Plattenhören mit Laura Marling




Kürzlich hat mich der MusikExpress gebeten, der guten Laura Marling einige Platten vorzuspielen und mit ihr über Songs und Künstler zu reden. Das soll natürlich auch hiesigen Stammlesern nicht vorenthalten werden, war Laura Marling doch schon bereits als 18jährige Gewinnerin unseres „Album Des Jahres„. Miss Marling über ihre Liebe zu Libertines & Patti Smith und mit einem Zwischen-den-Zeilen-Diss an Emmy The Great (was wiederum auch schön die Verbitterung von Emmy über Laura nachvollziehen lässt, die Emmy in unserem Interview vor einigem Monaten äußerte).


White Stripes – It’s True That We Love One Another
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Oh, ich liebe Jack White! Und das ist ein wirklich toller Song! Ganz ehrlich, Jack White ist der Retter einer gewissen Art von Musik – und wie sie aufgenommen wird. Er ist eine der aufregendsten Personen, die ich je getroffen habe.


Hast Du einen Lieblingssong der White Stripes?


Oh schwierige Frage *überlegt lange* Wahrscheinlich doch immer noch der Song, den ich als allererstes gehört habe: „We’re Going To Be Friends“. Was für ein gutes Lied, nicht?


Joni Mitchell – Big Yellow Taxi
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Ich bevorzuge mehr die späteren, jazzigeren Sachen von Joni Mitchell. Es hat sogar ziemlich lange gedauert, bis ich Big Yellow Taxi überhaupt einmal gehört habe, weil ich zuerst das „Court & Spark“-Album von ihr kannte, dann „Heijra“ – das ja noch später herauskam – und dann „Blue“. Ich habe bei Joni Mitchell also nicht viel auf Chronologie gegeben *lacht*
Ihre Stimme trifft einen gewissen Punkt bei Frauen, deshalb glaube ich auch, dass wir Frauen viel mehr mit Joni Mitchell anfangen können als ihr Männer – ich habe noch nie einen Mann getroffen, der Joni Mitchell so richtig super fand.


War Joni Mitchell auch ein Einfluss bei Deinem neuen Album?


Ja, die spätere Joni Mitchell schon. „A Creature I Don’t Know“ hat ja mehr jazzige Anklänge als meine vorherigen Alben – aber eben kein „straight up cheesy Jazz“, sondern genau dieser Joni-Mitchell-Jazz-Ansatz.


First Aid Kit – Emmylou
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Ja, die kenne ich auch, ich bin ein paar Mal mit First Aid Kit aufgetreten. Wirklich coole Mädels. Mein Dad liebt ihre Alben!


Hast Du mitbekommen, dass Sie bei Conor Oberst ihre neuen Stücke aufgenommen haben?


Nee, das wusste ich nicht. Kennst Du Alessi’s Ark? Eine Sängerin aus England, mit der ich häufiger unterwegs bin, die hat auch mit Conor Oberst schon gemeinsam Songs aufgenommen. Solltest Du Dir mal anhören, wirklich toll!


Emmy The Great – Eastern Parade
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Ich habe noch nie einen Song von Emmy The Great gehört. Ich habe von ihr gehört, aber nie auch nur einen Song.


Aber Du kennst Sie, oder? Ihr seid ja ungefähr zur gleichen Zeit in der Musikszene aufgetaucht…


Ja, das mag sein. Aber wir sind uns nie wirklich begegnet. Sie hat in einer Band backing vocals gesungen bevor ich da eingestiegen bin.


…Ihr ward beide Background-Sängerinnen bei Noah & The Whale…


Ja, aber nie gemeinsam auf der Bühne. Wie gesagt, sie war vor mir in der Band, nie gleichzeitig. Nächster Song!


Neil Young – Hey Hey My My
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Ich habe eine Hand voll Konzerte mit Neil Young gespielt und er hat sein Set immer mit einer ewig langen Live-Version von „Hey Hey My My“ beendet. Ich musste also jeden Tag 15 Minuten lang diesen Song hören *lacht* Aber das war super für mich, ich bin praktisch mit Neil Young aufgewachsen. Mein Vater hat sogar früher in Hippie-Bars sein Geld damit verdient, dass er Neil Young – Cover spielt!


Du hast auf deiner von Jack White produzierten Single den Neil Young – Song „The Needle & The Damage Done“ gecovert…


Ja, mein Vater hat mir schon als Kind Neil-Young-Songs auf der Gitarre beigebracht. Ich habe Neil Young sozusagen im Blut!


Patti Smiths – Horses
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In dem Neil-Young-Lied, das Du mir gerade vorgespielt hast, gibt es ja die Zeile „The King is gone but not forgotten / This is the story of a Johnny Rotten“. Ich hatte aber nie eine Sex-Pistols-Phase, sondern war immer so richtig im CBGB-Punk drin. Also Television und vor allem Patti Smith. Ich habe die Sex Pistols nie so richtig „verstanden“, aber gut, ich habe damals auch noch nicht gelebt und vielleicht muss man das, um die Kraft der Pistols kapieren zu können. Meine Mutter dagegen war großer Patti-Smith-Fan und deshalb bin ich sozusagen mütterlicherseits mit Patti Smith aufgewachsen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich „Horses“ als Jugendliche gehört habe und dabei dachte, ich wäre die coolste Person auf der ganzen Welt…


Adele – Rolling In The Deep
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Lacht als der Song beginnt
Ja. Das habe ich schon einmal gehört… Mann, das ist wirklich unglaublich WIE erfolgreich Adele geworden ist. Es klingt kitschig, aber es stimmt einfach: sie ist „an english girl done good“. Und was sie für eine Stimme hat! Die könnte damit Häuser in Grund und Boden singen!
Ich hoffe nur, dass sie nicht in all dem Erfolg verbrennt. Ich bin zwar sicher, dass sie damit umgehen kann… aber, ich kann mir vorstellen, wie schwierig das ist, mit so großem Erfolg zurecht zu kommen. Ich, mit all meinem Ruhm! *lacht*

Dry The River – New Ceremony
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Von denen habe ich auch noch nie einen Song gehört, aber einige Leute haben mir schon von der Band erzählt. Ich finde, die klingen wie „The Maccabees trifft Fleet Foxes trifft eine Emo-Band“. Aber das ist schon ein guter Song.


Maccabees ist ein interessanter Gedanke, da hast Du recht. Normalerweise werden Dry The River ja gern mit Mumford & Sons verglichen.


Nee, das finde ich jetzt nicht. Ich glaube, das versucht eher die Musikindustrie so zu platzieren, um ein wenig vom Mumford-Erfolg zu profitieren…


Findest Du denn, dass der Durchbruch von Mumford dafür gesorgt hat, dass jetzt mehr Bands eine derartige Musik machen?



Nein, eigentlich nicht. Vielleicht trauen sich jetzt mehr Bands, sich Freiheiten zu nehmen, was ihre Instrumentierung angeht und mehr akustisch zu spielen. Aber im Grunde ist das schon seit locker zehn Jahren so. Es ist eher der Fall, dass die Musikindustrie jetzt mehr darauf anspringt.


The Libertines – Music When The Lights Go Out
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Oh Mann! Als ich jünger war, bin ich über Zäune geklettert, um in Libertines-Gigs reinzukommen! Das erinnert mich wirklich an meine frühen Teenager-Jahre. Das Debüt fand ich großartig! Ich komme ja aus einem kleinen Städtchen und jeder Kleinstadtteenager wollte damals in den Libertines sein.
Aber ihre Rocknroll-Romantik – du weißt schon, all das „Albion“-Gerede, all dieser Mystizismus – hat sich dann doch recht bald aufgelöst. Klar, jeder Musiker hat in gewisser Weise eine bei Licht betrachtet etwas lächerlich wirkende „poetic persona“ und wenn du Teenager bist, dann findest du gerade das so faszinierend… Aber ich bin nun mal kein Teenager mehr und deshalb ist dieser Romantizismus auch nicht mehr aufregend für mich.


Waren die Libertines damals eine wichtige Band für Teenager in England?


Oh ja. Sie waren so aufregend! Die erste Libertines-Platte und das Strokes-Debüt haben wirklich eine ganze Szene geschaffen. Und überhaupt: wenn Du damals in einer Bar warst und es kam „Last Nite“ von den Strokes – jeder ist aufgesprungen und hat getanzt!


Noah & The Whale – LIFEGOESON
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*singt gleich mit*

Toller Song. Tolle Band. Das war übrigens auch der erste Song, den ich von ihrem neuen Album gehört habe. Da dachte ich mir auch gleich: „great!“. Charlie und die Jungs sind auch solche Musikfreaks – das ist vielleicht ein wenig creepy, dass ich das bemerkenswert finde aber… – die lieben WIRKLICH Musik. Und ihre eigenen Platten sind durchdacht bis ins letzte Detail. Sie haben jetzt drei Alben aufgenommen und jedes klingt komplett unterschiedlich, aber jedes auch sehr gut. Ihre Alben haben eine „filmische“ Qualität, finde ich. Wirklich eine bemerkenswerte Band.


Hans Unstern – Paris
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Singt er auf deutsch?


Die ersten Zeilen waren französisch jetzt singt er aber deutsch. Klingt das komisch für Dich?


*kichert bei der „Punkt Punkt Komma Strich“-Stelle*
Ja, das klingt schon ungewohnt, aber ich mag die deutsche Ausdrucksweise, den Klang der deutschen Sprache. Ich mag auch deutsche Gedichte. Ich habe ja auch im Rahmen eines Schüleraustauschs für ein paar Monate in Baden-Württemberg gelebt und habe natürlich damals auch Deutsch gelernt. Aber ich kann wirklich kein Wort mehr *lacht*
Die deutsche Sprache ist aber so schön onomatopoetisch, viel mehr als das Englische. Ein deutscher Song klingt zwar natürlich komisch in meinen Ohren, aber ich würde ihn mir anhören, um mein Deutsch zu verbessern *lacht*


Bright Eyes – First Day
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Das kommt ungefähr aus der gleichen Zeit wie der Libertines-Song. Damals habe ich viel Bright Eyes gehört. Zur Zeit von diesem Album hat wirklich jeder in England, der auch nur etwas neben dem Mainstream stand, Bright Eyes geliebt. Darauf konnten sich alle einigen, wenn man so 12 bis 14 war. In dem Alter nutzt du ja auch Musik, um dich als Person, um deine Persönlichkeit zu definieren. Aber wenn ich jetzt diese Songs wieder höre, dann erinnert es mich einfach daran, dass ich ein linkischer Teenager war und der Romantik seiner Texte natürlich voll auf den Leim gegangen bin. Heutzutage kann ich mir das nicht mehr anhören wegen all der Erinnerungen, die an diese Songs geknüpft sind.


Laura Marling mit All My Rage:


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