Die zehn besten Songs 2012

10. Bleeding Knees Club: Teenage Girls





Ach, Feedback, Quengelstimmen und Texte über Teenage Girls: das Vorrecht der Punkjugend! Wem die Black Lips manchmal zu drogig versumpft sind, kann bei den beiden Australiern eine Heimat finden. Adrenalin und Extase, Ramones und die Garage in zwei Minuten und acht Sekunden.



9. Kip Kopphausen: Das Leichteste der Welt


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Es war die traurigste Nachricht, die den deutschen Indierock 2012 erreichte: Nils Koppruch, früher Fink, heute Kid Kopphausen, ist verstorben. Das ist aber nicht der Grund, warum das gemeinsame Projekt von Koppruch und Gisbert zu Knyphausen in dieser Liste auftaucht, sondern weil “Das Leichteste der Welt” ein so traurig-beschwingter Song ist, wie ihn die beiden in ihren besten Momenten eben geschrieben haben:

Denn jeder Tag ist ein Geschenk er ist nur scheiße verpackt
Und man fummelt am Geschenkpapier rum und kriegt es nur mühsam wieder ab

Doch ja ich weiß jetzt es gibt Menschen die diese Welt durchaus rechtfertigen
Die durch ihr bloßes Dasein andern Menschen leben helfen
Die lieben und lieben und lieben und lieben und lieben und lieben
Als wäre es das Leichteste der Welt

Ich will einer von Ihnen sein

Am Ende wird “Das Leichteste der Welt” von einem wunderbaren Velvet-Underground-Zitat beschlossen: “Sie singen „never mind the Darkness, Baby, you will be saved by Rock ´n´ Roll, yeah Rock ´n´ Roll”.
Goodbye, Nils Koppruch.



8. Peace: California Daze


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Zuerst zögerten wir, dem NME zuzustimmen, als drüben auf der Insel die Gruppe Peace zu den neuen Gitarrenhoffnungen ausgerufen wurden. Ihr Auftritt als Vorband der Manic Street Preachers änderte daran auch nichts, aber als wir wenig später “California Daze” in den Händen hielten, verstand man die Kollegen aus dem NME-Büro. Das ist Byrds, das sind Urban Hymns von The Verve, das hat Noel Gallaghers Gespür für die große Melodie. Zum im Park liegen und in die Sonne blinzeln.


7. This Many Boyfriends: Tina Weymouth


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Zunächst rechnet man mit einer bedingungslosen Affirmation vom Nerdtum, wenn man This Many Boyfriends Ode an die Bassistin der Talking Heads hört – auch kein Wunder, lauten Lyrics doch “I scrawled Tina Weymouth across my clean, white shirt / In permanent black marker pen, that could only make it worse / And if this is a nervous breakdown, then there’s no consequence / At least then I’ll go crazy to the sounds of Stop Making Sense”. Doch am Ende des Songs wachsen This Many Boyfriends über die reine Heldenverehrung hinaus und zeigen dass es jensseits von Platten und Filmen eine Welt gibt, die gelebt werden muss. Ein Nerdsong über das Nerdsein und die Vereinbarkeit mit der Wirklichkeit.


6. VÅR: In Your Arms


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VÅR ist das Nebenprojekt von Iceage-Sänger Elias Bender Rønnenfelt mit Loke Rahbek (Sexdrome). Im Gegensatz zu Rønnenfelts Hauptband Iceage, die sich der brutalen, nihilistischen Seite des Postpunk verschrieben haben, ist “In Your Arms” ein fünfminütiges Sehnen nach einem Ankommen, Aufgehobensein. Musikalisch sind VÅR hier eher Chillwave mit Biss oder bei den frühen The Cure zu verorten. Das dazugehörige Video, das graues Dänemark, farbige Homoerotik und die Europäische Union zusammendenkt wie niemand zuvor, ist ebenfalls bemerkenswert.


5. Chromatics: These Streets Will Never Looke The Same


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Für “These Streets Will Never Look The Same” müsste man Nicolas Winding Refn sofort wieder auf den Regiestuhl zwingen, damit der Chromatics-Track eine Fortsetzung von “Drive” soundtracken kann! Ein irre cooler, kühler Song, nie waren die Chromatics besser.


4. Die Nerven: Irgendwann geht’s zurück


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“Und andere Frauen ändern auch nichts an deinen Problemen / und andere Städte ändern auch nichts an deinen Komplexen /und andere Sprachen ändern auch nichts an deinem Zustand” singen die Nerven aus Stuttgart am Anfang ihres besten Songs. Eine Absage an den Eskapismus, eine Aufforderung, sich den Widrigkeiten des Lebens hier und jetzt zu stellen. Der Sound ist 1979, die Attitude ist jetzt.



3. Pond: You Broke My Cool


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Die Orgel zu Beginn! Die Psychedelic-Gitarren nach 17 Sekunden! Der Vocal-Einsatz nach gut einer halben Minute! Und dann eben: dieser Refrain, der beste des Jahres. So gut wie Pond mit “You Broke My Cool” hat seit Ewigkeiten keiner mehr die Garagen-Nuggets aufpoliert.


2. Bonnie ‘Prince’ Billy: I See A Darkness





Es ist wohl an der Zeit festzustellen: “I See A Darkness” von Will Oldham ist eines der herausragenden Lieder der letzten Dekade. War die ursprüngliche Variante noch ein überaus fragil hingehauchtes Todesliedchen, so ist aus dieser Vorlage in der Folge robuster, melancholischer Country (die Johnny Cash – Coverversion) ebenso entstanden wie Electropop (via Acid Pauli) und nun eben eine seltsam beschwingte Eigencoverversion von Oldham auf seiner neuen EP “Now Here’s My Plan”. Ein schöner Service: man kann nun zu jeder Tageszeit ganz nach aktueller Stimmungsschwankung zu einer Version von “I See A Darkness” greifen. Ein Soundtrack der Bipolarität.


1. Kavinsky: Nightcall


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Während wir bei den Chromatics noch auf das Drive-Sequel warten, um deren “These Streets Will Never Look The Same” dort hören zu dürfen, hat sich unser Song des Jahres tatsächlich via des Drive-Sountracks an unsere Spitzenposition geschlichen. Keine Ahnung, ob der Song tatsächlich auch ohne die Erinnerung an Drive so sehr wirken würde, aber in Verbindung mit diesem Film haben wir den Popkulturmoment 2012. Das letzte Mal, dass Film und Song so eine Wucht entwickelten, war die Schlußszene von “Fight Club”, als zu “Where Is My Mind” der Pixies die Hochhäuser der Welt einstürzten.


Ebenfalls empfehlenswert:


11. This Many Boyfriends: I Should Be A Communist
12. Mystery Jets: Lost In Austin
13. Fehlfarben: Lange genug
14. Twin Shadow: Five Seconds
15. Savages: Husbands
16. Darq E Freaker feat. Danny Brown: Blueberry
17. Breton: Edward The Confessor
18. Chromatics: Kill For Love
19. Frank Ocean: Pyramids
20. Hospitality: Betty Wang


21. Masha Qrella: Fishing Buddies
22. Perfume Genius: Dark Parts
23. Tallest Man On Earth: 1904
24. Gary: You, Lou, Stephen & Me Ca. 1995
25. Django Django: Default
26. Alt-J: Something Good
27. Merchandise: In Nightmare Room
28. Howler: Back Of Your Neck
29. Blur: Under The Westway
30. Masha Qrella: Crooked Dreams


31. Howler: Wailing
32. Mittekill: Leb Wohl
33. Die Heiterkeit: Heiterkeit
34. Brockdorff Klang Labor: Sad Eyed Punk
35. Palma Violets: Best Of Friends
36. Die Heiterkeit: Alles ist so neu und aufregend
37. Neneh Cherry & The Thing: Dream Baby Dream
38. Moon Duo: Circles
39. Father John Misty: Hollywood Cemetery
40. Toy: Motoring


41. Frank Ocean: Forrest Gump
42. Crystal Castles: Sad Eyes
43. Soap+Skin: Wonder
44. Toy: Kopter
45. Spiritualized: Hey Jane
46. Pet Shop Boys: Leaving
47. Fun.: We Are Young
48. PRAG: Sophie Marceau
49. Chapman Family: No More Tears
50. Why?: Sod In The Seed



Vorjahressieger:
2011: Ja, Panik: “DMD KIU LIDT”
2010: Best Coast: “When I’m With You”
2009: Girls: “Lust For Life” und “Hellhole Ratrace” (geteilter erster Platz)
2008: Crystal Castles vs. HEALTH: “Crimewave”
2007: The Cribs feat. Lee Ranaldo: “Be Safe”
2006: The Strokes: “Heart In A Cage”





Und 2011?

1. Ja, Panik: DMD KIU LIDT
2. The Rapture: How Deep Is Your Love
3. Ja, Panik: Nevermind
4. Locas In Love: Manifest
5. Tyler, The Creator: Yonkers
6. Metronomy: The Bay
7. WU LYF: Such A Sad Puppy Dog
8. The Strokes: Under Cover Of Darkness
9. Noah & The Whale: L.I.F.E.G.O.E.S.O.N.
10. Die Heiterkeit: Die Liebe eines Volkes hat mich zur Königin gemacht


Mit Text? Hier

Und 2010?

1. Best Coast: When I’m With You
2. Blur: Fool’s Day
3. The Drums: Down By The Water
4. Magic Kids: Hey Boy
5. Kath Bloom: Heart So Sadly
6. The Smith Westerns: Be My Girl
7. Girls: Substance
8. Clinic: Baby
9. CEO: Come With Me
10. Belle & Sebastian: I Want The World To Stop

Und 2009?

1. Girls: “Lust For Life” und “Hellhole Ratrace” (geteilter erster Platz)
2. Element Of Crime: “Kaffee und Karin”
3. The Horrors: “Who Can Say”
4. We Were Promised Jetpacks: “It’s Thunder And It’s Lightning”
5. Jamie T: “Sticks & Stones”
6. The Wave Pictures: “Tiny Craters In The Sand”
7. The Maccabees: “No Kind Words”
8. Julian Casablancas: “11th Dimension”
9. Fehlfarben: “Nichts erreicht meine Welt” (live)
10. Felice Brothers: “Penn Station”

Mit Text? Hier


Und 2008?

1. Crystal Castles vs. HEALTH: Crimewave
2. Glasvegas: Daddy’s Gone
3. Wild Billy Childish & The Musicians Of The British Empire: He’s Making A Tape
4. Hot Chip: Ready For The Floor
5. MGMT: Kids
6. HEARTSREVOLUTION: C.Y.O.A.
7. 1000 Robota: Ich blicke an dir vorbei
8. The Mae-Shi: Run To Your Grave
9. Be Your Own PET: Becky
10. Mystery Jets feat. Laura Marling: Young Love

Mit Text? Hier


Und 2007?

1. The Cribs feat. Lee Ranaldo: “Be Safe”
2. Emmy The Great: “Easter Parade”
3. M.I.A.: “Paper Planes”
4. Babyshambles: “There She Goes (A Little Heartache)”
5. Die Türen: “Indie Stadt”
6. The Indelicates: „Julia, we don’t live in the 60ies“
7. Tocotronic: “Kapitulation”
8. Joe Lean & The Jing Jang Jong: “Lucio Starts Fires”
9. Black Lips: “Bad Kids”
10. Glasvegas: “It’s My Own Cheating Heart That Makes Me Cry” (demo)

Mit Text? hier

Und 2006?

1. The Strokes: “Heart In A Cage”
2. Love Is All: “Spinning & Scratching”
3. Dirty Pretty Things: “Bang Bang You’re Dead”
4. Guillemots: “Trains To Brazil”
5. Clap Your Hands Say Yeah: “Upon This Tidal Wave Of Young Blood”

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Kommentare (2)

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  1. Na die hab ich ja dieses Jahr so ziemlich alle verpasst…

  2. Du liegst gerne im Park und blinzelst in die Sonne? Echt?