Platten vor Gericht: das Popblog als Gastjuror im Intro-Magazin

In diesem Monat wurde ich vom Intro Magazin eingeladen, neben Fraktus, Wolf Maahn, Kotzreiz, Trail Of Dead und Soko als Gastjuror bei “Platten vor Gericht” aufzutreten. Intro hatte ja mit ihrer Albenurteilsrubrik sozusagen Twitter vorweggenommen, denn streng ist die Anzahl der Zeichen begrenzt, mit denen man seiner Abscheu über die angetragenen Platten Ausdruck verleihen darf.




Das Ganze findet sich beim Plattendealer Eures Vertrauens oder online bei Intro selbst, bzw. jetzt hier. Wem im Folgenden zu viel geschimpft wird (nur SOKO fand die meisten Platten noch unerträglicher, hat aber offensichtlich ihr Abstimmungsverhalten an das Binärsystem angelehnt), der darf sich vertrauensvoll an Wolf Maahn wenden, bei dem die folgenden Bands ihre Zuhörer noch “in eine eigene Welt entführen”, “sehr inspirierend” sind, “der Sound umwerfend gut” und “total kreativ arrangiert” ist, die Songs “vor Kreativität übersprudeln” und der als Höhepunkt Efterklang zu den neuen Sigur Ros ausruft, Ellie Goulding “Kreativität” bescheinigt und sich gut vorstellen kann, dass dieses Jahrzehnt das Jahrzehnt von Bob Mould wird. Eh, ok.


Grizzly Bear – Shields


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Schöne Vokalharmonien direkt aus der CSNY-Schule, dazu gut gemachter Indierock mit leichtem Bartflaum. Kein »Two Weeks« dabei, aber ein halber Hit mit »Simple Answer«. (6/10)

Mouse On Mars – WOW





Klick-e-di-klick, wow-idi-wow, kracki-di-krack, glitchy-di-glitch, wischi-di-wasch? Whatever. (-/10)

Bob Mould – Silver Age


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Der Opa hat sich im »Silver Age« noch mal die Schrammelgitarren umgeschnallt, als gäbe es kein Morgen mehr! Erinnert im Titeltrack gar an die mittleren Social Distortion. (5/10)

OAE – Was ist ihr Beruf





Puh, das ist ein wenig arg quer im Raum verteilt. Manches unanhörbar (»Moondogs«), anderes wie der Krautrock-Exzess von »Soziale Kontinente« stark! (4/10)

Efterklang – Piramida





Das ist nett, nice, nicht unverschämt. Aber leider zu viele instrumentale Ideen für zu wenig Hooks, zu wenig Melodien, zu wenig Attitude. Sorry. (3/10)

Deadmau5 – ‘Album Title Goes Here Album Title Goes Here’


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Angenehm vielseitig von dubsteppigen Bässen (»Superliminal«) über »Drive«-Pop (»The Veldt«) zu Daft-Punk-Funk (»Fn Pig«) maust sich der Superstar-DJ quer durch Electroland. (7/10)

Die Orsons – Das Chaos und die Ordnung


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Relativ erfrischend für deutschen HipHop, ohne dass ich vor Begeisterung Purzelbäume schlagen würde. In den besten Momenten wie Beginners Gustav Gans auf Dauerschleife. (5/10)

The Killers – Battle Born





Irr. Die Platte ist so schlecht, das würde man ungehört gar nicht glauben. Selbst einem U2-Hasser wie mir kommt der übliche Vergleich als Beleidigung vor. Für U2, ffs! (0/10)

No Doubt – Push And Shove





Haha. Ist das euer scheiß Ernst? Wo ist das »Hollaback Girl«? Stattdessen Sub-Guetta-Pop. Die unnötigste Reunion des Jahres? I think so, Sir. (0/10)

Ellie Goulding – Halcyon





Dieses Florence-meets-Robyn-in-schlecht beweist angesichts der Liaison von Skrillex mit Goulding ein weiteres Mal: dessen schlechten Geschmack. (2/10)

All Time Faves

** The Clash – The Clash
** The Velvet Underground & Nico – The Velvet Underground & Nico
** The Strokes – Is This It

Kommentare (2)

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  1. Ein allzugroßes Vergnügen waren die Platten nicht, nein ;-)

    Grizzly Bear ist ja auch noch recht gut weggekommen, das mäandert mir nur manchmal zu sehr, außer A Simple Answer blieb da jetzt wenig hängen – auch wenn das Album als Ganzes gut ist. Ist ja auch die zweithöchste Wertung…

  2. deadmau5 mit der höchsten wertung, und damit besser als grizzly bear? waren aber auch undankbare platten dabei.