Django Unchained (Regie: Quentin Tarantino)



1. Der Film in einem Satz:


Say it loud: he’s black and he’s proud


2. Darum geht‘s:


Der deutsche Ex-Zahnarzt-und-jetzt-Kopfgeldjäger Dr. Schultz (Christoph Waltz) befreit den Sklaven Django (Jamie Foxx) aus der Gefangenschaft, um dank ihm die Brittle Brothers aufzuspüren. Nachdem auf einer Plantage die drei Sklavenaufseher beseitigt wurden, wächst ein zartes Band der Freundschaft zwischen Schultz und Django, so dass Schultz seinen Kompagnon unterstützt, dessen ebenfalls versklavte Ehefrau Broomhilda zu befreien. Dazu reisen beide zu einer herrschaftlichen Südstaatenvilla, in der der allmächtige Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) mit seiner rechten Hand, dem Sklaven Stephen (Samuel L Jackson), residiert. Schultz und Djangos ausgeklügelter Plan, Broomhilda zu befreien, treibt unweigerlich auf eine große, letzte Konfrontation (oder zwei, oder drei…) zu….

Aufgeschrieben und nachgelesen mag Tarantinos Plot simpel und schnell erzählt klingen, doch in ausufernden 165 Minuten nimmt er auf dem Weg genügend Abzweigungen, kleine Geschichten und große Actionsequenzen mit, dass keine Sekunde Langeweile aufkommt.
Viel wichtiger aber: Tarantino hat eine Agenda. Natürlich ist “Django Unchained” eine Homage an den Italo-Western, jene Reaktion auf die alten John-Wayne-Erzählungen, die mit dem Mythos des edlen Cowboy-Ritters aufräumte und den amoralischen Helden im Genre einführte. Aber QT nutzt seinen Django für einen politischen Film gegen Rassismus und gegen die Verdrängung der Sünde der Sklaverei. In gewisser Weise spielt Christoph Waltz mit seinem Dr. Schultz Tarantinos alter ego: ein glühender Verfechter der Gleichheit, der das Licht der Aufklärung in den dunklen Westen trägt, aber dabei einen Heidenspaß hat und bei allen geschliffenen Monologen selbstredend der ultra violence nicht abgeneigt ist (ist Schultz doch Kopfgeldjäger bzw. Tarantino ein Exploitation-Nerd).





So wundert es auch wenig, dass Waltz Herz und Seele des Films ist. Egal wie überzeichnet die Figur erscheinen mag, wie schon in “Inglorious Basterds” stiehlt Waltz jede einzelne verdammte Szene, dominiert er dermaßen, dass “Django Unchained” tatsächlich erst dann an Stringenz verliert, wenn sich auch Waltz aus dem Film verabschiedet und Jamie Foxx als Django die letzte halbe Stunde alleine tragen muss. Überhaupt liegt in der Figur von Django die eine Schwäche des Films: während um Jamie Foxx herum die Charaktere ambivalent gezeichnet und atemberaubend gut gespielt sind, ist Django eine leere Hülle, die uninteressanteste Figur des ganzen Films. Wenn man dagegen sieht, wie Samuel L Jackson hier den primus inter pares – Sklaven spielt und seine herausgehobene Stellung so genießt, dass er Djangos Ansinnen der Sklavenbefreiung als Gefährdung seines eigenen Lebenstils sieht oder Leonardo DiCaprio als Plantagenbesitzer sich in seinen Begegnungen mit Dr. Schultz’ Christoph Waltz ebenbürtig erweist und den Sadisten wie den Intellektuellen zugleich gibt und dabei die vielleicht beste Performance seines Lebens liefert, kann einem Jamie Foxx beinah leid tun, dass Django “nur” Rächer sein darf und von Tarantino keine Doppelbödigkeit geschenkt bekam.





Dass also “Django Unchained” fast durchgehend mit einer wunderbaren Schauspielführung brilliert, ist bei Tarantino nicht überraschend. Dass er so deutlich eine politische Agenda vertritt, schon eher – aber man sollte nicht vergessen, dass ausgerechnet der alte Nerd und Jungsfilmer Tarantino mehr für die Emanzipierung der Frau auf der Leinwand getan hat als praktisch jeder andere seiner Kollegen: die Hälfte seiner Filme stellt die Frau als Handelnde in den Mittelpunkt und war so immer ein Gegenpol zur üblichen Hollywood-Rätselei, was denn eine Frau über das Prinzip Gehilfin oder Pin-Up sonst in einem Film noch machen könne.

Ein, zwei Sätze bleiben noch zur üblichen Kritik an Tarantinos Gewaltexzessen zu sagen: wie meisterhaft hier Tarantino Gewalt als Stilmittel einsetzt, sollte eigentlich jede Mäkelei obsolet machen. Den ganzen Film über gelingt es Tarantino, Gewalt trennscharf auf zwei verschiedene Arten darzustellen. Es gibt die (übliche) comichafte, überinszenierte Gewalt gegen die Unterdrücker, die befreiend auf den Zuschauer wirkt, und es gibt die verstörende, harte Gewalt gegen die Unterdrückten, die sich dem Entertainment versagt (und wiederum die politische Agenda von Tarantino in “Django” verstärkt).
Wie er hier manchmal innerhalb weniger Szenen diese beiden Arten von Gewalt aufeinanderfolgen lässt und dabei immer den richtigen Ton trifft, zeigt nicht nur, was für ein großartiger Handwerker Tarantino hinter der Kamera ist, sondern führt auch alle “sinnlose Gewaltexzesse”-Kritiken ad absurdum.


3. Der beste Moment:


Jeder Dialog mit Christoph Waltz und im Besonderen die verbale Konfrontation mit Leonardo DiCaprio.
Hier gelingt Tarantino ähnliches wie in der bereits heute legendären Eröffnungssequenz von “Inglorious Basterds”: eine irre Spannung nur mit Worten zu erzeugen. Es ist kein heroic bloodshed (den gibt’s später natürlich auch noch) nötig, um uns an die Kinositze zu fesseln, es reicht, Waltz und DiCaprio beim Abendessen zuzuschauen.



4. Diese Menschen mögen diesen Film:


Natürlich jeder, der die epischen Tarantinos mochte, von “Pulp Fiction” bis zu “Inglorious Basterds”.



* Regie: Quentin Tarantino
* imdb

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