vonChristian Ihle 27.03.2014

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Heute abend wird der ECHO „verliehen“, die egalste Auszeichnung der Welt. Wahrscheinlich bekäme kaum jemand außerhalb der Musikzirkel selbst die Verleihung mit, würde man nicht jetzt im zweiten Jahr in Folge mit Frei.Wild einen Affentanz aufführen, der auf keine Kuhhaut mehr geht. Letztes Jahr hat man die Südtiroler Band nach langem hin und her ausgeladen, dieses Jahr nach Einberufung eines Ethikrates (!) wieder eingeladen – nur dass sich die Dumpfrocker selbst wieder ausladen konnten und dabei die lächerlichsten Krokodiltränen der ganzen Nation vergießen durften:

„Wir wurden als Band samt unseren Fans mit der Ausschluss-Entscheidung von 2013 diffamiert und geschädigt. Als Folge daraus sind Dinge passiert, dessen sich die Verantwortlichen wahrscheinlich nicht bewusst sind, oder die sie schlichtweg verdrängen. Dabei überwiegt nicht etwa wirtschaftlicher Schaden, denn ganz ehrlich, die Sache hatte ganz gewiss auch einen Werbeeffekt zur Bekanntheitssteigerung, sondern die Verletzung auf der emotionalen und seelischen Ebene, die der gesamten Frei.Wild-Familie zugefügt wurde.“



Ach herrje. Das einzige, was diesen albernen, kindischen Nominierungsquatsch erträglich macht, ist die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, so etwas wie die inoffizielle Nachfolgeband von Superpunk. Ich bin immer noch kein Fan des Bandnamens (komplizierter und gestelzter ging’s dann nicht mehr, ja?), aber DLDGG (wie wir Fans sagen) sind nun mal das beste Pflaster auf die Wunde, die der Superpunk-Abschied gerissen hat. War das Debüt-Album vor zwei Jahren schon recht ordentlich und hat dank des Knallers „Die Gentlemen Spieler“ gleich auch noch bizarrerweise den offiziellen Titel „Fußballsong des Jahres“ gewonnen (kein Scherz), ist das in Bälde erscheinende Album Nummer Zwei von DLDGG um Sänger Carsten Friedrichs sogar das beste Superpunk-Album seit „Einmal Superpunk, bitte!“ geworden. Die erste Single trägt mit „Rock-Pop National“ den gleichen Titel wie eine der Idiotenkategorien beim ECHO und singt mit würdevoller, fußaufstampfender Verzweiflung über die Ignoranz solcher Preis-Verleiher, der musikhörenden Masse, der nominierten Acts, ach, eigentlich über alles, was nicht bei Drei vernünftig zu Northern Soul tanzen kann:

Rock Pop National
Rock Pop National
All diese Menschen hätten die Wahl
Es gibt doch Motown, Creation oder auch Sun
Es gibt doch Stax, Ata Tak, Flying Nun!

Warum tut man sich sowas bloß an,
wenn man alles sonst auf Erden stream kann?
Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus
so hässlich, so dämlich, man hält es nicht aus!


Soundcloud-Link


Ein Video gibt es dazu leider noch nicht. Das dazugehörige Album „Alle Ampeln auf Gelb“ erscheint am 9. Mai.

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https://blogs.taz.de/popblog/2014/03/27/song-der-woche-rock-pop-national-von-die-liga-der-gewohnlichen-gentlemen/

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kommentare

  • Ich hab jetzt auch mal ein bisschen nachgeschaut, Du hast wohl recht, dass sich „Die Liga …“ wortspielerisch auf Alan Moore bezieht, dieser sowie Robert Fripp wiederum auf den Film von 1959 und dessen Referenzgröße einer Gruppierung englischer Adliger im 19. Jh.. Cool, das alles.

  • Also Robert Fripp veröffentlichte Anfang der ’80er mit dem Bandprojekt League Of Gentlemen (unter Beteiligung von ex-Magazine oder ex-XTC-Musikern oder so) zwei, drei LPs mit ziemlich gutem Avantgarde-Rock. Und ich dachte bisher, dass sich „Die Liga …“ darauf bezieht.

    Diese Alan-Moore-graphic-novel kannte ich wiederum nicht, von wann ist das denn, vielleicht hat sich ja bereits Robert Fripp darauf bezogen.

    Vielleicht kann man die „Liga“-Jungs einfach mal fragen. Ist schon ein sperriger Name, klar, aber irgendwie schon gut, finde ich. Allein dadurch, dass man sich hier diese Gedanken macht. Und wenn sie mal zehn, zwölf Alben veröffentlicht haben, haben sich alle dran gewöhnt.

  • Unabhängig davon halt ich den Namen aber so oder so für nicht so wirklich geglückt. Das ist mehr eine nette Idee für ein einmaliges Projekt, das am Tresen geboren wurde, als ein richtiger Bandname, nicht?

  • Also der Name geht wohl auf das Robert-Fripp-Projekt „League Of Gentlemen“ zurück, egalitär-demokratietheoretisch gebrochen mit dem „gewöhnlich“. Find ich schon gut.

    Sorry, falls das alle schon wussten und ich hier oberlehrermäßig rüberkomme.

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