Die zehn besten Alben 2012

10. Django Django: Django Django


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Während allenthalben Alt-J für ihr “An Awesome Wave” abgefeiert werden, haben die anderen neuen Eklektizisten aus England etwas zu wenig Beachtung erfahren. Django Django spielen sich quer durch die Musikgeschichte, eine Art entspannten Postpunk, der Gang Of Four – Gitarren mit Beta Band – Sounds verheiratet. Oft überraschend, durchwegs gelungen.


9. Die Heiterkeit: Herz aus Gold


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Nicht unumstritten waren die drei Damen aus Hamburg, von Christiane-Rösinger-Kopisten (gäbe schlimmeres!) bis zu “langweilig” waren die Ablehnungen. Quatsch natürlich, langweilig ist “Herz aus Gold” nun sicher nicht – und wenn, dann mit Absicht. Was Die Heiterkeit auf diesem sehr sehr selbstsicheren Debüt präsentieren, ist eher Singer/Songwriter-Stuff mit Punk-Attitude, im Gehabe natürlich, nicht im Sound. Einzige ernsthafte Kritik: warum wurde “Das Mädchen mit dem schmutzigen Mund” nicht aufs Album genommen?


8. Crocodiles: Endless Flowers


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Joah, klar machen die beiden West-Coast-Amerikaner und Teils-Wahl-Berliner irgendwie seit Jahren mehr oder weniger immer das Gleiche – und selbst die Grundidee ist natürlich nur eine Referenz an Bubblegum-Garage-Rock, an Spacemen 3 bis Iggy & The Stooges ohne deren metallische Schwere. Aber auf “Endless Flowers” sind die Crocodiles auf der Höhe des Spiels: eine Platte, die praktisch nur aus Hits besteht, genau den richtigen Mittelweg aus klaren Melodien und schrammeliger Produktion findet. Same old, same old, aber besser als je zuvor.


7. Chromatics: Kill For Love


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Neben Glass Candy waren Chromatics immer die Hauptband für das Italo Disco via 80ies Electro – Revival, das vor ein paar Jahren mal kurz vor dem Durchbruch stand. Eine halbe Dekade hat die Band für ihr neues Album benötigt. Ausgefeilter, vielseitiger sind sie in diesen fünf Jahren geworden, transportieren die Kühle der 80er in Songs wie “These Streets Will Never Looks The Same” ebenso gut wie der Film “Drive”, aber haben andererseits auch die Wärme der besten New-Order-Songs verstanden, siehe Titeltrack “Kill For Love”.


6. Mystery Jets: Radlands


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Es sind kaum noch Bands übrig, die damals im Umkreis der Libertines auf den Plan traten. The Cribs waren immer eher Einzelgänger, die anderen hat entweder das Zeitliche gesegnet oder sind in der Mediokrität versunken (Bloc Party, Maximo Park). Mystery Jets dagegen haben ihr möglicherweise komplettestes Album in diesem Jahr veröffentlicht. Beeinflußt vom Pop der amerikanischen Weiten, aber immer mit britischer Idiosnykrasie durchsetzt.


5. Toy: Toy


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Toys Debütalbum ist, was man von den Horrors mit “Skying” erwartet hätte. Wo die Horrors aber ihrem hervorragenden “Primary Colours” kein ebenso gutes, neues Album folgen lassen konnten, haben sich Toy erfolgreich an der gleichen Idee eines Krautrock-Pop versucht. Großartig gelungen vor allem auf der Single “Motoring”, aber auch, noch krautiger, auf dem Zehnminüter “Kopter”.


4. Howler: America Give Up


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Ein wenig tragisch – die Last der späten Geburt. Wären Howler 2002 mit diesem Album erschienen, die Welt hätte Purzelbäume geschlagen. Doch 2012 tun sich schon die Strokes selbst schwer, mit ihrem Trademarksound noch Zuhörer zu finden, wie unmöglich ist es dann erst für eine so erstklassigen Kopie? Originell sind Howler nicht, klar, aber mehr Hits hatte dafür sonst niemand auf einer Platte in diesem Jahr. Und Sänger Jordan hat das passiv-aggressive Genuschel von Jules Casablancas verinnerlicht wie kein Zweiter.


3. Pond: Beard, Wives, Denim.


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Was auf der Packung steht: Bärte, Bräute, Jeans – wir sind tief in den Spät60ern, in der Psychedelica-Garage, im Nuggets-Wahn. Die Hälfte von Pond spielt in Tame Impala und die Ähnlichkeit lässt sich nicht verbergen. Wo aber (das durchaus gute) Tame Impala – Album manchmal zu sehr von der eigenen Introspektive und Lässigkeit geprägt ist, knirscht und kracht es bei Pond, dass es eine einzige Freude ist. Die Psychedelica-Gundidee intakt, aber mit der Protopunkwildheit des guten alten Garagenrock präsentiert.


2. Die Nerven: Fluidum


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Spät erschienen (15. Dezember!), aber das deutsche Album des Jahres. Paranoia-Punk, Abscheu, Verwirrung, Gegendiewändetreten. Nie 1,2,3,4,Aufdiefresse, sondern immer auf Abwegen, und so komplexer als aufs erste Hören gedacht. Dazu Zeilen, die bleiben und alle Versuche, dem Leben mit Eskapismus auf die eine oder andere Art zu entfliehen, als das deklarieren, was sie sind – Flucht eben: “Du suchst ein neues Hobby? Drück Heroin” oder “Und andere Frauen ändern auch nichts an deinen Problemen / und andere Städte ändern auch nichts an deinen Komplexen /und andere Sprachen ändern auch nichts an deinem Zustand”. Auf dem besten neuen deutschen Label erschienen (This Charming Man Records) und selbst dort unter bemerkenswerten Veröffentlichungen (Kadavar, Messer) ein Höhepunkt.


1. This Many Boyfriends: This Many Boyfriends


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Achtung, Sie betreten Nerdland. Heillos aus der Zeit gefallen sind This Many Boyfriends, ihre Heimat sind die späten 80er, sind Sarah Records oder meinetwegen eine Bühne als Supportgruppe von Hefner. Und doch sind sie kein müder Abklatsch, sondern – auch dank einer tollen Produktion von Ryan Jarman (The Cribs) – die frischeste Neuinterpretation von Twee- und Indiepop seit Jahren. 29 Minuten Spielzeit, zehn Songs, kein Ausfall und dafür Hymnen für Anoraks weltweit wie “I Should Be A Communist” (“I tried, I failed, but I’m far too decadent”), “I Don’t Like You (Cause You Don’t Like The Pastels)” und “Tina Weymouth”.


Ebenfalls empfehlenswert:

11. Fehlfarben: Xenophonie
12. Masha Qrella: Analogies
13. Troy von Balthazar: is with the Demon
14. Dexys: One Day I’m Going To Soar
15. Crystal Castles: Crystal Castles III
16. Two Gallants: The Bloom & The Blight
17. Bonnie ‘Prince’ Billy: Here’s My Plan
18. Jack White: Blunderbuss
19. Bleeding Knees Club: Nothing To Do
20. Frank Ocean: Channel Orange


21. Japandroids: Celebration Rock
22. Merchandise: Desire EP
23. Cloud Nothings: Attack On Memory
24. Tame Impala: Lonerism
25. The Cribs: In The Belly Of The Brazen Bull
26. Die Türen: ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ
27. F.S.K.: Akt, eine Treppe hinabsteigend
28. Beth Jeans Houghton: Yours Truly, Cellophane Nose
29. Tribes: Baby
30. Gary: Hey Turtle, Stop Running!


31. Hans Unstern: The Great Hans Unstern Swindle
32. Alt-J: An Awesome Wave
33. Moon Duo: Circles
34. Jake Bugg: Jake Bugg
35. Breton: Other People’s Problems
36. Death Grips: NO LOVE DEEP WEB
37. Sport: Aus der Asche, aus dem Staub
38. Yeasayer: Fragrant World
39. The Tallest Man On Earth: There’s No Leaving Now
40. Perfume Genius: Put Your Back N 2 It


41. Kid Kopphausen: Kid Kopphausen
42. Citizens!: Here We Are
43. Soap+Skin: Narrow
44. Santigold: Makers Of My Make-Believe
45. Slime: Sich fügen heißt lügen
46. Kadavar: Kadavar
47. Edward Sharpe & The Zeros: Here
48. Fraktus: Millenium
49. Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen: Jeder auf Erden ist wunderschön
50. Hot Chip: Night & Day





Vorjahresgewinner:
* 2011: Ja, Panik – DMD KIU LIDT
* 2010: The Smith Westerns – The Smith Westerns
* 2009: Ja, Panik – The Angst & The Money
* 2008: Laura Marling – Alas I Can’t Swim
* 2007: The Good, The Bad & The Queen – The Good, The Bad & The Queen
* 2006: Love Is All – 9 Times The Same Song




und 2011?

1. Ja, Panik – DMD KIU LIDT
2. WU LYF – Go Tell Fire To The Mountain
3. Chuckamuck – Wild For Adventure
4. Girls – Father, Son, Holy Ghost
5. The Smith Westerns – Dye It Blonde
6. Finn. – I Wish I Was Someone Else
7. Locas In Love – Lemming
8. Black Lips – Arabia Mountain
9. The Rapture – In The Grace Of Your Love
10. Josh T Pearson – Last Of The Country Gentlemen

mit Text? hier


und 2010?

1. The Smith Westerns: The Smith Westerns
2. Girls: Broken Dreams Club EP
3. Manic Street Preachers: Postcards From A Young Man
4. 1000 Robota: UFO
5. Sleigh Bells: Treats
6. LCD Soundsystem: This Is Happening
7. Wave Pictures: Susan Rode The Cyclone
8. Laura Marling: I Speak Because I Can
9. Television Personalities: A Memory Is Better Than Nothing
10. Christiane Rösinger: Songs Of L. & Hate


und 2009?

1. Ja, Panik – The Angst & The Money
2. The Horrors – Primary Colours
3. Girls – Album
4. Pet Shop Boys – Yes
5. Emmy The Great – First Love
6. The Wave Pictures – If You Leave It Alone
7. Manic Street Preachers – Journal For Plague Lovers
8. Let’s Wrestle – In The Court Of The Wrestling Let’s
9. La Roux – La Roux
10. Peter Doherty – Grace/Wastelands

und 2008?

1. Laura Marling – Alas I Can’t Swim
2. Glasvegas – Glasvegas
3. No Age – Nouns
4. Crystal Castles – Crystal Castles
5. Vampire Weekend – Vampire Weekend
6. Love Is All – A Hundred Things To Keep Me Up At Night
7. 1000 Robota – Er Nicht Du Nicht Sie Nicht
8. Johnny Flynn & The Sussex Wit – A Larum
9. Hot Chip – Made In The Dark
10. Santogold – Santogold

mit Text? hier


und 2007?

1. The Good, The Bad & The Queen – The Good, The Bad & The Queen
2. Die Türen – P-O-P-O
3. LCD Soundsystem – Sound Of Silver
4. Babyshambles – Shotters Nation
5. Tocotronic – Kapitulation
6. The White Stripes – Icky Thump
7. Jamie T – Panic Prevention
8. The Cribs – Men’s Needs, Women’s Needs, Whatever
9. Friska Viljor – Bravo!
10. The Rakes – Ten New Messages

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Kommentare (7)

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  4. Was ist mit Scott Walker? Was ist mit “Blut aus Nord”? Wo ist Max Richter? Warum schaut ihr denn nicht über den Tellerrand, sondern findet den reaktionären Retro-Indiewahn auch noch gut? Wo ist ein Meisterwerk wie “Unknown Rooms” von Chelsea Wolfe?

    Neue gute Musik kann man in dieser spießbürgerlichen Retroliste für Menschen, die sich in einem grundkorrupten System bewegen, jedenfalls nicht finden. “Die Heiterkeit” waren weder punkig in der Attitüde noch ist es schöner, wenn etwas “gewollt” langweilig ist. Es bleibt einfach langweilig, oder etwa nicht?

    Wer suchet, der findet. Anderswo bessere Listen nämlich!

  5. oh. diese Liste muss man schon mögen, weil eine Menge der üblichen Verdächtigen nicht dabei snd und weil sie eine von sehr wenigen ist, in der Pond vorkommen und sogar eine mir unbekannte Band auf Platz 1.

    Meine Band Nr. 1 in 2012 scheint auch keiner zu kennen. Daher:

    Album of the year: Seluah – Red Parole

    http://seluah.bandcamp.com/album/red-parole

    Song of the year: Seluah – Black Sand

    http://www.youtube.com/watch?v=gfRIIwihvyM

    Aber Tom Liwa sollte man auch nie vergessen.

    https://soundcloud.com/billy-lametta/tokm-liwa-yoyo

    :-)

  6. Danke, erfrischend abseits der großen Pop/Punk/Rock etc Mainstreets, nette Retrospektive, v.a. der Link auf “Sarah Records”……fein!

  7. “This Many Boyfriends” klingt wie eine Mischung aus The Smiths und The Drums. Und das ist das Supertollste von 2012? Dann war’s definitiv kein guter Jahrgang…