Die Woche im Pop: Olli Schulz, Thomas Gottschalk, die GEMA, Judith Butler und Bettina Wulff

Ach, war das ein wildes Hauen und Stechen in den letzten ein, zwei Wochen. An allen Ecken knallt es!

Erfrischend war die Schimpftirade von Olli Schulz gegen alles und jeden in der Sendung Roche & Böhmermann. Während Roche ihre Version von einem Max-Herre-Eklat aus der Vorwoche erzählte, reißt Schulz das Gespräch an sich und verteilt Breitseiten an Juli, die Böhsen Onkelz, Rammstein-Fans und letzten Endes die Menschen im Generellen: „Es gibt nun mal mehr Arschlöcher als gute Menschen auf diesem Planeten“:


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GEMA vs. Marek Lieberberg


Eine schöne Eskalation gab es bei unserem Stammthema GEMA vs. den Rest der Welt. Nachdem Konzertveranstalter Marek Lieberberg im Magazin Oxmox eine große Plattform gegeben wurde, um schön ausformulierte Kampfesthesen und Aphorismen gegen die GEMA zu platzieren, war im Rahmen der neuen „Gegenschlagsstrategie“ (wir berichteten letzte Woche) wohl klar, dass auch die Herren in der Einzugsbehörde darauf reagieren würden – und jetzt wurde es richtig amüsant.





Jörg Evers, Aufsichtsratsmitglied der GEMA, bestritt die meisten Vorwürfe Lieberbergs als „unsubstantiierten, verleumderischen Angriff auf die GEMA“. In Teilen mag man Evers durchaus zustimmen, wenn er zum Beispiel vorrechnet, dass bei einer Lieberberg-Veranstaltung im GEMA-freien Paradies Hawaii gerade einmal 1 Promill an Abgaben an die Urheber abgeführt wurden, aber schön übers Ziel hinaus schoß Evers mit seinem letzten Absatz:

Ihre Ausführungen dazu erinnern mich allerdings an die selbstzufriedene, zynische Aussage eines Baumwoll-Plantagenbesitzers im 19. Jahrhundert, der vom Umgang mit seinen Sklaven berichtete: “ Gib ihnen weniger zu essen, dann singen sie noch schöner!“

… was natürlich eine Steilvorlage für Lieberberg war, der wiederum in einem offenen Brief mit einem Groucho-Marx-Zitat antwortete:

Auf Ihre Schmonzette mit dem Plantagenbesitzer passt ein Zitat von Groucho Marx, das ich Ihnen zum Abschluss dieses Schriftwechsels widmen möchte:
„Er sieht vielleicht aus wie ein Idiot und redet wie ein Idiot, aber lassen Sie sich nicht täuschen. Er ist wirklich ein Idiot!“

Immerhin hat Lieberberg das Originalzitat benutzt und auf die berüchtigte Abwandlung Johnny Rottens verzichtet, der einst den Rauswurf von Glen Matlock bei den Sex Pistols mit den Worten „If you look like a cunt and you talk like a cunt, then you are a cunt“ begründete. Werten wir Marx statt Rotten mal als ein Deeskalationsangebot.

Vielleicht sollte man generell in Zukunft das GEMA-Thema eher von Humoristen behandeln lassen, Max Goldt macht den Anfang.


Frank Elstner näht sich Schweißdreiecke in das Sakko und geht auf Thomas Gottschalk los


Wenn sich im Musikgeschäft die Dinosaurier gegenseitig auf die Füße treten, wollen die alten Herren des öffentlich-rechtlichen Behördenfernsehens nicht nachstehen: Uropa Frank Elster kritisiert in seiner Biographie (die, halten Sie sich fest, tatsächlich „Wetten Spaß“ heißt…) Großväterchen Thomas Gottschalk, indem er „enthüllt“, Gottschalk hätte sich gar nie richtig auf seine Interviewgäste vorbereitet und zudem das frische, fesche Zukunftsformat „Wetten daß“ zu Unrecht als „abgenagten alten Knochen“ bezeichnet. Ein Zuviel der Information war dann allerdings die Anekdote, dass Elstner bei seinen Wetten Daß – Shows immer dermaßen geschwitzt hätte, dass er sich „Dreieckchen in Hemden und Sakkos“ einnähen ließ. Herzlichen Dank, Frank.


Thomas Meinecke über Judith Butler und Bernadette La Hengst


Zur in allen Medien ausführlich behandelten Judith-Butler-Diskussion – Adornopreis ja/nein? Antisemitin ja/nein? – hat Thomas Meinecke ein interessantes, ausgewogenes Interview gegeben. Meineckes Äußerung hierzu ist vor allem auch deshalb interessant, weil er sowohl eine sehr hohe Meinung von Butler hat als auch schnell Antisemitismus vermutet, wenn israelische Politik in Frage gestellt wird.

Als Beispiel für den Antisemitismus-Alarm, den Meinecke schlägt, kann ganz aktuell auf eine Diskussion verwiesen werden, die er auf seiner Facebook-Seite angestoßen hatte. Kritisiert hat Meinecke eine Ausstellung von Künstler Volker März namens „Israel hängt Kafka„, die von Bernadette La Hengst vertont wurde.


Auf dem Büchermarkt


Zwei aus dem Dunstkreis der Politik kommenden Bücher haben für die amüsantesten Rezensionen der letzten Woche gesorgt. Zunächst einmal hat sich Ulf Poschardt kritisch mit dem Spießertum der Bettina Wulff auseinandergesetzt und einen weitaus schöneren Text geschrieben als man bei der Kombination „Poschardt über Spießer“ vermutet hätte, erinnert man sich doch noch gern an die brillante Poschardt-Parodie von Niels Ruf (bitte anschauen, wenn unbekannt!), der „seinen“ Poschardt über die „unerträgliche Neo-Biedermeierei“ schimpfen ließ.

„Bettina Wulff ahnt, dass sie noch so weit aus Großburgwedel flüchten mag, ohne die von ihr attestierte Langweiligkeit des 9000-Seelenortes ablegen zu können. Sie hätte sich den Namen ihrer Heimatstadt in Runen auf den Bauch stechen lassen müssen. Doch dazu wäre ein Mindestmaß Selbsterkenntnis notwendig gewesen.“

(die schönsten Teile hier zusammengefasst in unserer Schmähkritik)


Montag legt Spiegel Online mit einer Rezension über das Buch des Piraten-Vorstandsmitglieds Julia Schramm nach, das mit dem schönen Satz „Der Kollege aus dem Kulturressort winkt ab. Er hat die ersten hundert Seiten gelesen. „Ist nichts für uns. Das ist Schülerzeitung, da lese ich Bettina Wulff noch lieber.““ beginnt. Wenigstens ein Treffer für Frau Wulff: ihr ist ein Referenzprodukt gelungen.

Das Fazit zum Piraten-Buch: „Vielleicht soll das Buch ein Witz sein, eine Lehrstunde in fortgeschrittenem Dekonstruktivismus. Oder ein Dada-Experiment, bei dem es letztlich egal ist, ob nun Stichworte von Bibi Blocksberg, Hitler oder Hegel hereingereicht werden.“

Fast konnte man darauf warten, dass natürlich prompt jemand das Buch von Frau „geistiges Eigentum finde ich ekelhaft“ Schramm online stellt und ihr Verlag, humorlos wie diese Businessbastarde nun mal sind, auch stante pede den illegalen Download entfernen lässt. Die Verteidigungsversuche der Schramm’schen Fanbrigade, dass ja nicht die Autorin selbst, sondern nur der Verlag den Download hat entfernen lassen, greifen natürlich nicht, denn Julia Schramm hätte ja in ihrem 100.000-Euro-Buchvertrag mit Random House festlegen können, dass sie illegale Downloads erlaubt sehen möchte. Ob sie dann allerdings 100.000 € Vorschuss oder überhaupt einen Vertrag erhalten hätte, das steht wieder auf einem anderen Blatt.


Musik-Downloads: wer wo was?


A propos Urheberrechte: Die BBC hat auf ihrer Website ein interessantes Tool veröffentlicht, mit dem je nach Gebiet geprüft werden kann, welche Künstler derzeit am häufigsten illegal heruntergeladen werden. Das wäre auch eine schöne Idee für Deutschland. Was lädt man im Prenzlauer Berg? Was nebenan im Wedding?


„Genuinely hate public transport tbh“ – DJs Complaining





Doch nicht nur Autoren können sich selbst demontieren, das haben auch weltbekannte DJs drauf, die dazu nicht einmal ein Buch schreiben müssen, sondern sich bereits mit weinerlichen Tweets erfolgreich zum Gespött machen, was die schöne Seite „DJs Complaining“ sammelt.

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1 Kommentar

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  1. Exzellentes Post!