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vonChristian Ihle 15.02.2012

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Die eiserne Lady (Regie: Phyllida Lloyd)

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1. Der Film in einem Satz:

Aufstieg und Alter der Margaret Thatcher.



2. Darum geht‘s:

Die in der Zwischenzeit schwer vom Alter geplagte ehemalige britische Prime Ministerin Margaret Thatcher rekapituliert ihr Leben und führt demente Diskussionen mit ihrem verstorbenen Ehemann.

Eingebettet in die Rahmenhandlung einer kaum noch allein lebensfähigen und zunehmend verwirrten Margaret Thatcher (eine zwar überzeugende, sich aber doch vor allem in der Imitation beweisende Meryl Streep) wirft „The Iron Lady“ einen Blick zurück auf wichtige Stationen ihrer Karriere. Dabei wird Thatchers Weg nach oben immer auch als einer der Emanzipation gezeigt. Die Geschichte einer Frau, die sich gegen missgünstige Männerzirkel durchsetzen muss, dann aber mit all ihrer Härte zur ewigen Prime Ministerin wurde. Die fragwürdigen Entscheidungen Thatchers in der Innenpolitik werden dabei eher ausgespart und nur angedeutet, lediglich der Falkland-Krieg wird einer tiefergehenden skeptischen Würdigung unterzogen – doch auch hier siegt am Ende das Pathos.
Den Kniff, die demente Margaret mit ihrem verstorbenen Ehemann diskutieren zu lassen, ist auf Dauer auch eher ermüdend – auch wenn durch Jim Broadbents Rolle, als prototypischer Old Chap mit Gentleman-Humor, verzweifelt versucht wird, etwas Leichtigkeit in die sonst eher bleischweren Vorgänge von „Iron Lady“ zu injizieren. So ist „Die eiserne Lady“ kein sonderlich bemerkenswertes Biopic, das oft im Durchschnitt verharrt. Außergewöhnlich eher, dass Thatcher tatsächlich solch einen Film geschenkt bekommt. Es wäre doch ziemlich undenkbar, würde man einen ähnlich gestrickten Film über Helmut Kohl mit Starbesetzung (Philipp Seymour Hoffman!) zu sehen bekommen…


3. Der beste Moment:
Die Probleme Thatchers im Falkland-Krieg, die erstmals eine gewisse Fehlbarkeit im Charakter durchscheinen lassen.


4. Diese Menschen mögen diesen Film:
Wer solide, (in jeder Hinsicht) konservative Biopics mag und weder auf visueller noch inhaltlicher Ebene auérgewöhnliches erwartet.


* Regie: Phyllida Lloyd
* imdb




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Shadow Dancer (Regie: James Marsh)




1. Der Film in einem Satz:

Ein Schattentanz um Fragen der Loyalität.



2. Darum geht‘s:

In den 70ern verliert die junge Colette ihren Bruder bei Kämpfen zwischen britischer Armee und IRA. Der Anti-England-Virus setzt sich daraufhin in ihrer ganzen Familie fest und so wird sie wie ihre verbliebenen Brüder als Erwachsene zum IRA-Terroristen. Als ein Bombenanschlag Anfang der 90er in London misslingt, versucht der britische Agent Mac (Clive Owen) sie zur „Doppelagentin“, also Informantin, zu machen.

Shadow Dancer ist mehr Drama als Thriller und sparsam an actionreichen Spannungsmomenten. Er bezieht seine Faszination aus dem Zusammenspiel der Figuren und der über allem stehenden Frage nach Loyalität. Loyalität zur Familie, zum eigenen Land, zur politischen Sache, zum Partner. Auch wenn das zentrale plottreibende Element (die Suche nach einem anderen Informanten) weniger Spannung verursacht als es das Drehbuch wohl eigentlich beabsichtigt hat, bleibt Shadow Dancer doch über die ganze Spielzeit recht fesselnd – und das Ende ist sogar wirklich überraschend, was man nun bei Thrillern nicht oft behaupten kann. Kompetent und gut, ohne spektakulär zu sein.



3. Der beste Moment:

Die Sequenz mit dem misslungenen Bombenanschlag in London, der auch die innere Zerrissenheit von Colette aufzeigt.


4. Diese Menschen mögen diesen Film:

Wer ruhige Terrorthriller oder leidlich spannende Dramen mag.


* Regie: James Marsh
* imdb

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