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vonChristian Ihle 13.03.2012

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Die Heiterkeit


Die Heiterkeit aus Hamburg sind die vielleicht beste neue Band des Landes: drei Damen, die wunderbar lakonische Songs singen, die manchmal an The Smiths mit Nico am Mikrofon und Mo Tucker an den Drums erinnern. In unseren Jahres-Top-10 konnten Die Heiterkeit mit „Die Liebe eines Volkes hat mich zur Königin gemacht“ zurecht einen Platz ergattern, aber auch alle anderen drei Songs ihrer Debüt-Single sind formidabel. Das Debütalbum wird auf dem Label unserer österreichischen Freunde der Gruppe Ja, Panik erscheinen – und wer sich an Hans Unsterns „Kratz dich raus“, die erste Veröffentlichung auf dem Ja, Panik – Label „Nein, Gelassenheit“ erinnert, weiß, dass man auf die Trüffelschweintalente der wahlberliner Burschen vertrauen darf.


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Sleeping Policemen


Im Proberaum neben Die Heiterkeit haben Sleeping Policemen ihr Debütalbum eingespielt, das für Twee-Alarm aus Hamburg sorgt. Wer gerne gut sitzende Anoraks trägt und sich wohlig an die früh-mittleren Belle & Sebastian zurückerinnert, bevor Stuart Murdoch neben dem einen oder anderen Geistesblitz zu stark im Popwahnsinn versunken ist, dürfte mit der Hamburger Gruppe ihren Spaß haben. (kostenlosen Download gibt es hier)







Ecke Schönhauser


Aus den Ruinen von Herpes entstand die nach einem DEFA-Film benannten Ecke Schönhauser. Florian Pühs, Sänger der verblichenen very berlin – Combo Herpes hat nun eine neue Gruppe gegründet, die dank des immer leicht überdreht-hysterischen Gesangs von Pühs zwar die Verwandtschaft zu Herpes erkennen lässt, aber sich musikalisch erheblich griffiger, ernsthafter präsentiert. Die Goldenen-Zitronen-Anklänge kann man bei diesen vocals natürlich nicht wegdiskutieren, aber das Soundbett erinnert nun an Queens Of The Stone Age, die sich durch Blumfelds „Ghettowelt“ spielen.


Soundcloud-Link



H.K.Z.


hkz

Auf der Habenseite stehen schon mal dieses Platten-Cover, ein EP-Name wie „Der Alte Affe Punk“, die Frank-Spilker-Schmähung wie „Blumen am Arsch der Hölle“ zu klingen und natürlich das dunkle Gerumpel, das an Suicides Musik mit Muff Potter – Texten erinnert.


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Kadavar


Jepp. Viel langhaariger und Frühseventies geht’s nicht mehr, völlig richtig. Und auch die Bandmitglieder lautmalen schön mit ihren Pseudonymen Wolf Lindemann, Mammut und Tiger. Nur folgerichtig also dass Kadavar einen unchristlichen Heidenspaß machen und man beinah nicht glauben kann, dass das Album tatsächlich 2012 erschienen ist. Wie ein auf Stoner Rock spezialisierter US-Blog bereits schön geschrieben hat: You can’t reinvent the wheel, but you can roll it! Nuff said.

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Charity Children Berlin


Die Bandbesetzung Mann + Frau + Folk + Twee lässt ja nun sofort an Slow Club denken und damit liegt man bei den etwas unglücklich betitelten Charity Children Berlin auch gar nicht falsch. Auch die vom Popblog hochverehrten Wave Pictures mit ihrem DIY-Indie-Pop sind, zumindest wenn Sänger Elliott am Mikrofon sitzt, ein naheliegender Vergleich. Chloë Lewer und Elliott McKee , die beiden Charity Children, sind vor einem Jahr von Neuseeland nach Berlin gezogen und haben sich mangels einer vernünftigen Anstellung dazu entschlossen, sich an Straßenecken mit Gitarren ihr Brot zu verdienen. Auch wirtschaftlich schlechte Zeiten bringen also Gutes hervor!


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Camera


camera

Ebenfalls an Straßenecken, in Ubahnhöfen und sonstigen dunklen Ecken in Berlin spielen sich die Guerilla-Krautrocker von Camera ihre Seele aus dem Leib. In der Zwischenzeit gelten die drei als das bestgehütetste Geheimnis der Stadt und für eine Band, die so strikt versucht, außerhalb der Gegebenheiten des Musikbusiness zu funktionieren, haben sie es zu enormer Bekanntheit in der Hauptstadt gebracht. Aber auch zurecht, sind Camera doch eine phänomenale Liveband und entwickeln sich ihre spontanen Auftritte an unvermuteten Stellen doch immer wieder zu regelrechten Happenings, bei denen die zufällige Zuhörerschaft Minute um Minute anwächst – und auf den instrumentalen Krautrock à la Neu! zu tanzen beginnt. Ungefähr so stellt man sich in London wahrscheinlich die Berliner Musikszene vor:


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Die anderen Folgen der Jahresvorausschau:
Folge 1: UK Indie Rock
Folge 2: Pop
Folge 3: US Indie-Rock
Folge 4: US Folk und Singer/Songwriter
Folge 5: US und UK Rock
Folge 6: Hip-Hop und R&B

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kommentare

  • Tschuldigung. Ich hatte in der Kurzfassung nur irgendwie die genau gegenteilige Aussage herausgeesen.

  • Kadavar: sorry! Asche auf mein Haupt, unverzeihlich, aber ich habe seltsamerweise tatsächlich euren Bandnamen die ganze Zeit falsch gelesen (und demnach auch falsch geschrieben). Anm: habe es im obigen Text geändert.

    Ralf: für den Kontext hab ich die ausführlichere Spilker-Bemerkung ja verlinkt.

  • Weshalb war es eine Schmähung von Frank Spilker, dass H.K.Z. wie “Blumen am Arsch der Hölle” klingen würden? Spilker hat gesagt, sie klängen zwar so glaubwürdig wie Blumen am Arsch der Hölle oder die Boxhamsters, allerdings verstünde man bei H.K.Z. – im Gegensatz zu den beiden genannten Bands – eben nicht, worum es ihnen geht und demzufolge würden sie ihre Glaubwürdigkeit nur aus einer Pose beziehen; H.K.Z. wären lediglich ein Punk Cliché. Und da hat er nicht ganz unrecht. „Blumen am Arsch der Hölle“ aber, die waren groß.

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