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vonChristian Ihle 17.02.2012

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Young Adult (Regie: Jason Reitman)


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1. Der Film in einem Satz:

Was Charlizechen nicht lernt, lernt Charlize nimmermehr.


2. Darum geht‘s:

Die 37jährige Mavis ist hübsch, lebt in der Großstadt, schreibt Kinderbücher und liebt Party, Sex und Alkohol. Mit Abscheu schaut sie auf ihr ehemaliges Kleinstadtleben zurück – bis sie eine e-Mail ihres Exfreundes bekommt, der ein Bild seines Neugeborenen verschickt. Noch bevor der letzte Onenightstand aus der Wohnung geworfen wurde, packt Mavis ihren Koffer und fährt ins verschlafene Heimatnest mit dem festen Ziel, die alte Flamme zurückzubekommen…

Young Adult ist die erste Zusammenarbeit von Jason Reitman (Regie) und Diablo Cody (Buch) seit Juno – und nach diesem Goldstück der US-Indie-Komödie mit großer Spannung erwartet worden. Young Adult enttäuscht nicht – ohne je die Höhen von Juno zu erklimmen.
Die ersten zwei Drittel des Films sind sehr amüsant, scharfzüngig und sehr gut beobachtet. Cody seziert erneut messerscharf die Lebenswelten in den Suburbs und beweist dabei vor allem wieder einen guten Blick auf das Leben jener, die in den 90ern „alternativ“ waren und nun ein gesetztes Leben führen.

Young Adult geht dabei mutig vor, gibt es doch keine positive Identifikationsfigur im Film – vor allem Hauptperson Mavis ist eigentlich ja unerträglich, aber eben auch in ihrer ungeschminkten Promqueen-Art doch in gewisser Weise liebenswert. Charlize Theron spielt ihre Rolle sehr gut, in dem sie recht nah an der Wirklichkeit bleibt und sowohl Leere, aber durchaus auch den Spaß am Leben ihrer Figur gut transportiert.

Als reines Entertainment funktioniert Young Adult vielleicht nicht durchgehend, weil das letzte Drittel des Films eben keine Lösung für all die vorher formulierten Probleme bringt, sondern sich das Drehbuch in Missachtung aller Hollywood-Konventionen entscheidet, wie das Leben zu sein: das geht nämlich auch einfach weiter. Die kathartischen Momente, die in Filmen die Figuren immer zu anderen, meist besseren Menschen machen – die gibt es im echten Leben ja doch nicht und diesen Weg schreitet auch Young Adult entlang. Einmal depressive „slut“ (Eigenbezeichnung im Film), immer depressive „slut“.
Es ist – ohne jetzt SPOILERN zu wollen – schön zu sehen, dass sich Cody und Reitman nicht zu einer simplen Familienwerteabfeierei hinreissen lassen oder gar das Leben auf dem Land als erfüllender werten als das Großstadtleben. Jeder wählt seinen Weg und schreitet auf dem nun voran, unumkehrbar.



3. Der beste Moment:

Die Dialogszenen in den ersten zwei Dritteln sind allesamt klasse geschrieben – und die heimliche Hauptrolle von „The Concept“ von Teenage Fanclub eine einzige Freude!



4. Diese Menschen mögen diesen Film:

Wer das „orientierungslose 30jährige“ – Genre einmal aus erfrischend natürlicher und unverkopfter Sicht präsentiert haben möchte – und kein Problem mit einem Film hat, der zwei völlig unterschiedliche Tonlagen anschlägt und keinerlei Lösungen präsentiert.



* Regie: Jason Reitman
* imdb
* Homepage




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Was bleibt (Regie: Hans-Christian Schmid)

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1. Der Film in einem Satz:

Symptome: orientierungslose 30jährige
Diagnose: Dysfunktionale Familie
Rezept: KEIN Heimatwochenende bei den Lieben



2. Darum geht‘s:

Marko und Jakob stammen aus einer gutbürgerlichen Kleinstadt-Familie. Während Jakob in der Heimatstadt Zahnarzt geworden ist, hat es Marko nach Berlin gezogen, um Schriftsteller zu werden. Beide werden zu einem Heimatwochenende zur Familie eingeladen, bei dem der Vater davon erzählen will, dass er seinen Verlag teuer verkauft hat und sich zur Ruhe setzt. Doch das bleibt nicht die einzige Ankündigung, schiebt Mutter Gitte doch hinterher, dass sie erstmals seit 30 Jahren keine Medikamente mehr gegen ihre Depressionen einnimmt.

Diese Enthüllung schockt die Familie und legt Schicht für Schicht all die verdrängten Ängste, Gefühle und Begierden frei – ganz wie Gitte aus ihrem Betäubungsnebel erwacht, müssen sich auch die anderen Familienmitglieder ihren jeweiligen Realitäten stellen.
Während man zunächst nach Vorstellung der beiden Brüder mit gegensätzlichen Lebenswegen, die nur die eigene Unzufriedenheit eint, einen weiteren Film über die orientierungslosen Dreißigjährigen erwartet, legt Schmid die Geschichte größer an, in dem er nach den Ursachen für Veranlagungen fragt und die Eltern immer stärker in den Fokus rückt. Corinna Harfouch spielt dabei wunderbar als sich ins Leben zurücktastende Mutter, die nicht mehr mit Samthandschuhen angefasst werden möchte.
Schmid gelingt es in erstaunlich kurzer Spielzeit (85 Minuten!) das Bild einer ganzen Familie zu entwerfen und für jede Figur ausreichend Begründungen für ihr jeweiliges Handeln zu liefern. Eine klare, präzise Regie und ein Drehbuch, das sich selten in Nebensächlichkeiten verliert, sorgen dafür, dass das alte Dysfunktionale-Familie-Genre hier frisch und fesselnd aufbereitet wird.



3. Der beste Moment:

Als für einen kurzen Moment die Familie fröhlich zusammen kommt und spontan ein Lied am Klavier singt – aber selbst in diesen Momenten immer all die Sorgen und Ängste im gesungenen Text durchscheinen.

Der Soundtrack ist übrigens wie bei Schmids letztem Film wieder von The Notwist, allerdings ein Soundtrack-Score, also keine Notwist-Songs.



4. Diese Menschen mögen diesen Film:

Wer grundsätzlich auch gutbürgerlichen Familien das Recht zum Unglücklichsein zugesteht und in kurzer Zeit das Bild einer ganzen Handvoll von Menschen mit all ihren Beziehungen zueinander entworfen sehen mag.



* Regie: Hans-Christian Schmid
* imdb

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