Die besten Platten des ersten Halbjahres (Teil 2): Parquet Courts, La Roux, Conor Oberst, Amazing Snakeheads, Fat White Family und mehr

Im ersten Teil haben wir uns auf die bemerkenswerten Platten aus heimischen Gefilden konzentriert, nun ein kurzer Rückblick auf die besten Platten aus Übersee und United Kingdom.


Parquet Courts – Sunshine Animal


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“Sunbathing Animal” mag anfangs sperrig klingen und sich bewusst dem Hörer verweigern, aber in der zweiten Hälfte lauern die Hits! Auch hat sich die Bandbreite der Band, die bisher strikt dem Pink-Flag-Prinzip von Wire gefolgt sind (warum lang, wenn’s auch kurz geht? warum geradlinig, wenn die Gitarren auch eckig klingen können?), deutlich erhöht: so finden wir das beinah country-esque, mehr als sieben (!) Minuten lange Stück “Instant Disassembly” (think: Pavements “Fillmore Jive” for a new generation) Seit an Seit mit einem klassischen Parquet Courts – Song wie “Duckin’ & Dodgin’” und ihrem bisher minimalistischsten Punkklopper “Sunbathing Animal” (der übrigens tatsächlich die Gedanken der Band-Katze (“There’s a patch of light that hits the floor I’ll often occupy/ Stretch my arms and legs and close my eyes”) vertont und diese auch im wunderbaren Nichts-Video featured).


La Roux – Trouble In Paradise


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Fünf Jahre! Das war schon immer im Pop eine Ewigkeit! Aber im Pop 2014? Wenn Bands schon wieder out sind bevor sie überhaupt den Schritt von Hypemachine-mp3 zu Debütplatte gehen konnten?
Aber wie La Roux‘ Haircut schon immer die Gesetzmäßigkeiten der Gravitation einfach missachtete, so schert sich Elly Jackson auch nicht um andere Regeln oder wie lange wir warten mussten, um den Nachfolger ihres brillanten Debütalbums zu hören. Dabei hat sie sich auch noch von der im Hintergrund stehenden zweiten Hälfte des Projekts getrennt und nebenbei gezeigt, dass sie eben nicht nur die Sängerin, sondern auch die Songwriterin von La Roux ist. Erneut ein hervorragendes Album, das die 80ies Tendenzen beibehält, aber vom early electro blueprint des Vorgängers in Richtung Yacht Rock schielt.


Amazing Snakeheads – Amphetamine Ballads


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Das Debütalbum der Amazing Snakeheads muss seine Härte nicht durch Schnelligkeit beweisen, sondern ist oft sogar überraschend zurückgenommen – zieht man in Betracht, dass die nicht auf dem Album enthaltene Debütsingle “Testifying Time” aus dem letzten Jahr noch ein Adrenalin-Monster in 80 Sekunden war.

Die Songs der Amazing Snakeheads besitzen aber eine unterschwellige Grausamkeit, eine Boshaftigkeit, die viel ärger trifft als schlichtes 1-2-3-4-Geknüppel. Und „langsam“ heißt hier jetzt auch nicht „zugänglich“, denn selten war ein Albumtitel passender, findet sich auf “Amphetamine Ballads” doch psychotischer Rocknrollsound und Rockabillypunk, der selten straight zielt, sondern gern den Umweg über eine weitere Noise-Attacke nimmt. Verlangsamen die Snakeheads das Tempo dann in der zweiten Hälfte der Platte noch mehr und schieben den Saxophonisten (!) in den Vordergrund, dann hätte David Lynch auch schon einen Soundtrack gefunden, würde sein nie geplantes Wild At Heart Sequel in Glasgow spielen.
Leider ist die Band bereits wieder am Implodieren: von der Drei-Mann-Besetzung ist derzeit nach internen Bandstreitigkeiten nur noch Sänger Dale Barclay über.


The Vacant Lots – Departure


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Suicide und Velvet Underground, Spacemen 3 und die Kathedralen aus Sound. Ein schlüssiges, in sich sehr konsistentes Album, das aus den Nächten in Großstädten erzählt und mit dem Zehnminüter „Make A Connection“ einen der besten Songs des Jahres bereit hält. Dessen Mantra: “eyes wide awake / watching life disappear”.
Geliebt und unterstützt von Sonic Boom (Spacemen 3 / Produzent), Anton Newcombe (Brian Jonestown Massacre / Remixer), Dean Wareham (Galaxie 500 / Gastgitarrist), Alan Vega (Suicide / Splitsingle-Kollege).


Conor Oberst – Upside Down Mountain





So ganz kann ich die interne Unterscheidung zwischen „Solo“-Platten unter seinem richtigen Namen und „Band“-Platten unter der Bright-Eyes-Flagge beim guten Conor zwar nicht nachvollziehen, aber „Upside Down Mountain“ ist so oder so das Beste, was Oberst seit „I’m Wide Awake“ veröffentlicht hat. Eine erstklassige Songsammlung, die zwar nicht nur solo / akustisch instrumentiert ist, aber trotz voller Bandbesetzung glücklicherweise nicht die Feinheiten der Songs niederwalzt, wie das bei Conor Oberst/Bright Eyes – Platten in den letzten Jahren leider häufiger der Fall war.


Courtney Barnett – A Sea Of Split Peas





Eigentlich ist „A Sea Of Split Beans“ nur eine Zusammenstellung aus zwei EPs aus dem Vorjahr, aber allein wegen „Avant Gardener“ natürlich immer noch einer Erwähnung wert. Barnett ist mit Sicherheit die spannendste neue Singer/Songwriterin, gerade auch weil sie sich nicht „Frau mit Gitarre“ – Klischees hingibt, sondern ihre hervorragenden stream of consciousness lyrics über für dieses Genre ungewöhnliche Schrammelgitarren singt. Ein bisschen wie Waxahatchee mit mehr Witz oder Best Coast mit angezogener Handbremse aber dafür besseren Texten.


King Creosote – From Scotland With Love


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A propos Singer/Songwriter: King Creosote singersongwritert auch schon seit Jahren verlässlich vor sich hin: 26 (!) Eigenreleases und 15 (!) reguläre Langspielplatten hat Kenneth Anderson bereits veröffentlicht. Im Gegensatz zu den Lo-Fi-Skizzen der frühen Jahre ist das auf Domino erschienene „From Scotland With Love“ – Album voll instrumentiert und beinah glatt produziert, ohne aber seinen Indie-Folk-Charme zu verlieren. Das Gegenprogramm zu Mumford & Sons: keine Banjos in Sicht und es wird eher anerkennenden im Bart gestreichelt anstatt ein knees-up durch den Stall zu veranstalten.



Fat White Family – Champagne Holocaust


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Ein Gast aus dem letzten Jahr, aber in Deutschland völlig untergegangen: das Debütalbum der Fat White Family, die dank ihrer Tour im Vorprogramm der Black Lips für einiges Aufsehen sorgen konnten. Zwar ist das Album zu dünn produziert und kann nicht einmal annähernd wiedergeben, was für eine Wucht die Fat White Family auf der Bühne sind, aber bis Ende 2014 die Nachfolgeplatte erscheint, muss „Chapagne Holocaust“ erst einmal reichen. Und auch wenn Songs wie „Bomb Disneyland“ ihren Groove und Stones circa Exile On Main Street – Swagger auf Platte nur andeuten, ist die Wut und Wildheit der Band dennoch zu spüren. Mit „Is It Raining In Your Mouth“ ist so oder so ein veritabler Hit enthalten.


Champs – Down Like Gold





Ein schönes Album, das zwischen einer klassisch britischen Folk-Tradition (inklusive engelsgleicher Stimmen und Harmonien!) und dem sensiblen Indie“rock“ der späten 90er pendelt, dabei aber den Coldplay-Bombast vermeidet. Songs wie „St. Peters“ und „Pretty Much (Last November)“ gehören mit zum Besten, was die Singer/Songwriter-Szene in England in diesem Jahr produziert hat.

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