Die Woche im Pop: Reunion, Rückkehr und die Sons of Mumford.

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Reunion, Reunion


Von Good Vibrations kann man im Beach-Boys-Camp wahrlich nicht sprechen: Manche Menschen fühlen sich offensichtlich nicht wohl, wenn sie nicht den Hass anderer auf sich ziehen. Der – für sein Verhalten ziemlich unpassend benannte – Mike Love von den Beach Boys gehört mit Sicherheit dazu. Gerade noch auf einer umjubelten Beach-Boys-Reunion-Tour (mit einem weniger bejubelten neuen Beach-Boys-Album, übrigens), knallt Mike Love dem armen Brian Wilson wieder eine vor den Latz: Rauswurf bei den Beach Boys. Allein der Satz „Brian Wilson bei den Beach Boys herausgeworfen“ klingt ja schon absurd! Als hätte Ringo Starr den John Lennon nicht mehr mitspielen lassen oder Bill Wyman Mick Jagger die Tür gezeigt…


Die einen trennen sich, die anderen kommen (vielleicht) wieder zusammen. Richtig, nachdem wir die Stone-Roses-Reunion nun endlich hinter uns gebracht haben, ist es doch wieder an der Zeit für das jährliche The-Smiths-Gerücht. Wenn man mal davon absieht, dass Johnny Marr noch diesen April ausdrücklich eine Reunion verneint hat, sammelt das britische Magazin Holymoly hier einige Indizien pro Smiths-Reunion. Aber sowohl Morrissey als auch Marr dementieren erneut deutlich: „The Smiths are never, ever, ever, ever, ever, ever, ever, ever going to reunite – ever“. Nun, warten wir’s ab!


Bar 25 wird Kater Holzig wird Bar 25


Nachdem das Berliner Hippie-Resort Bar 25 vor zwei Jahren nach langem Kampf schließen musste, eröffneten die Betreiber gegenüber ihren Kater Holzig. In einer neuerlichen Wende konnten jetzt aber die alten Barbesitzer von der Berliner Stadtreinigung das Bar-Gelände via Höchstgebot zurückkaufen und planen nun das Projekt „Holzmarkt“, das Hotel, Restaurant, bezahlbares Wohnen, Veranstaltungsräume und natürlich Abhänglocation in einem sein will. Man wird sehen, ob sich die Credibility aus der Zwischennutzungszeit wiederbeleben lässt.


Rückkehr, nicht Reunion


Nie ganz weg gewesen, aber ein paar Jährchen Pause eingelegt hatten die Berkeley-Punks von Green Day. Ihre „American Idiot“-Platte war so unverschämt erfolgreich, dass sogar ein Broadway-Musical daraus entwickelt wurde. Auch ’ne Karriere für ’nen Punk. Der Nachfolger war dann weder für die alten noch die neu gewonnen Fans allzu interessant, so dass die diesjährige Rückkehr etwas Wirbel benötigte. Drei Alben auf einmal veröffentlichen Green Day – man kann nur hoffen, dass Kamerad Qualitycontrol immer noch Bandmitglied ist – und Sänger Billie Joe sorgt für einen schönen Aufreger, als Green Day bei einem Radiofestival von der Bühne sollten, aber lieber noch weiterspielen wollten. Dazu noch ein kleiner Justin-Bieber-Diss und fertig ist die Breitenwirkung! Andererseits, „I’ve been around since fucking-nineteen-eighty-fucking-eight and you’re going to give me one fucking minute?? You gotta be fucking kiddin‘ me!“ hat schon Geflügeltes-Wort-Potential.


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Übrigens: nicht nur Punks, auch Pur kehren zurück. Wenn man einen Wahnsinnigen beauftragt hätte, eine Parodie eines Pur-Plattencovers zu designen, wäre wahrscheinlich etwas ähnliches dabei herausgekommen:





Erstaunlich.


In den Charts


In den deutschen Single-Charts ist nach vielen Wochen der (für eine deutsche Spitzenplatzierung erstaunlichen okayen) Asaf Avidan – Herrschaft eine neue Nummer 1 zu verzeichnen. Der ehemalige Jugendfußballer von Hansa Rostock und jetziger Rapper Materia steigt, doch etwas überraschend, auf Platz 1 mit „Lila Wolken“ ein. Fun Fact: Materia war Co-Autor der Toten Hosen bei deren letztem Album „Ballast der Republik“. Funfunfact gefällig? Niemand anders als die vielleicht beste Schauspielerin des Landes, Birgit Minichmayr, hat gemeinsam mit good ol‘ Campino den Gassenhauer des Jahres, „Tage wie diese“ geschrieben!


mumford sons


Halbwegs vernünftige Songs finden sich dagegen in der unteren Hälfte der deutschen Single-Charts.
Während auf Platz 69 Mumford & Sons ihren ersten deutschen Top-100-Hit mit Comeback-Single „I Will Wait“ (#69) feiern, landet Leslie Clios deutsche Duffy-Variante als Neueinsteiger auf Platz 41 – und das wird nicht das letzte Mal sein, dass man von der jungen Dame gehört hat. In den USA dagegen streben die britischen Folkster dem Himmel entgegen und konnten nun sogar den bisher von Justin Bieber gehaltenen Rekord für die meisten verkauften Alben des Jahres brechen: 600.000 Einheiten verdoppelt mal flugs die Albenverkäufe von Biebermeisters „Believe“, der 226.000 in seiner ersten Woche an Mann, Frau und Kind brachte. Des Popblogs Respekt geht also an die „Sons of Mumford“, wie der unvergleichliche Mark E Smith einst so schön den Bandnamen verdattelte:

“We were playing a festival in Dublin the other week. There was this other group like, warming up in the next sort of chalet, and they were terrible. I said ‘shut them cunts up’ and they were still warming up, so I threw a bottle at them. The bands said ‘that’s the Sons of Mumford’ or something, ‘they’re number five in charts!’. I just thought they were a load of retarded Irish folk singers.”



Eine andere Karriere ist dagegen nun am Ende. Michael Ballack tritt als aktiver Fußballspieler zurück. Wir wollen ihn natürlich immer mit den Worten „Die kennen unsern Capitano ja noch gar ned!“ in Erinnerung behalten:


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Während sich unser Capitano also aufs Altenteil zurückzieht, ist noch völlig offen, wer in den USA der neue Capitano werden wird. Homer Simpsons jedenfalls hat schon eine Wahlempfehlung ausgesprochen:

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Wem all das schon wieder zuviel Fußball und Politik war, der darf sich hier schön ins tiefste Nerd-Land begeben, und versuchen alle NME-Cover-Stars zwischen 2001 und 2004 zu erraten. Klingt öd, bereitet aber erstaunlich viel Vergnügen, sich auf diesen Trip down memory lane zu begeben und zu überlegen, wer denn in diesen Jahren wohl populär genug gewesen sein dürfte um auf der ersten Seite der Königszeitschrift des Pop zu landen. Das Ergebnis des Popblog? 107 aus 182!


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