Schmähkritik (526): Rainald Goetz & Peter Handke über Suhrkamp-Mitbesitzer Hans Barlach, Gastrolle Michael Naumann (Kulturstaatsminister)

Suhrkamp: Seit ein Gericht dem Investor Bärlach in einem Streit um die Nutzung einer Villa in Berlin Recht gegeben hat, ist das Feuilleton mit fast nichts anderem mehr beschäftigt als der Geschichte “Geschäftsführerin und Haupteignerin Ulla Unseld-Berkéwicz vs. Minderheitsgesellschafter Hans Barlach”.
In der Suhrkamp-Kausa oder -Posse gab es nun eine ganze Reihe gegenseitiger Schmähungen, insbesondere die Autorenriege des Suhrkamp-Verlags hat Kanonen mitgebracht, um auf Heuschrecken zu schießen. Ein kleines Best Of:


Rainald Goetz:

“Es gibt nur schlimme Geschichten über ihn, und wenn man ihn sieht, glaubt man sie alle. Die blaue Blumenhändler-Rolex, das schütter gewellte, mittelbraun getönte Haar, die dicke, glasig gespannte Sonnenstudiohaut im Gesicht. Ich habe ihn in einer Prozesspause angesprochen, was er seine Anwälte da für einen wahrheitswidrigen Unsinn erzählen lässt. Da reagiert er wie ein stumpfer Automat, redet sofort von seinen Rechten, die er ja nur in Anspruch nimmt. Er ist auch noch ein Wimp, nicht nur ein Rechtsquerulant, ein Feigling, ein unsicherer Mensch.”

(Rainald Goetz in der Süddeutschen Zeitung)

Peter Handke:

“Aber da, da ist, nein handelt ein von Grund auf Böser, ein Abgrundböser. Ein Unhold. Und der steht auf dem Boden des Rechts? Er wühlt darin, läßt darin wühlen die Horde der schwerbezahlten Mit-Unholde. Nicht recht so. (…) Wirklich und wahr ist: Der leibhaftige HB (Anm.: Hans Barlach) hat als Neueinsteiger in unseren Verlag, in unser Haus, von Anfang an keinen guten Willen gezeigt, und nicht nur war er bar jeden guten Willens, oder meinetwegen jeder bona fide, vielmehr voll, prall, aufgeblasen prall des bösen Willens, oder der mala fide, und das ist, Moment für Moment, bis zum heutigen Tag so geblieben, womöglich noch verstärkt.”

(Peter Handke in der ZEIT)


Überaus lesenswert ist ein Kommentar im Magazin BuchMarkt, die sich ebenfalls mit der Causa Suhrkamp befasst und auf recht amüsante Art und Weise die bestürzende Ahnungslosigkeit von Kulturstaatsminister Michael Naumann auseinanderpflückt, der sich gleichfalls als Bärlach-Schmähender (“Wenn man den Suhrkamp Verlag mit einer Bachschen Fuge vergleicht, dann ist Herr Barlach der Mann mit der Fahrradklingel”) hervortat – nicht ohne zeitgleich seine Dienste als Vermittler zwischen Bärlach und Unseld-Berkéwicz anzubieten:


“Ein Favorit auf der nach oben offenen Erstaunlichkeits-Skala in der Sache Suhrkamp aber waren für kurze Zeit weder Forderungen nach Gott oder dem Bundespräsidenten, sondern Aussagen des ehemaligen Rowohlt-Verlegers, Kulturstaatsministers, ZEIT-Herausgebers und Cicero-Chefredakteurs Michael Naumann in einem wirklich lesenswerten Deutschlandradio-Interview. War seine Gegenüberstellung des Suhrkamp Verlages als der „Bach‘schen Fuge“ und Herrn Barlachs als lediglich dem „Mann mit der Fahrradklingel“ noch poetisch, so gab er offen zu, dass er nicht genau wusste, wovon er eigentlich (trotzdem) sprach: „Mir ist übrigens auch die Rechtsgrundlage nicht völlig klar, warum eine mehrheitsbesitzende Verlegerin, in diesem Fall also Frau Berkéwicz, abgesetzt werden kann, obwohl ihr der Verlag wirklich gehört.“ Frau Berkéwicz, so wollte man Herrn Naumann zurufen, soll vom Landgericht Berlin nicht als Verlegerin und auch nicht als Mehrheitsbesitzerin abgesetzt, sondern – dies ein im sonstigen Wirtschaftsleben übrigens gar nicht so seltener Antrag – in ihrer Funktion als Geschäftsführerin abberufen werden.

Ebenso kenntnisreich war eine weitere Beobachtung, die Herr Naumann exklusiv gemacht hatte, nämlich die, dass das Landgericht Berlin „Spitzenlektoren des Hauses“ zu „Geldstrafen“ verurteilt habe. Diese könnten die „Strafen“ übrigens auch gar nicht bezahlen, denn „der Richter hat wohl keine Vorstellung, wie gering im deutschen Verlagsgewerbe die Gehälter von Lektoren sind“. Erstinstanzlich und damit nicht rechtskräftig zu Schadensersatz verurteilt, keineswegs aber strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen, hat das Gericht bekanntlich nicht irgendwelche Lektoren mit Volontärsgehalt, sondern die drei Verlagsgeschäftsführer.

Sehr interessant auch Naumanns Vermutung, dass Investor Barlach sein Geld mit „Abgüssen seines Großvaters Barlach“ verdient habe, die man „aus den Anzeigen für gebrauchte Autos“ kenne. Es ist noch nicht bekannt, wo Herr Naumann seine Autos kauft, aber es steht zu zweifeln, dass sich in vielen Autohäusern Barlach-Skulpturen befinden. Kaum weniger erratisch war seine Mutmaßung, dass Barlach „in Wirklichkeit im Auftrag von anderen handelt“. Auf die Nachfrage, wer das denn sein solle, antwortete er „Das kann auch ein Hedgefonds-Manager aus dem Ausland sein. Weiß der Teufel.“”.


(Rainer Dresen in der “Die Rechte-Kolumne” im BuchMarkt)





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