Neue Platten: Yeah Yeah Yeahs (6/10), Chuckamuck (8/10), Snoffeltoffs (8/10)

Yeah Yeah Yeahs





Wer: Band um Karen O, die interessanteste Frontfrau des letzten Jahrzehnts, die zwar in den Tagen des Garagepunk-Revivals um Strokes & Stripes auf die Bühne marschierten, aber immer einen deutlich stärkeren Art- und Post-Punk-Ansatz hatten.


Bisherige Glanzleistung: Immer noch jene erste, selbstbetitelte 5-Track-EP von 2002. Was für ein irres Brett das damals war. Art Star („I got a dealer in Tokyo. I got a rep in Paris. I got a agent in Cologne. Shit, I got a gallery in New York.“), Miles Away, Bang, Mystery Girl. Ja, Karen O war tatsächlich the girl who tamed the tiger.
the girl hit hard like a barracuda baby!


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Jetzt: So sehr ich die angesprochene Debüt-EP auch neben der Strokes „Hard To Explain“/“New York City Cops“-Single für die beste EP der letzten Dekade halte, Karen O bewundere und Nick Zinner einen der begnadetsten Gitarristen der Gegenwart nenne, muss ich eben auch mal sagen: auf Albumlänge haben die Yeah Yeah Yeahs noch kein einziges Überwerk abgeliefert, das mit den Zeitgenossen wie White Stripes (Elephant, White Blood Cells) oder Strokes (Is This It) auf Augenhöhe wäre. Gute Songs, klar, aber ein durchgängig überzeugendes Album, das in jeder Sekunde schlüssig im Songwriting ist? Eher nein.

Auch mit „Mosquito“ wird sich das nicht ändern, zwar haben Karen und die beiden Jungs wieder Wahnsinnshits wie die erste Single „Sacrilege“ und vor allem „Despair“ geschrieben. Aber für jeden Hit gibt es belanglos vor sich hindudelnde Lieder wie „Subway“, das, direkt nach „Sacrilege“ im Tracklisting platziert, gleich mal schön antiklimatisch wirkt. Ähnlich überflüssig ist „Buried Alive“, das mit einem Hip-Hop-Part von Dr. Octagon aufwartet und unschön an längst vergangene „Judgement Night-Rap-Rock-Kollaborationen erinnert.

Auch auf die Gefahr hin noch strukturkonservativer zu klingen als eh schon: es ist schwer zu begreifen, warum man einen Nick Zinner in der Band hat und ihn dann so weit von den Gitarren wegstellt. Auf „Mosquito“ ist es nicht mehr ganz so übertrieben wie auf dem Synthie-wankfest „It’s Blitz“, aber dennoch vermisst man seine kreativen Ausbrüche an der Gitarre, die ein gutes Gegengewicht zur ansonsten sehr dominanten Karen O darstellten. Und wenn doch mal der Regler auf 11 gedreht wird, dann hangelt man sich haarscharf an der Selbstparodie entlang wie in „Area 52“. Da waren selbst die Pixies subtiler, als sie über Aliens gesungen hatten…

Gegen Ende bekommen die Yeah Yeah Yeahs aber noch einmal die Kurve, interessanterweise gerade bei den introspektiven Songs. Neben „Always“ überzeugt vor allem das bereits erwähnte „Despair“, das an den wohl meistgeliebten YYY-Track „Maps“ erinnert, und eine schön-bittere Retrospektive auf eine Dekade Band-Dasein und Karen-O-Sein bildet: „Oh despair, you were there through my wasted days / You’re there through my wasted nights / You’re there through my wasted years / You’re there through my wasted life“.



Wertung: 6/10


Höhepunkt:
Erste Single „Sacrilege“…
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… und vor allem auch das großartige „Despair“.


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Chuckamuck





Wer: Blutjunge Berliner Burschen, bereits mit Album Nummer 2 am Start.


Bisherige Glanzleistung: Das wirklich hervorragende Debütalbum. Ein Garagen-Schrammel-Werk, wie man es so ungeschliffen und gleichzeitig unangestrengt, unverkopft hierzulande wirklich nie zu hören bekommt!
Hervorragend in all seiner jugendlichen Ungestümtheit und deshalb damals auch zurecht auf Platz 3 in unseren Alben des Jahres vertreten.


Jetzt: Nach internen Bandumbesetzungen erscheint das zweite Album „Jiles“ und klingt aufs erste Hören zunächst erschreckend zahm. So fürchteten wir, Chuckamuck wären nicht nur zwei Jahre älter, sondern auch reifer, weiser, blabla etc pp. Aber dann fällt doch auf: der Quatschfaktor ist gleich hoch geblieben, man ist im Chuckamuck-Lager nur musikalisch ein wenig experimentierfreudiger geworden. Mit Verblüffung registrieren wir Dub-Ansätze („War was“) und begrüßen freudig die mariachi-esquen Bläser im Schlußsong „Laufe laufe“.

Natürlich sind Chuckamuck auch noch genug in der Garage unterwegs wie „Hitchhike“ gleich zu Beginn beweist, aber es wird deutlich, dass sie mehr eine Neudefinition einer Beat-Band sind als einfache Garagenschrammler. Am ehesten erinnern Chuckamuck 2013 an die frühen Ärzte, als jene noch die „Teenagerliebe“ besangen und „Anneliese Schmidt“ ein Ständchen brachten. Höhepunkt des Albums ist dann übrigens tatsächlich eines der erfolgreichen Experimente: „Laufe laufe“ mit seinen Bläsern und einem Wehmut, den man nach Stücken über Bill McGrill, Geistergirls oder, nun ja, den „Fischsong“ eben nicht erwartet hätte. Nach anfänglicher Skepsis mein meistgehörtes Album der letzten Wochen, Monate.



Wertung: 8/10


Höhepunkt:
„Laufe Laufe“ (Chuckamuck, experimenteller Modus) und „Hitchhike“ (Chuckamuck, klassischer Modus):


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Snoffeltoffs – EP





Wer: Zwei blutjunge Berliner Burschen. Einer davon Ex-Chuckamuck, der andere eine Maschine an Drums und Bass.



Bisherige Glanzleistung: Wunderbar rauhe Konzerte, bei denen vor allem die Kondition des Drummers, der gleichzeitig auch Bass spielt (wozu hat man auch Hände und Füße?), staunen lässt.


Jetzt: Eine Debüt-EP, die vor allem dank des Krachers „Pretty Girl“ an die Strange Boys in ihren wildesten Momenten oder an runtergeholzte Black-Lips-Garagenknaller erinnert. Gerade wenn man denkt, dass die Snoffeltoffs doch ein bisschen zu eindimensional wären mit ihren knees up – Rhythmen und knallhart durchgepeitschten Songs kommt in „I Don’t Know“ noch eine Orgel um die Ecke, die einen nicht vermuteten Psychedlica-Einfluß erahnen lässt. Mal sehen wie sich das auf Albumlänge entwickelt, aber für eine EP ist das so rauh, schrammelig und geradlinig wie Garagerock in seinen besten Momenten sein soll.



Wertung: 8/10


Höhepunkt: Pretty Girl


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