotzdem.

    Die Ja Panik Mucke kann man sich eh nur antun wenn man auf arme arme Opfer Boys mit Stock im allerwertesten steht.

  2. Ich finde die Kolumne ein bisschen fad‘ und schade eigentlich, dass ist auf dem Niveau von Intro-Plattenkritik und selbt dort bekomme ich ein breiter gefächertes Bild. Irgendwie schade und dann och die aktuelle Plattenveröffentlichung als Aufhänger – Medienmarketing „für Anfänger“ – Irgendwo anders geht’s weiter… beim Dylan-Sound vielleicht 😉

  3. Ich mag Spilkers Meinungstärke!
    Und: Danke. Ecke Schönhauser kannte ich noch gar nicht.