Neue Platten: Nick Cave, Queens Of The Stone Age, She & Him, Beliefs, Keith Top Of The Pops

Im Schweinsgalopp durch den Record-Shop oder die (fast) Twitterisierung der Popblog’schen Plattenreviews: Kurzkritiken also, damit die Unmengen an Musik nicht völlig kommentarlos an uns vorbeirauschen, sondern wenigstens in Töpfchen/Kröpfchen-Manier eingeteilt werden können.


Queens Of The Stone Age – …like Clockwork





Eine enttäuschende Rückkehr der Riffgroßmeister des letzten Jahrzehnts. Glattpolierter, überproduzierter Altherrenrock um den roten Riesen Josh Homme. Wo sind die Riffs, wo ist der trockene Wüstenboden, über den die Queens sonst immer marschierten? Wen interessiert eine All-Star-Riege um Dave Grohl, Nick Oliveri, Trent Reznor, Alex Turner und Elton John, wenn das Ergebnis so öde klingt?
Feel Good Hit Of The Summer, it ain’t.

Wertung: 5/10


Höhepunkt: If I Had A Tail

http://www.dailymotion.com/video/xzz66j


Nick Cave & The Bad Seeds – Push The Sky Away




Nach dem Auflug in die Garage mit Grinderman, der den zwei bis drei Generationen jüngeren Epigonen mal schnell gezeigt hat, wo Cave den Most holt, kehrt der ewige Düstermann des Indie-Rock mit seiner „alten“ Band zurück – und dreht gleich mal die Regler wieder in den Normal-Bereich. Ein hervorragendes Album, das weniger überbordend als gewohnt ist und sich für Cave’sche Verhältnisse geradezu reduziert präsentiert, aber in der Atmosphäre dennoch nichts an der üblichen Bedrohlichkeit einbüßt. Als Zugabe gibt es mit dem „Higgs Boson Blues“ gleich noch den besten Dylan-Song seit „DMD KIU LIDT“ von Ja, Panik.

Wertung: 8/10


Höhepunkt: Higgs Boson Blues

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Beliefs – Beliefs





Eine hierzulande noch völlig unbekannte kanadische Band, die in die Shoegaze-Fußstapfen der Kollegen von The Pains Of Being Pure At Heart tritt, dabei aber nicht deren Hang zu verweichlichter Süsslichkeit teilt, sondern sich rauh an der gleichen Wall Of Sound reibt wie die Urahnen des Genres von My Bloody Valentine zu The Jesus & Mary Chain, die ihre Gitarrenwände in Soundkathedralen hochzogen. Hörenswerter Krach.

Wertung: 8/10


Höhepunkt: Catch My Breath
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She & Him – Volume 3





Schauspielerin Zooey Deschanel arbeitet weiter an ihrem fall from grace. Nachdem schon der TV-Mainstream-Durchbruch „New Girl“ der „(500) Days Of Summer“ – Indiegöttin nur sehr bemüht lustig war, hat sie spätestens bei diesem dritten regulären Album ihres gemeinsamen Musikprojekts mit Bright-Eyes-Kollaborateur M Ward allen guten Willen verspielt. Zuckersüße, überflüssige Niedlichkeitsminiaturen, aufgeblasene Nichtigkeiten – und ein Blondie-Cover („Sunday Girl“) das exakt niemand gebraucht hat.
Vielleicht sollte Zooey einmal zur Kollegin Krysten Ritter (bekannt aus „Breaking Bad“ und „Apartement 23“) schauen, die im DIY- und Ulta-Lofi-Style ihre Lieder bloß legt und nicht fehlendes Songwriting durch überkandidelte Pseudo-60s-Arrangements übertünchen muss.

Wertung: 3/10


Höhepunkt: keiner, dafür lieber hier Krysten Rytters Band Ex Vivian hören:
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Keith Top Of The Pops – TOTP2





Keith TOTP ist Kumpel von Eddie Argos und den Indelicates und so natürlich gut verankert in der britischen Uber-Indie-Szene. Auf seinem zweiten Album hat dann natürlich auch unter anderem Art-Brut-Frontmann Argos einen Gastauftritt und singt Keith TOTP wie gehabt vom Leben am Rand des Business. Am Besten gelingt das in „Morrissey will never forgive me“, das hauptsächlich aus Smiths-Lyrics gebastelt ist und diesen Nerdism mit einem gesund voranrockenden Song verbindet. Die Balladen könnte sich Keith zwar sparen, aber dennoch ein sehr sympathisches Album für den abgehängten Indie-Nerd in uns.

Wertung: 6/10


Höhepunkt:
Morrissey will never forgive me (mp3)

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