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vonChristian Ihle 02.09.2012

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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The Posession (Regie: Ole Bornedal)




1. Der Film in einem Satz:


I’ve got a wicked demon, his hunger never fades – I’ve got an empty feeling, I won’t be home today


2. Darum geht’s:


Das Ehepaar Brenek lebt in Scheidung. Vater Clyde und Mutter Stephanie versuchen dennoch alles, um ihren beiden Töchtern ein normales Leben zu ermöglichen. Die Wochenenden verbringen Em und Hannah deshalb oft bei ihrem Vater. Eines Tages ersteht Tochter Em bei einem Flohmarkt eine kleine Holzkiste mit jüdischen Inschriften. Das junge Mädchen ist fasziniert von dem Klotz und findet schließlich einen Weg, das obskure Fundstück zu öffnen. Darin: allerlei totes Ungeziefer und ein hässlicher Dämon, der sich natürlich flugs in seinem neuen Wirtstier einnistet. Erst spät merkt Vater Clyde, dass die dunklen Augenringe und das Murmeln in fremden Zungen keine Spätfolgen der Scheidung sind – sondern ein Dämon. Da kann nur ein Exorzist helfen – und den findet Clyde in der jüdischen Gemeinde…

Kein Regisseur war auf dem Fantasy Film Fest häufiger vertreten als Ole Bornedal („Nightwatch“). Mit „The Possession“ wird dem dänischen Regisseur nun bereits zum siebten Mal die Ehre zuteil. Seine zweite Hollywood-Arbeit schafft es unter dem Produzenten Sam Raimi auch tatsächlich, alle Vorurteile vom Tisch zu fegen. Von der ersten Sekunde an überzeugen vor allem die Charaktere – und da ganz besonders die erst zwölfjährige Natasha Calis als Besessene Em. Das Setting, die Inszenierung: alles wird von Minute zu Minute bedrohlicher und dunkler. Aber erst als Bornedal zu seinen Ursprüngen zurückkehrt – in die Leichenhalle des örtlichen Krankenhauses nämlich – wird aus dem Horrorfilm echtes Terrorkino.


3. Der beste Moment:


Zugegeben: die Story bietet wenig neues. Aber allein einem jüdischen Exorzismus beizuwohnen (herrlich hier: Schauspieler Matisyahu), bietet hundertmal mehr Schockpotenzial als das Original von William Friedkin.


4. Diese Menschen mögen diesen Film:


Fans von Bornedals „Nightwatch“ und alle, denen das Exorzisten-Revival der letzten Jahre nur noch ein müdes Gähnen entlockt hat.


* Regie: Ole Bornedal
* imdb


——
The Hidden Face





1. Der Film in einem Satz:

Was würde mein Freund machen, wenn ich plötzlich einfach weg wäre?



2. Darum geht‘s:

Adrian (Quim Gutiérrez, bekannt aus „dunkelblaufastschwarz“) ist ein junger, talentierter Orchesterdirigent. Mit seiner Freundin Belén (Clara Lago) ist er für ein Engagement nach Kolumbien gekommen – doch eines Tages ist sie weg, nur eine Videobotschaft und Ihre Zahnbürste hat sie zurückgelassen. Belén hat Adrian verlassen – und ist vom Erdboden verschwunden. Die Polizei wird misstrauisch und fängt an zu ermitteln.
Adrian ertränkt währenddessen seinen Schmerz im Whisky und verliebt sich in die hübsche Kellnerin Fabiana (Martina García). Schon bald zieht diese zu ihm in sein Haus. Doch hier fühlt sie sich unwohl. Irgendetwas bedroht sie…

„The Hidden Face“ erzählt zwei Geschichten von Liebe und Misstrauen, starker Begierde und dunklen Geheimnissen.
Zum Ersten: Die junge Kellnerin Fabiana verliebt sich in den attraktiven Dirigenten Adrian, dessen Freundin erst kürzlich auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Auch wenn der Film hier mit angenehmem Grusel beginnt, braucht er etwas Zeit, um richtig Dynamik und Spannung aufzubauen.
Zum Zweiten kommt Licht ins Dunkel, was es mit dem Verschwinden von Belén auf sich hat.
Hier bricht es emotional brutal heftig über das Publikum hinein. Der Film entwickelt nun seine komplette Kraft und nimmt den Zuschauer kompromisslos gefangen.

Thriller und Drama: „The Hidden Face“ offenbart allerlei menschliche Abgründe hinter rosaroter Brille. Der Rest sollte jetzt Schweigen sein. Und ein US-Remake ist nur eine Frage der Zeit.

Vorsicht! Wer den Film vollständig genießen will, schaut sich im Vorfeld bitte nicht den Trailer an. Wer diesen geschnitten hat, gehört weggesperrt – es wird bis zum Erbrechen gespoilert – und das sorgsame Storytelling des Films wird weitestgehend zunichte gemacht.



3. Der beste Moment:

„Papa?! Bist Du es?“
Fabiana, die neue Freundin des Dirigenten, versucht mit dem scheinbaren Geist im Badezimmer zu kommunizieren.



4. Diese Menschen mögen diesen Film:

Wer schon immer einen leichten Zweifel an der absoluten Liebe hatte und einen seiner größten Alpträume lieber nicht Realität lassen würde.



* Regie: Andrés Baiz
* imdb


(Text Posession: Robert Heldner, Text Hidden Face: Mila Haegele)

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