Der unverschämteste Beitrag zum Urheberrecht

Die Debatte um das Urheberrecht hat mit ihren Polemiken auf beiden Seiten schon viele unangenehme Beiträge in den Medien und im Internet hervorgebracht. Selten war aber ein Aufsatz so fehlgeleitet wie „Telefonat mit einem griechischen Freund“ von Michael Krüger in der gestrigen Frankfurter Allgemeinen Zeitung.





Der Dichter, Schriftsteller und Leiter des Hanser-Verlag schreibt dort von einem Gespräch mit einem befreundeten griechischen Autor. Nachdem er ihn zwei kleine Absätze lang von den Armutsverhältnisse im Griechenland des Spardiktats erzählen lässt, schließt sein griechischer Freund ironisch damit, dass die Menschheit wohl auf seinen noch nicht fertiggestellten Roman verzichten müsse, weil er derzeit mit zwei Aushilfs-Jobs beschäftigt sei, um seine Familie nicht verhungern lassen zu müssen.


Wie jeder vernünftige Mensch nutzt Krüger die darauf folgende kurze Pause seines Freundes um ihm von der eigenen misslichen Lage zu erzählen: auch ihm ginge es schlecht, das Urheberrecht werde in Deutschland mit Füßen getreten, Verlage zu Schurken gemacht, ja, in Buchhandlungen werden hierzulande schon Vasen verkauft, damit diese Stätten des kulturellen Austausches und der Vermarktung von Büchern überhaupt noch existieren können! Vasen!


„Das Telefonat wurde langsam ungemütlich, auch weil ich mich zunehmend schämte, einem armen griechischen Schlucker die neuen Spielregeln des Netzes erklären zu müssen“ schreibt Krüger gegen Ende und man glaubt ihm sofort, dass dieses Telefongespräch ungemütlich wurde, aber dass Krüger sich auch noch erdreistet, von eigener „Scham“ zu sprechen, weil er dem armutsgeplagten Griechen seine Wohlstandsprobleme aufdrängen „muss“ (!) und ihn nun auch noch als billige Emotionalisierung seiner Vasen-in-Buchhandlungen-Klage in einem Zeitungsessay verbrät, lässt einen beinah sprachlos zurück.

Man kann nur hoffen, dass Michael Krüger das Telefonat mit seinem griechischen Freund erfunden hat und in seiner Klage über den angeblichen Niedergang des Urheberrechts lediglich zu einer gedanklichen Konstruktion von monströser Unmenschlichkeit und Larmoyanz gegriffen hat. Zu befürchten ist allerdings, dass der griechische „Freund“ tatsächlich existiert und ihm Krüger wirklich diese Unverschämtheit in die Ägäis telefonierte. Wer solche Freunde hat, braucht keine Merkel mehr.


Liebe FAZ, wie wäre es mit einer wöchentlichen Reihe? Lasst doch den Schriftsteller und Verleger Michael Krüger regelmäßig mit „Freunden“ Gespräche führen.


Mein Vorschlag für die nächste Folge:
Michael Krüger telefoniert mit Freund aus Syrien und klagt ihm sein Leid über die verspätete Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg.


(Text: Christian Ihle, Foto: SmalltownBoy, Quelle: Wikipedia)

1 Kommentar

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  1. Wie war das mit den Schmähkritiken? Müsstest du deinen Beitrag jetzt nicht auch Metamäßig aufnehmen? Nurn Scherz, aber die Telefonatsreihe hätte definitiv was