vonChristian Ihle 12.02.2012

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Iron Sky (Regie: Timo Vuorensola)

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=cf_i-MrfzaE[/youtube]



1. Der Film in einem Satz:

Stillgestanden, die Mond-Nazis kommen!



2. Darum geht‘s:

1945 gründeten die verbliebenen Nazis eine Kolonie „on the dark side of the moon“. Nachdem sie eine Mond-Expedition von US-Präsidentin Sarah Palin als Angriff verstanden haben, entsenden sie einen Expeditionstrupp auf die Erde. Die PR-Beraterin von Palin weiß natürlich, dass nichts so sehr eine Wiederwahl sichert, wie ein zünftiger Krieg – am besten noch gegen Nazis, waren die doch „die Einzigen, die wir Amerikaner jemals in einem fairen Kampf besiegt haben“.

Die Skandinavier haben ein Faible für kuriose Nazigeschichten, man denke nur an den Nazizombiehorrorfilm „Dead Snow“. Das Beste an „Iron Sky“ ist tatsächlich auch die Absurdität der Grundgeschichte. Ansonsten ist er eigentlich schon zu gut gemacht, um noch den Trash-Connaisseur in uns anzusprechen. Die Lacher sind dann doch eher dünn gesät und die Zeichnung der Palin-USA als fast ebenbürtige Schurken, nun ja, bei aller Liebe etwas schwierig. Eine Entdeckung ist aber Hauptdarstellerin Julia Dietze. Alles in Allem nette Unterhaltung, die zu gut ist, um sich aus Schlechtigkeitsgründen abfeiern zu lassen – und zu wenige Pointen hat, um gut zu sein. Wer absurde Nazifilme mag, ist mit „Dead Snow“ besser bedient.



3. Der beste Moment:

Das Motto der Mondexpedition, die aus strategischen Gründen mit einem Schwarzen besetzt war: „Black To The Moon“.



4. Diese Menschen mögen diesen Film:

Wer absurde Stories mag und die USA für Fastnazis hält.



* Regie: Timo Vuorensola
* imdb


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Formentera (Regie: Ann-Kristin Reyels)

1. Der Film in einem Satz:

„Es gleicht sich alles aus. Wenn nicht rechnerisch, dann kosmisch.“



2. Darum geht‘s:

Ein Pärchen um die 30 besucht im Urlaub die kleine Hippie-Kommune seiner Eltern auf Formentera. Während sie sich nur schwer überwinden kann, überhaupt auf die Insel zu fahren und ihr gemeinsames Kind für die Urlaubszeit bei ihrer Mutter in Berlin zu lassen, will er aus dem Alltagstrott der heimischen vier Wände ausbrechen und sehnt sich nach einem neuen Leben auf der spanischen Insel. Als die beiden gemeinsam mit einer bei den Eltern kennengelernten Freundin schwimmen gehen und das andere Mädchen verschwindet, spitzt sich die Szenerie zu und all die verborgen gehaltenen Animositäten brechen auf.

„Formentera“ liegt also tief in „Alle Anderen“-Land und leidet auch unter diesem offensichtlichen Referenzpunkt. Während die tolle Sabine Timoteo tatsächlich ähnlich gut wie Minichmayr in „Alle Anderen“ spielt, ist leider das Drehbuch zu beliebig, als dass es der „orientierungslose Dreißigjährige“ – Problematik viel neues hinzufügen kann. Regisseurin Reyels gelingt es wie schon in ihrem Erstling „Jagdhunde“ die Landschaft für beeindruckende Bilder und Visualisierungen der inneren Eingesperrtheit und/oder Leere zu finden, aber am Ende hat „Formentera“ schlicht und einfach zu wenig zu erzählen – da hilft auch der dramaturgische Kniff der verschwundenen Nebenbuhlerin nichts. Dass sich die Paarprobleme gegen Ende auch noch in Wohlgefallen auflösen und die mehr oder minder glückliche Heimkehr nach Deutschland ansteht, sorgt nun auch nicht gerade für allzuviele Aha-Erlebnisse.



3. Der beste Moment:

Sabine Timoteo Einsamkeit, als sie alleine halbnackt durch Ibiza laufen muss und man ihre ganze Verlorenheit in dieser Umgebung ins Gesicht geknallt bekommt.



4. Diese Menschen mögen diesen Film:

Wer noch viel mehr über die dramatische Orientierungslosigkeit von Pärchen um die 30 im Kino sehen möchte – aber gern etwas weniger zugespitzt als in „Alle Anderen“.



* Regie: Ann-Kristin Reyels
* imdb

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