Herr wirf Geschmack vom Himmel: Fußballer und ihre Lieblingslieder

Da ist mir die WELT jetzt tatsächlich zuvor gekommen, wollte ich doch einen derartigen Text auch schon ewig mal zusammenfassen: Fußballer und ihre Lieblingslieder!




Dass der Musikgeschmack “unserer” Fußballstars diesseits von Mehmet Scholl fürchterlich sein würde, hatten wir schon immer geahnt. Scholl ist in der Zwischenzeit ein respektabler Radio-DJ geworden und ließ einst auf seinem Abschiedsspiel die kanadische Queercore-Band Hidden Cameras auftreten, was gerade im ultra-homophoben Kontext der Fußballszene schon ein sehr schönes Fuck You war. Zum Hidden-Cameras-Hit “Golden Streams” existiert im übrigen auch ein, nun ja, sehenswertes Video:


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Der Rest dagegen: The Bad, The Bad & The Ugly



(Marcell Jansen und der Ärger, wenn der Tätowierer sich bei der Lieblingsband verschreibt! ScorpionS, ffs!)


Wer dagegen die Frisuren von Mario Götze und Marco Reus sieht, den wundert die Justin-Bieber-Vorliebe ebenso wenig wie er es überraschend findet, dass Ganzkörpertattooteppiche wie bei Marcell Jansen auf eine Vorliebe für Proll-Rap der Marke Bushido hindeuten – folgerichtig hat sich Jansen auch schon so bei dem Ex-CDU-Praktikanten Bushido angebiedert, so dass beide zusammen auf der Bühne standen:


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… eine Ehre, die übrigens auch schon Dortmunds Roman Weidenfeller widerfahren ist. Auch nicht besser: Jerome Boateng, der den Frauenschläger Chris Brown verehrt.



Dass mit Toni Kroos einer der unausstehlichsten Fußballer des Landes ausgerechnet aber auf Pur steht…

Toni Kroos hingegen schwärmt für Pur, mit Sänger Hartmut Engler ist er eng befreundet. Der Nationalspieler kann alle Lieder der Band mitsingen und besucht gern ihre Konzerte.

ist dermaßen passend, dass man ein klein wenig Freude nicht verhehlen kann. Meine Güte, der Kerl ist noch keine 25 – hatte der denn überhaupt keine Jugend? Aber auch hier gilt wohl: Style & Aussehen folgt Geschmack:



(Toni Kroos im Nationaltrikot statt im “Abenteuerland” und deshalb wohl mit “dickem Hals”)


Fast sympathisch wirkt es dagegen schon, wenn David Alaba (Bayern München) sich vom holländischen Nationalspieler Ryan Babel (Ex-Hoffenheim) filmen lässt, wenn er beim cruisen über deutsche Autobahnen aus voller Kehle Justin Bieber mitsingt:


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… und damit schon mal stimmfester klingt als Vereinskollege Holger Badstuber, der vor einigen Wochen ein mehr als bizarres Video von sich selbst auf youtube hochgeladen hat, bei dem er einen Union-Berlin-Fangesang vor dem Fernseher anstimmt. WTF?!? sagen die jungen Leut’ dazu dann wohl:


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Die Welt listet übrigens auch explizit die Top-Songs von sechs Stars auf – da die hiesige Leserschaft in diesen Kreisen hoffentlich ja nicht allzu bewandert ist, habe ich mir die Mühe gemacht, die Songs zum An- bzw. besser: Reinhören herauszusuchen:

Jerome Boateng (Bayern München): “Beautiful People” von Chris Brown




Dennis Aogo (Hamburger SV): “Clique” von Kanye West feat. Big Sean und Jay-Z

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Oscar Wendt (Borussia Mönchengladbach): “Diamonds” von Rihanna:

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Marco Reus (Borussia Dortmund): “Champions” von Ron Artest

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(kurios übrigens: Ron Artest hatte für seine Basketballkarriere offiziell seinen Namen in Metta World Peace ändern lassen. Bizarr, dass er ausgerechnet für seine Hip-Hop-Platten dagegen seinen Geburtsnamen verwendet – spricht daraus die Sorge, dass er unter seinem Künstlernamen von Fans von Old Dirty Bastard, Ice Cube oder Ghostface Killah nicht ernst genommen werden würde??) Anm. aus den Kommentaren: wahrscheinlich hat Artest den Song 2010 geschrieben, sich aber erst 2011 offiziell in Metta World Peace umbenannt.


Benedikt Höwedes (FC Schalke 04): “Can’t Hold Us” von Macklemore & Ryan Lewis

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Höwedes hat dabei noch den kredibelsten Musikgeschmack, immerhin finden sich in seiner Top-6-Liste noch Coldplay (na gut…), M.I.A. (mit Bad Girls) und der alte Hippie-Priester Edward Sharpe mit dem tatsächlich tollen “Home” wieder:


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Andre Schürrle: “Sovereign Light Cafe” von Keane im Afrojack Remix:

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Im Kicker gab zudem der Dortmunder Ilkay Gündogan kürzlich ebenfalls seine Vorlieben preis:“Der Rapper Pitbull macht richtig gute Musik, auch mit anderen Künstlern!”

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An selber Stelle entblödete sich Julian Schieber übrigens vor ein, zwei Jahren auch nicht, Dieter Bohlen nicht nur für seine geile Musik abzufeiern, sondern gleich in den Rang “des bedeutendsten Deutschen” zu erheben (ja, der Kicker stellt tatsächlich solche Fragen):

“Dieter Bohlen. Egal. was er macht, er ist lustig anzuschauen und unterhält mich bestens. Er hat mit seiner Musik und seinem Entertaiment unglaublich viel erreicht und viel geleistet.”


P.S.: Abgesehen davon dass sich der Welt-Artikel ein klein wenig wie ein “Erlebnisaufsatz aus den Schulferien” liest, ist es fast bezeichnend, dass einer der wenigen guten dort aufgeführten Acts auch dem Autor selbst noch völlig unbekannt zu sein scheint…





… denn “Ocean” ist natürlich kein Künstler, der mit “Lost Frank” einen Megahit landen konnte, sondern vielmehr der gute Frank Ocean mit seinem Song “Lost”:







(Mit Dank an Dembowski für den Hinweis auf den WELT-Artikel!)

Kommentare (17)

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  1. Den Vergleich mit dem Mathe-Prof. finde ich sehr treffend.
    Natürlich sind Geschmäcker unterschiedlich und ich möchte niemanden anhand von soetwas verurteilen, aber ich finde, dass man durchaus zwischen “echter”, ehrlicher und kulturellen Wert beinhaltender Musik und auf der anderen Seite wertloser, profitorientierter Wegwerf-Popmusik unterscheiden kann/sollte. Und einige der genannten Stücke sind durchaus Paradebeispiele für letztere Kategorie. Allerdings habe ich persönlich durchaus Verständnis für Menschen, die Musik eher beiläufig und oberflächlich hören und keinen differenzierten Geschmack entwickelt haben. Das einzig Ärgerliche daran ist für mich, dass diese den Erfolg eben erwähnter Art von Musik erst ermöglichen, der unverdienter kaum sein könnte.

  2. Diese militanten Fußballfans…eyeyey…

  3. ho ho ho “amüsiert – not”… das ist hier ja wie im richtigen leben mit den fussballfans!
    bißchen ironie und gleich aggro schieben…

  4. @amüsiert – na, klar – Checker wie Dich hat die Welt gerade noch gebraucht.

    Zeit zu schade? – Mein Beileid. Musst Du noch Unkraut rupfen im Bio-Dachgarten? Hauptsache, man distanziert sich vom Bockmist, dem man seinen Namen geliehen hat.

  5. Andere Fußballer, andere Geschmäcker. Ich finds aber klasse, dass viele von denen so offen über ihren Musikgeschmack reden. Nichtsdestotrotz entspringt der größte Teil der Kommerzecke.

  6. hehehe… ein mini-shitstorm im popblog.

    ich fand den artikel äußerst amüsant und die kommentare darunter fast noch mehr. wie schön sich die leute aufregen und selbst austeilen ohne mit der wimper zu zucken…

    mir ist allerdings meine zeit zu schade, um auf all die vorwürfe einzugehen, nur ein hinweis sei an dieser stelle erlaubt: die blogs der taz werden (zum großteil) nicht von redakteur*innen der tageszeitung geschrieben… so auch dieser hier nicht.

  7. “Aber auch hier gilt wohl: Style & Aussehen folgt Geschmack.”

    1.Geht’s noch? Und das aus der Höhle der Birkenstock-Gender-Löwinnen. Pseudo politisch-korrekte Heuchelei.

    2. Dass sich ein Musikexperte über 0815-Hörer ereifert (und Humor mit Häme verwechselt), ist wie ein Mathe-Prof, der Drittklässler wegen ihrer Schwierigkeiten bei der Bruchrechnung verlacht.

    3. Dass ein Journalist faul ist – ok. Dass er darauf mit den Worten “Da ist mir die Welt tatsächlich zuvor gekommen” extra hinweist und sich dann darin ergeht, diesen ohne jede Erkenntnis-Erweiterung ellenlang zu kommentieren – ist das taz-style?

  8. Intolerante Kakophonie, Christian Ihle !
    Da werden Rapper, Teenie-Schwärme und deutsche Pop-Bands in einen Topf geworfen und umgerührt. Dämlich und überflüsig !

  9. ich finde diesen eintrag SEHR unterhaltsam! wenn auch wenig überraschend ;)

    danke dem schreiberling!

  10. Herr Ihle, was haben Sie denn erwartet in einem Land, in dem Udo Jürgens ungestraft “Wir sind schon auf dem Brenner” veröffentlichte und Holger Fach mit Linda Bresonik und Inka Grings bewiesen hat, dass es Fußballspieler vor gar nichts graust?

  11. Ich finde Geschmack ist doch verschieden. Was ist denn angesagt? Wer sagt denn, Rap, Techno oder anderer moderner Quatsch ist in?

    Wenn jemand PUR mag soll man ihm das lassen. Wer weiß was für böse CD`s von Ihnen Herrn Ihle im CD-Schrank stehen, vielleicht Helene Fischer oder irgendwas.

    Und um sie zu zitieren: “Herr wirf Gehirn runter”.

  12. ein wirklich sehr unnötiger Artikel und mehr als ärgerlich!

  13. “an Ron Artest aka Metta World Peace ist so einiges kurios – nicht aber dass er das Album unter seinem Geburtsnamen veröffentlicht hat. Seinen Namen hat er erst 2011 geändert, das Album erschien einige Jahre früher.”

    aber der Song ist doch gar nicht auf dem Album drauf, oder?
    http://www.amazon.com/My-World-Dvd-Ron-Artest/dp/B000IHYWBI

    Lt. Wikipedia ist der von Reus hier nominierte Track im gleichen Jahr erschienen wie er seinen Namen geändert hat:
    “Neben seiner Basketball Karriere engagiert Artest sich auch als Rapper und veröffentlichte 2006 ein Album namens “My World”. Zudem steuerte er den Song “Champions” zum Soundtrack der Basketball-Simulation NBA 2K11 bei. (…) Im September 2011 ließ Artest seinen Namen in „Metta World Peace“ ändern.[2] Dabei ist Metta, ein aus dem Buddhismus stammender Begriff für Freundschaft und Liebe, der Vorname, World Peace („Weltfriede“) der Nachname.”

    —-
    aber abgesehen davon ist das sicherlich die wahrscheinlichste Begründung, dass er den Track schon früher geschrieben hatte, warum er hier noch seinen alten Namen aufträgt (das oben verlinkte Video wurde ja auch schon 2010 hochgeladen).
    Im Grunde wollte ich nur mal über den tollen Künstlernamen schreiben ;-)

  14. Na Gott sei Dank haben wir die politisch korrekten, toleranten und respektablen Menschen der TAZ, die in keinster Weise über andere Meinungen, Geschmäcker oder sonstiges urteilen!

  15. “kurios übrigens: Ron Artest hatte für seine Basketballkarriere offiziell seinen Namen in Metta World Peace ändern lassen. Bizarr, dass er ausgerechnet für seine Hip-Hop-Platten dagegen seinen Geburtsnamen verwendet”

    an Ron Artest aka Metta World Peace ist so einiges kurios – nicht aber dass er das Album unter seinem Geburtsnamen veröffentlicht hat. Seinen Namen hat er erst 2011 geändert, das Album erschien einige Jahre früher.

  16. Die eine Hälfte hört einen Frauenverprügler, der nächste findet Musiker aus Bietigheim-Bissingen knorke, wieder einer hält Dieter Bohlen für bedeutender als Hitler und der Rest stellt sich mit einem Musiker auf die Bühne dessen halber Wikipedia-Eintrag sich so liest:

    4 Kontroversen und Kritik
    4.1 Positionen und Liedtexte
    4.1.1 Vorwurf des Rechtsextremismus
    4.1.2 Vorwurf der Frauen- und Homosexuellenfeindlichkeit
    4.1.3 Vorwurf des Antisemitismus und Islamismus
    4.1.4 Vorwurf der Jugendgefährdung
    4.1.5 Haltung zum Staat Israel
    4.2 Prozesse und Verurteilungen
    4.2.1 Körperverletzung
    4.2.2 Beleidigungen
    4.2.3 Urheberrechtsverletzungen

    … da darf man dann schon auch mal spotten.

  17. “kredibelsten Musikgeschmack” … wer gibt eigentlich solchen Leuten wie euch immer das Recht über andere Musikgeschmäcker zu urteilen. Ich bin mir relativ sicher, dass ich euren auch scheiße finden würde.