Songs des Monats März mit Gary, Breton, Rocketjuice & The Moon, Wave Pictures und Jacques Palminger

Song des Monats:


1. Gary – You, Lou and Stephen ca. 1995






Robert Stadlober ist ja vom Darling der deutschen Indie- und Filmszene zu einem bei mancherorts eher umstrittenen Schauspieler geworden, der „mit seiner Band in den Mitt90ern stehen geblieben“ ist. Und ganz ehrlich: natürlich klingt Stadlobers Band Gary auch auf ihrem neuesten Album immer noch wie eine Mischung aus Teenage Fanclub, den Lemonheads und einem Klecks Pavement – aber, Hölle, wen interessiert das denn, wenn dabei eine dermaßen meisterhafte und aufrichtige Verneigung vor den eigenen Helden wie beispielsweise in „You, Lou and Stephen ca 1995“ entsteht, das den Pavementkopf Stephen Malkmus und Mister Sebadoh, Lou Barlow, besingt.
Zudem: Jedes Lied, das den Aufschrei „Malkmus, he is god!“ enthält, ist Song-des-Monats würdig!

Bandcamp-Link: „You, Lou And Stephen Ca. 1995“ by Gary




2. Breton – Edward The Confessor





Dem Beispiel von WU LYF folgend sind auch Breton „mehr“ als eine Band und waren von Beginn auf die Abteilungen „Visualisierung“ und „Attitude“ mindestens ebenso stark fokussiert wie auf das Songwriting. Im Gegensatz zu früheren Tagen, als das britische Künstlerkollektiv ein wenig arg in der selbstgefälligen Frickelei verharrte, sind Breton 2012 bei ihrem sehr überzeugenden Debütalbum aber nun auch bereit, „richtige Songs“ einzuspielen wie das fantastische „Edward The Confessor“ zeigt. Eine Wucht, die gut den Soundtrack zu den London-Riots des letzten Jahres abgegeben hätte.


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3. Rocket Juice & The Moon feat. Erykah Badu – Hey, Shooter





Mit eingeschränkter Begeisterung wurde in anglophilen Zirkeln vernommen, dass das neueste Projekt des Britpoperfinders Damon Albarn eine Kollaboration mit dem amerikanischen Funkster Flea von den Red Hot Chili Peppers ist, der auf eben jenem gemeinsamen „Rocketjuice & The Moon“ – Album auch tatsächlich seinen slap bass spielt als gäbe es kein Morgen mehr. Dafür sitzt Fela-Kuti-Drummer Tony Allen (wie schon bei dem anderen Albarn-Projekt „The Good, The Bad & The Queen“) am Schlagzeug und kann bei den beinah völlig auf Rhythmus basierenden Afrika-Funk-Songs seine Stärken auch besser einbringen als auf dem melancholischen Englandprojekt von Allen, Albarn und Paul Simonon. Damon Albarn selbst hält sich auf Rocketjuice noch mehr zurück als auf dem letzten Gorillaz-Album und überlässt bis auf zwei Ausnahmen Gaststars aus aller Welt das Mikrofon. So darf bei „Hey Shooter“ Erykah Badu unübertrefflich lässig über Allens Percussion, Fleas Bass und Albarns Harmonica singen.
Auch wenn wir beim ersten Hören noch Albarns Popinstinkt vermissen, so wird mit der Zeit klar, dass sich Albarn zu einem Bandleader alter Schule entwickelt hat, der nicht das Gesicht eines Projekts sein muss, wohl aber der Kopf des Ganzen und seine Aufgabe in erster Linie im Zusammenführen verschiedener Talente sieht und dabei ohne jegliche Berührungsängste vorgeht. Damit geht die Reise der Unfehlbarkeit für Albarn also in die nächste Runde!


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4. The Wave Pictures – Stay This Way A Little While





Es ist schon seltsam: da klagt sich die britische Presse die Finger wund, dass keine guten heimischen Gitarrengruppen mehr existieren würden und dabei haben sie mit den Wave Pictures eine der verlässlichsten und besten Bands überhaupt vor der Haustür. Mit stoischer Beharrlichkeit veröffentlichen die Wave Pictures jedes Jahr ein neues Album, das – zugegeben – zwar nicht gerade die Musik neu erfindet, aber im Spannungsfeld Folk, Twee und Indierock Jahr für Jahr zum Besten gehört, was den Weg in die Plattenregale findet. „Stay This Way A Little While“ ist sogar nur eine b-Seite zur ersten Auskopplung des neuen Albums „Eskimo Kiss“, aber seinem „Muttersong“ überlegen. Gewohnt wunderbar.




5. Jacques Palminger & das 440 Hz Trio: Trio von ausnehmender Hässlichkeit





„Der Kerl ist Deutschland nach dem Krieg,
seine Fresse Kassler in Aspik.
Mit bunten Bildern auf allen Armen:
schlimme Anker, nackte Damen.
Kleine Augen, schiefer Mund,
dicke Poren – ungesund
wirkt auf mich seine ganze Gestalt,
er ist an die 40 Jahre alt.
Ein Schnapsfass voller Aggression.
Seine Stahlschwammfresse
zieht sich schon
schwer angetrunken in die Breite.“


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Songs des Monats Februar:
1. Bleeding Knees Club – Teenage Girl
2. Perfume Genius – Dark Parts
3. Beth Jeans Houghton & The Hooves Of Destiny – Dodecahedron
4. Team Me – With My Hands Covering Both of My Eyes I Am Too Scared to Have A Look at You Now
5. Cloud Nothings – Wasted Days
6. Sopa&Skin – Wonder

Songs des Monats Januar:
1. Kavinsky – Nightcall
2. Hospitality – Betty Wang
3. Howler – Wailing (Making Out)
4. Tribes – Corner Of An English Field
5. Diametrics – Twat Circus

1 Kommentar

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  1. Das Gary-Ding ist musikalisch komplett okay, bloß diese Anbiederung von Stadlober, der ’95 ja gerademal 12 war, die ist klebrig und ekelig. Ich dachte immer, Nostalgie wäre was für die, die ihre besten Tage schon hatten.