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vonChristian Ihle 23.07.2012

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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1. Der Film in einem Satz:

(500) Days of Spidey.



2. Darum geht‘s:

Die Wiederverwertungszyklen werden immer schneller: „The Amazing Spider-Man“ ist kein vierter Teil der Spider-Man-Serie, sondern tatsächlich eine Neuerzählung des erst vor zehn Jahren erschienen ersten Teils (im Filmenglisch: ein „Reboot“). Es ist die alte Geschichte: der Nerd Peter Parker wird von einer Spinne gebissen, entdeckt seine superheldenhaften Spinnenkräfte, probiert sich aus, muss lernen, dass Macht Verantwortung bedeutet, erledigt einen Superschurken, legt dabei die halbe Stadt in Schutt und Asche und verliebt sich ins Mädchen von Nebenan.


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Was neu ist: ausgerechnet der letzte Punkt der Aufzählung ist das Herz des Films. Das mag zunächst verblüffen, geht doch kaum jemand in Spider-Man, um den romantischen Spinnereien eines Nerds zu folgen, doch wirft man einen Blick auf die Karriere des neuverpflichteten Regisseurs, dann scheint es sogar logisch, dass Spideys Romanze im Zentrum des Films steht. Wo sich der Regisseur der alten Spider-Man-Trilogie seine Sporen als Erfinder von Horrorfilmen (Sam Raimi mit „Tanz der Teufel“) verdient hatte, hat Marc Webb den Platz auf dem Regiestuhl nicht nur aufgrund seines Namens, sondern eben vor allem dank seiner wundervollen Indiekomödie „(500) Days Of Summer“ bekommen, die eine herzzerreissende Ver- und Entliebungsstory mit The-Smiths-Soundtrack erzählt.


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Bis auf die letzte halbe Stunde ist der 3D-Effekt bei „The Amazing Spider-Man“ auch erstaunlich überflüssig und von Webb ungenutzt, sind es doch die schüchternen Anbandelversuche zwischen Peter Parker (Andrew Garfield aus „Social Network“) und Klasskameradin Gwen Stacy (eine wieder einmal zauberhafte Emma Stone), die den größten Platz einnehmen. Die Actionsequenzen fährt Webb dagegen weit zurück. Wo Raimi im Laufe seiner Trilogie die anfangs charmante Spider-Man-Story immer mehr in Richtung „Transformers“ gedreht hat (meint: computergenerierte Objekte hauen sich 80% der Spielzeit computergenerierte Dinge in computergenerierten Städten gegenseitig auf die computergenerierten Köpfe), hat Webbs Action mehr die Naivität alter B-Movies und einen sehr gezügelten Zerstörungswahn. Ja, Webb verzichtet sogar auf einen richtigen Bösewicht, ist sein The Lizard (zurückhaltend gespielt von Rhys Ifans) doch weder auf Weltherrschaft aus noch von Grund auf böse.

Alles in allem will man zwar nicht alle zehn Jahre die gleiche Geschichte erzählt bekommen und wusste vorher nicht, dass man einen Spider-Man-Reboot vermisst hätte, doch Webbs Neuanlage der Geschichte als Nerdromanze mit B-Movie-Actionidealen kann aufgrund des schneller-höher-weiter-Prinzips, das Raimi zuletzt verfolgt hatte, tatsächlich nur als neuer erster Teil und niemals als vierte Folge funktionieren. „The Amazing Spider-Man“ ist besser als erwartet, allerdings auch weit unspektakulärer.



3. Der beste Moment:

Peter fragt Gwen, ob sie zusammen ausgehen wollen. Wem hier nicht das Herz aufgeht, der sollte doch besser auf „Transformers 4“ warten.



4. Diese Menschen mögen diesen Film:

Erstaunlicherweise wohl mehr die, die ein Interesse an Story und Charakterzeichnung haben als an Actionszenen und Zerstörungsorgien. Zudem: „The Amazing Spider-Man“ ist das helle Licht eines sonnendurchfluteten Frühlingstages zu Christopher Nolans ewig verregneter Batman-Nacht in Gotham City. Take your pick.



* Regie: Marc Webb
* imdb

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kommentare

  • […] Im Gegensatz zum ersten Teil des Reboots, der sicherlich auch nicht perfekt war, aber in seiner unbeholfenen Knuddeligkeit doch ganz reizend wirkte, springt Teil 2 so ziemlich unter jeder Messlatte hindurch. Positiv bleibt Emma Stone zu vermerken, die für eine wie immer undankbare Frauenrolle in einem Superheldenfilm tatsächlich viel Seele einbringt (und fast sogar an die großartige Kirsten Dunst in der Sam-Raimi-Version heranreicht) und dass im Gegensatz zu Teil 1 tatsächlich 3D und IMAX – Kino Sinn ergeben. Das macht schon Spaß, mit Spider-Man durch die Häuserschluchten zu fliegen. Aber die restlichen 135 Minuten Film wollen ja auch irgendwie gefüllt sein. 3. Der beste Moment: Alle Szenen mit Emma Stone – und die freifliegende Kamera: mit Spidey durch die Häuserschluchten springen! 4. Diese Menschen mögen diesen Film: Wer noch mal wissen will, warum Superhelden-Filme in den 90ern einen schlechten Ruf hatten. * Regie: Marc Webb * imdb […]

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