vonChristian Ihle 08.10.2012

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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„Markus Lanz hat sein Debüt versemmelt, und zwar richtig. Er ist der Buchhalter des Show-Grauens.

Wotan Wilke Möhring macht seine Sache gut bei „Wetten, dass…?“. Er ist spontan, witzig, und er weiß, was ein Moderator wann zu tun hat. (…) Leider ist er nicht der neue Moderator bei „Wetten, dass..?“, er ist nur Gast. Aber der Schauspieler gibt eine Ahnung davon, wie Europas größte Show aussehen könnte, wenn sie denn einen geeigneten Moderator hätte und nicht eine Quatschwurst namens Markus Lanz.

Der hat am Samstag das schier Unmögliche geschafft, er hat vor 13,62 Millionen Zuschauern sein Debüt versemmelt, und das gleich richtig. (…) Eine Show wie diese ist so groß, dass man mit ihr nur schwer baden gehen kann. (…) Das Gelingen war also programmiert. Lanz hat es trotzdem geschafft, das Ding in die falsche Richtung zu drehen.

Lanz unterscheidet sich trotz viel zu vielen offenen Hemdknöpfen in Sachen Ausstrahlung nicht wesentlich vom Bezug der Gästecouch und muss schon verteufelt oft auf sich aufmerksam machen, damit man überhaupt eine Ahnung erhält, warum er da ist.

(…)

Dann redet er los und sagt: nichts. Er macht Gags, die so wenig witzig wie originell sind. Er hält sich trotzdem für irre mutig, wenn er etwa das Gespräch mit dem Sänger Rolando Villazón mit der Frage eröffnet, wer ihm denn an diesem Tag die Nasenhaare geschnitten habe. Grundlage, und das muss der alerte Markus schnell mal dazwischen schieben, ist natürlich eine Anekdote aus seinem irre aufregenden Leben, in dem er, also der Markus, mal gesehen hat, wie sich zwei Sänger gegenseitig die Nasenhaare entfernten. Wow!
(…)
Er ist einer, der auf Partys die Gäste in Bewegung hält, weil er auf alles einquatscht, was länger als eine Minute an einem Ort verweilt. Also sehen immer alle zu, dass sie da sind, wo Lanz nicht ist. (…) Ein schöner Beleg für die Unerträglichkeit des Herrn Lanz bietet sich, als er versucht, eine Art Interview mit der Sängerin Jennifer Lopez zu führen. Da will er alles wissen über den jungen Tänzer aus ihrer Show, mit dem sie doch bekanntlich etwas Intimes verbindet. Ob sie den bezahlt, fragt er allen Ernstes, schiebt noch ein schleimiges „fürs Tanzen“ nach und profiliert sich damit als hemmungslose Boulevard-Schranze.
(…)
Als er sein Jackett ablegt, trägt er eine Weste und sieht mit dem weißen Hemd darunter aus wie einer, dem nur noch die Ärmelschoner für die Ausübung seines Auftrags fehlen. Er ist der Buchhalter des Show-Grauens, und das Schlimme ist nicht, dass er es bis in diese „Wetten, dass..?“-Ausgabe geschafft hat. Das Schlimme ist, dass er wiederkommen wird. Über drei Jahre mit jeweils sechs Shows läuft sein Vertrag. Man weiß das nun als sehr beängstigende Drohung zu werten.“


(Hans Hoff im Handelsblatt über Markus Lanz und „Wetten, dass…?“)

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=3QLAKad8pbE[/youtube]



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