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vonChristian Ihle 16.04.2012

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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1. Der Film in einem Satz:

Il Máximo Zombie



2. Darum geht‘s:

Kuba, Jetztzeit. Der Kleinkriminelle Juan und seine Freunde leben in Havanna und müssen eines Tages mit dem Ausbruch einer Zombie-Epidemie zurecht kommen. Bewaffnet mit Ruder und Baseballschläger sieht die kleine Gruppe an Misfits und Outcasts hier gleich eine Verdienstchance und bietet ihre Dienste feil – für einen kleinen Obulus beseitigt man die „unwanted Loved Ones“ und für etwas Aufpreis wird danach auch noch die Wohnung gesäubert.


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Wir bewegen uns hier also im nicht tot zu kriegenden Genre der Zombie-Komödie, die in Folge des „Shaun Of The Dead“ – Überraschungserfolgs vor einigen Jahren wieder enorm im Auftrieb ist. „Juan Of The Dead“ leidet so auch an all den Problemen, die dem Genre generell anhaften: der Spaß am Zombiezerschlagen sinkt mit jedem weiteren Zombie, der in der Spielfilmzeit vor die Kamera läuft. Anders formuliert: So einfallsreich hinsichtlich von Tödungsmethoden kann man gar nicht sein, als dass dies allein eineinhalb Stunden unterhalten könnte.
Deshalb ist auch positiv zu vermerken, dass „Juan“ sich bemüht, ungewöhnliche Aspekte zu integrieren. Zuvorderst nutzt „Juan“ seinen Status als erster kubanischer Zombiefilm natürlich weidlich aus und kreiert sehr schöne Bilder eines verfallenden Havannas. Weiterhin geht der Film erstaunlich offen mit seinen homosexuellen Untertönen um – noch überraschender vielleicht im Rahmen einer ansonsten von Machismo geprägten Kultur. Drittens bemüht er sich zumindest neben dem Zombiezerschlagen auch den Charakteren eine Tiefe zuzubilligen, die ihnen die Möglichkeit bietet, sich über reine Comic-Abziehbilder hinaus zu entwickeln. Und viertens ist „Juan Of The Dead“ – ganz in der Tradition der alten Romero-Zombie-Klassiker „Night Of The Living Dead“ und „Dawn Of The Dead“ – überraschend politisch (manchmal vielleicht sogar zu offensichtlich politisch), wenn die Hauptfigur den Zustand des Zombie-Kubas lakonisch so beurteilt, dass sich im Grunde auch nichts geändert hätte oder die kubanische Regierungspropaganda durch den Kakao gezogen wird, wenn sie alles Schlechte (also hier zum Beispiel eine Zombie-Epidemie) der Einfachkeit halber amerikanisch-kapitalistischer Infiltration in die Schuhe schiebt.

Fazit: wer sich prinzipiell immer noch am Zombiekomödiengenre erfreut, findet in „Juan Of The Dead“ sicherlich einen der besseren Vertreter der letzten Jahre.



3. Der beste Moment:

Die Schlußszene, als Juan zum großen Endkampf schreitet und Sid Vicious‘ dreckige „My Way“ – Hymne als Soundtrack erklingt.



4. Diese Menschen mögen diesen Film:

Wer „Shaun Of The Dead“ mit (etwas) mehr Tiefe und politischem Subtext sehen möchte.



* Regie: Alejandro Brugués
* imdb

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